Salutogenese

Freitag, 22. März 2002
15.00-19.00 Uhr

Mehrzweckhalle beim Schulhaus
GESUNDHEIT-KRANKHEIT-SALUTOGENESE
Prof. G.A. Nagel

Seit dem 19.Jarhundert hat sich die wissenschaftliche Medizin dem pathogenetischen Paradigma verschrieben. Sie wurde somit morbus-zentriert und zwar so sehr, dass die Krankheit im Menschen zeitweise wichtiger erscheint als der Mensch in der Krankheit.

Heute drängt sich das bis ins 18. Jahrhundert in der Medizin vorherrschende salutogenetische Paradigma wieder in unser Bewusstsein . Dessen Kernaussage lautet: der lebendige Organismus verfügt über intrinsische Kräfte der Selbsterhaltung, die sich in bestimmten Mechanismen wie der somatischen und psychischen Abwehr, Reparatur, Regeneration, Entgiftung, in Überlebensstrategien, Willensakten etc. zu erkennen geben.

In der Diskussion zum Stellenwert der pathogenetischen und salutogenetischen Paradigmen in der Medizin des 21. Jahrhunderts werden folgende Fragen diskutiert und im Vortrag aufgegriffen:

1. wo im medizinischen Alltag handelt die Schulmedizin heute noch im Kontext des salutogenetischen Paradigmas. Stichwort zum Vortrag: Impfungen; die Behandlungsansätze der Psychologie, Physiotherapie, Rehabilitation, Ernährungsmedizin, Krankenpflege.

2. wo im medizinischen Alltag finden sich Fehlhandlungen infolge einer ungenügenden Auseinandersetzung mit dem Salutogenesemodell? Stichwort zum Vortrag: Übertherapie funktioneller Störungen; unangemessener Einsatz von Sedativa/Antidepressiva; Unterschätzung der Reha-Medizin.

3. welche Auswirkungen hatte die Dominanz des pathogenetischen Paradigmas auf die Entwicklung unseres Gesundheitswesens? Stichworte zum Vortrag: Ausbildungscurriculum des medizinischen Nachwuchs, die Selektion akademischer Lehre; die Art, wie man Spitäler baut, Arzneimittel prüft und zulässt, medizinische Zeitmanagement treibt, ärztliche Leistungen vergütet.

4. Was weiss man heute über die Physiologie des Salutogenese des Menschen? Stichworte zum Vortrag: Sozio-Psycho-Neuro-Immun-Endokrinologie; das pathogenetische/salutogenetische Kräftespiel als Basis der ease/disease Homöostase.

5. Lassen sich die dem Menschen innewohnenden salutogenetischen Potentiale (Selbstheilungskräfte) besser präventivmedizinisch oder therapuetisch nutzen, und wenn ja wie? Stichworte zum Vortrag: Patientenkompetenz und Prognose; Selbsthilfe; Weltanschauung und Weltanhörung in der Medizin.

6. Ist unser morbus-zentriertes Medizinwesen reformfähig -oder: lässt sich im Spannungsfeld Schulmedizin-Komplementärmedizin überhaupt etwas bewegen? Stichworte zum Vortrag: Alternativen zur Schulmedizin oder Alternativen in der Schulmedizin.

17. März 2002

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