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Die Adipositas stellt eines der grössten Gesundheitsprobleme
unserer Zeit dar. Hypertonie, Hypertriglyceridämie, Diabetes mellitus
Typ 11 und Adipositas sind unter dem Bild des metabolischen Syndroms
verantwortlich für Herzinfarkte und cerebrale Insulte. Die Adipositas
ist auch assoziiert mit degenerativen Gelenkerkrankungen, Atem-
und Schlafstörungen sowie mit dem Auftreten verschiedener Karzinome.
Damit hat die Adipositas weitreichende gesundheitliche und sozio-ökonomische
Auswirkungen und man spricht deshalb nicht zu Unrecht von der
Epidemie des Dritten Jahrtausends.
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| Die Zahl der Übergewichtigen
nimmt stetig zu, obwohl die Kalorienaufnahme geringer ist als noch
vor 20 Jahren. Dieser scheinbare paradoxe Zustand ist darin begründet,
dass in der gleichen Zeitspanne der Energieverbrauch mehr abnahm
als die Zufuhr. Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung leistet heute
noch körperliche Schwerstarbeit, und auch in der Freizeit halten
sich physische Aktivitäten in Grenzen. In verschiedenen Erhebungen
korreliert die Prävalenz der Adipositas denn auch enger mit Messparametern
der Inaktivität wie Besitz von Autos und Fernsehen als mit der Fett-
und totalen Kalorienzufuhr. Trotzdem ist der Fett- bzw. Kalorienverzehr
bezogen auf den Bedarf zu hoch. Dies führt dazu, dass in der Schweiz
1.75 Millionen Menschen übergewichtig sind (Body Mass Index [BMI]
zwischen 25 und 30 k g/M2). Weitere 350'000 sind adipös (BMI zwischen
30 und 40 kg/m 2) und etwa 35'000 Schweizerinnen und Schweizer leiden
an einer morbiden Adipositas (BMI > 40 kg/m 2). Die Adipositas verursacht
in diesem Land jährliche Kosten von rund 3.8 Milliarden Franken,
was 8% der gesamten Gesundheitskosten entspricht.
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| Letztendlich ist die Adipositas
ein Bilanzproblem: wer mehr zu sich nimmt als er verbraucht, nimmt
unweigerlich zu. Damit war für die öffentliche Meinung und die Wissenschaft
jahrzehntelang klar, dass der Übergewichtige selbst an seinem Leiden
schuld sei. Die Forschungsergebnisse der Molekularbiologie konnten
in den letzten Jahren die genetische Disposition für Adipositas
demonstrieren. Dick-Sein wurde nun verschiedentlich als etwas "Schicksalhaftes"
angesehen. Wie so oft, liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte.
Zusammenfassend kann man sagen, dass es sich um eine vererbte Prädisposition
handelt, auf eine fettreiche Ernährung mit Übergewicht zu reagieren,
vor allem wenn sich eine reichliche Nahrungsversorgung mit einer
mangelnden körperlichen Aktivität verbindet.
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Alle Experten sind sich heute einig, dass Adipositas eine chronische
Krankheit ist. Sie betrifft alle Altersgruppen. Die Behandlung
ist langwierig, möglicherweise sogar lebenslang notwendig und
die Interventionen müssen auf verschiedenen Ebenen gleichzeitig
einsetzen. Unzählige Diäten (z.B. Null-Diät, Banting, Donaldson,
Sieben-Tage-Körner-Kur, Rohsäftekur, Hollywood-Diät etc. etc.)
brachten leider nicht die erhofften langfristigen Gewichtsabnahmen.
Auch der medikamentösen Fettsuchttherapie sind klare Grenzen gesetzt.
Schwerwiegende Nebenwirkungen, wie primär pulmonal arterielle
Hypertonie (Dexfenfluramine), oder Valvulopathien (Fenfluramine-Phentermine)
führten zum Rückzug von Dexfenflurainine im Herbst 1997. Auch
die neueren Lipase-Hemmer (Orlistat) sollten nur zusammen mit
einer fettreduzierten Ernährung verabreicht werden. Schliesslich
ist die bariatrische Chirurgie "nur" bei morbider Adipositas und
strenger Indikationsstellung zulässig und die Langzeitresultate
noch nicht endgültig beurteilbar. Auch die Resultate der Molekularbiologie
haben zur Zeit mehr Erkenntniswert als praktischen Nutzen gebracht.
Trotzdem schüren die unbestrittenen Erfolge der Genetik erneut
die Hoffnung; nach dem Medikament, das die Adipositas heilen
wird. Viele solcher Pfeile sind in den Köchern der Industrie (z.B.
Neuropeptid Y-Antagonisten, Leptin, Leptin-Rezeptor-Agonisten,
Uncoupling Protein-Agonisten). Es ist allerdings nicht anzunehmen,
dass sich das Problem Adipositas auf eine alleinige Pharmakotherapie
reduzieren lässt.
Die wichtigsten Elemente einer erfolgreichen Adipositastherapie
sind nach wie vor: Reduktion der Fettzufuhr, Steigerung der körperlichen
Aktivität und ein flexibles Verhaltensmanagement. Jeder einzelne
muss lernen sich umzustellen. Dies ist allerdings nur möglich,
wenn die "Epidemie Adipositas" nicht nur auf dem individuellen
Level betrachtet wird. Vielmehr müssen Behörden, Medien und die
Nahrungsmittelindustrie gemeinsam versuchen, das Umfeld so zu
modifizieren, dass es der Gewichtszunahme weniger förderlich ist
(z.B. viel weniger fettreiche Angebote in Supermärkten). Damit
würde ein bisher total vernachlässigter Bereich erst richtig effizient:
nämlich die Prävention. Nach einer Studie von Whitaker und Mitarbeiter
haben übergewichtige Kinder im Alter von 3 bis 9 Jahren eine extrem
hohe Wahrscheinlichkeit, im Adoleszentenalter adipös zu werden,
wenn mindestens ein Elternteil übergewichtig ist. Damit sind Kinder
in dieser Altersgruppe möglicherweise ideale Kandidaten für präventive
Massnahmen. Da der Hausarzt im Längsverlauf mehrere Generationen
einer Familie überblickt, kommt ihm in diesem Konzept eine enorm
grosse Bedeutung zu. Adipositas verhindern - dies ist die Herausforderung
für das nächste Jahrtausend!
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