Abstract: Hüftprothesen sind immer noch experimentelle Chirurgie

Donnerstag, 21. März 2002
17.40-18.20 Uhr

Mehrzweckhalle beim Schulhaus
Hüftprothesen sind immer noch experimentelle Chirurgie - Verläufe und Verlaufskontrollen
Dr. B. Isler CA
Klinik für Orthopädische Chirurgie Kantonsspital Winterthur
Vermittelt wird kurz die Erfolgsgeschichte der Hüftprothetik, insbesondere die eminente Rolle, welche die medizin-technologische Industrie dabei ausübt, eine Industrie, die sich innerhalb von 40 Jahren aus kleinen Hinterhofwerkstätten zu globalen Unternehmungen mit einem Jahresumsatz von über 10 Mia US $ und einem Börsenwert von weit über 20 Mia US $ entwickelt hat. Diese Industrie unterliegt den gleichen marktwirtschaftlichen Zwängen wie andere börsenkotierte ‚global players' und agiert entsprechend aggressiv. Dem gegenüber steht eine zwar extrem voluminöse aber nur bedingt brauchbare medizinische Datenflut bezüglich der von dieser Industrie produzierten Implantate. Diese besteht hauptsächlich aus retrospektiven Fallstudien, prospektiv randomisierte Untersuchungen sind praktisch inexistent aus verständlichen Gründen: Die mittel- bis langfristigen Resultate sind mittlerweile so gut, dass nur sehr grosse Kollektive, beobachtet über Zeiträume von mind. 10 Jahren, allenfalls über Vor- oder Nachteile von Innovationen Auskunft geben könnten. Das Fehlen von prospektiv randomisierten Studien verhindert auch die Metaanalyse. Es ist daher imperativ, dass sich der einzelne Anwender durch systematische Nachkontrolle seiner Fälle ein Bild über die Qualität seiner Technik und der von ihm verwendete Implantate verschafft. In einigen Ländern mit staatlich kontrollierten Gesundheitssystemen sind solche systematischen Datensammlungen in der Form nationaler Prothesenregister obligatorisch. Vor- und Nachteile solcher Register werden aufgezeigt. Im 2. Teil wird auf die häufigste Ursache für Reoperationen, die aseptische abriebbedingte Lockerung eingegangen. Anhand klinischer Fälle werden die Vorteile der frühzeitigen Erkennung dieses Phänomens demonstriert.
30. Januar 2002

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