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Seit dem 19.Jarhundert hat sich die wissenschaftliche Medizin
dem pathogenetischen Paradigma verschrieben. Sie wurde somit
morbus-zentriert und zwar so sehr, dass die Krankheit im Menschen
zeitweise wichtiger erscheint als der Mensch in der Krankheit.
Heute drängt sich das bis ins 18. Jahrhundert in der Medizin
vorherrschende salutogenetische Paradigma wieder in unser
Bewusstsein . Dessen Kernaussage lautet: der lebendige Organismus
verfügt über intrinsische Kräfte der Selbsterhaltung, die
sich in bestimmten Mechanismen wie der somatischen und psychischen
Abwehr, Reparatur, Regeneration, Entgiftung, in Überlebensstrategien,
Willensakten etc. zu erkennen geben.
In der Diskussion zum Stellenwert der pathogenetischen und
salutogenetischen Paradigmen in der Medizin des 21. Jahrhunderts
werden folgende Fragen diskutiert und im Vortrag aufgegriffen:
1. wo im medizinischen Alltag handelt die Schulmedizin heute
noch im Kontext des salutogenetischen Paradigmas. Stichwort
zum Vortrag: Impfungen; die Behandlungsansätze der Psychologie,
Physiotherapie, Rehabilitation, Ernährungsmedizin, Krankenpflege.
2. wo im medizinischen Alltag finden sich Fehlhandlungen
infolge einer ungenügenden Auseinandersetzung mit dem Salutogenesemodell?
Stichwort zum Vortrag: Übertherapie funktioneller Störungen;
unangemessener Einsatz von Sedativa/Antidepressiva; Unterschätzung
der Reha-Medizin.
3. welche Auswirkungen hatte die Dominanz des pathogenetischen
Paradigmas auf die Entwicklung unseres Gesundheitswesens?
Stichworte zum Vortrag: Ausbildungscurriculum des medizinischen
Nachwuchs, die Selektion akademischer Lehre; die Art, wie
man Spitäler baut, Arzneimittel prüft und zulässt, medizinische
Zeitmanagement treibt, ärztliche Leistungen vergütet.
4. Was weiss man heute über die Physiologie des Salutogenese
des Menschen? Stichworte zum Vortrag: Sozio-Psycho-Neuro-Immun-Endokrinologie;
das pathogenetische/salutogenetische Kräftespiel als Basis
der ease/disease Homöostase.
5. Lassen sich die dem Menschen innewohnenden salutogenetischen
Potentiale (Selbstheilungskräfte) besser präventivmedizinisch
oder therapuetisch nutzen, und wenn ja wie? Stichworte zum
Vortrag: Patientenkompetenz und Prognose; Selbsthilfe; Weltanschauung
und Weltanhörung in der Medizin.
6. Ist unser morbus-zentriertes Medizinwesen reformfähig
-oder: lässt sich im Spannungsfeld Schulmedizin-Komplementärmedizin
überhaupt etwas bewegen? Stichworte zum Vortrag: Alternativen
zur Schulmedizin oder Alternativen in der Schulmedizin.
17. März 2002
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