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Chronische Müdigkeit ist ein tägliches Problem des Hausarztes
und wird häufig mit dem Chronic Fatigue Syndrome (CFS) assoziiert.
Studien zeigen allerdings, dass 95% der als CFS diagnostizierten
Patienten eine (meistens behandelbare) medizinische oder psychiatrische
Krankheit haben. Die Annahme eines CFS als Grundlage der chronischen
Müdigkeit entspricht der allgemeinen Bereitschaft der PatientInnen,
eher eine somatische als eine psychologische / psychiatrische
Grundlage ihrer Erkrankung bzw. Befindlichkeitsstörung zu akzeptieren.
Die hypothetischen pathophysiologischen Erklärungen des CFS sind
zahlreich und verfolgen fast ausschliesslich eine somatische Ursache
dieser Störung, welche bisher nicht widerspruchsfrei erhärtet
werden konnte. Insofern stellt der Zugang zur chronischen Müdigkeit
oft einen Aspekt des Leib-Seele-Dualismus dar und kann ein wesentlicher
Beitrag zur jatrogenen Fixierung dieser Störung sein.
Müdigkeit ist stark von der Erholung und entsprechend eng von
der Schlafqualität abhängig. Schlaf (und Wachheit) werden durch
Neurotransmittersysteme reguliert, welche auch für die Stimmung
und Affekte, Kognitionen und andere Aspekte des menschlichen Verhaltens
(z.B. Essverhalten) verantwortlich sind. Sinngemäss können verschiedene
psychiatrische Syndrome (z.B. affektive Störungen wie Depressionen
oder Angstsyndrome) zu Schlafstörungen bzw. Erholungsproblemen
und folglich Müdigkeit führen. Die Schlafqualität kann durch verschiedene
andere Ursachen gestört werden (z.B. Schlafapnoe, Narkolepsie),
welche sekundär zu psychologischen oder psychiatrischeri Problemen
führen können, was zu falschen ätiologischen Schlussfolgerungen
und gefährlichen Behandlungsansätzen führen kann. Insofern erfordert
die Untersuchung, Beurteilung und Therapie der Müdigkeit stets
ein interdisziplinäres Denken. Die häufigsten psychologischen
und psychiatrischen Ursachen der Müdigkeit werden vorgestellt
und Behandlungsmöglichkeiten aufgezeigt.
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