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Donnerstag, 22. März 2001
15.30-16.15Uhr

Mehrzweckhalle beim Schulhaus
"Essstörungen: Rolle der Hausärztinnen und -ärzte"
Dr. med. Bettina Isenschmid, Leiterin der Sprechstunde für Essstörungen, Inselspital Bern

Hausärzte und -ärztinnen sehen sich mit einer zunehmenden Zahl essgestörter Jugendlicher konfrontiert. Die Prävalenz bei Mädchen und Frauen zwischen 15 und 25 Jahren wird nach neueren Untersuchungen bei der Bulimie mit 5 - 8%, bei der Anorexie mit bis zu 2% angegeben. Die Dunkelziffer liegt jedoch weit höher, insbesondere bei Risikogruppen (Models, Sportlerinnen, Geschwister und Töchter von Patientinnen, Patientinnen mit Diabetes mellitus). Teilaspekte des problematischen Verhaltens wie ständiges Diäthalten, Sport und Rauchen zur Gewichtskontrolle sowie die Einnahme von Laxantien sind noch weitaus häufiger anzutreffen. Im

Rahmen des Referats sollen auf Essstörungen hinweisende Verhaltensauffälligkeiten wie unkontrolliertes Essen, Abführen, Erbrechen, kompensatorische körperliche Aktivität ebenso zur Sprache kommen wie wichtige psychische und somatische Anzeichen. Die in der Grundversorgung tätigen Kolleginnen und Kollegen sollen befähigt werden, anhand von Anamnese, Körperstatus und einer Reihe von typischerweise veränderten laborchemischen Parametern Jugendliche mit Essstörungen frühzeitig zu erkennen, das Ausmass und die Gefährlichkeit der Verhaltensstörung abzuschätzen und erste beraterische und therapeutische Massnahmen zu ergreifen. Ein besonderes Schwergewicht bildet dabei die Zusammenarbeit mit anderen Berufen wie Ernährungsberatung, Physio- und Bewegungstherapie, Psychotherapie und Zahnmedizin. Je kürzer jedoch das Intervall zwischen Erstmanifestation und Behandlung gehalten werden kann desto besser ist die Prognose. Als Faustregel gilt, dass wenn nach 3 Monaten hausärztlicher Behandlung keine Verbesserung der Symptomatik (Gewichtsstabilisierung oder -zunahme, Abnahme Ess-Brech-Anfälle) eingetreten ist, die Überweisung an ein spezialisiertes Behandlungszentrum erfolgen sollte.

 

 

 

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