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Der
Beratungsprozess systemtheoretisch gesehen
Bereits der
Versuch dieser Begriffsannäherung zeigt die enorme Komplexität,
die eine Beratungssituation in sich hat. Es gibt eine unendliche
Vielzahl von Gründen und Kombinationsformen warum sich eine
Person so und nicht anders verhält (Nolting 1985). Eine
professionelle Beratung setzt sich aus einer ratsuchenden
Person, ihrem Anliegen und der professionellen Beratungsperson
zusammen. Gewöhnlich meinem wir, die professionelle Beratungsperson
leite das Gespräch und wisse, wie das Problem der ratsuchenden
Person zu lösen sei. Die vielen Misserfolge - und da ist
die Adipositastherpaie keine Ausnahme - zeigen, dass diese
Annahme offenbar ein Irrtum ist. Auf dem Hintergrund eines
systemtheoretische Ansatz muss der Beratungsprozess als
ein grundsätzlich nicht steuerbares Phänomen betrachtet
werden. Die Theorie der Autopoiese soll an dieser Stelle
aufgenommen werden. Sie wurde von den Biologen Maturana
und Valera (Maturana 1987) entwickelt. Später hat sie Luhmann
auf soziale Prozesse übertragen. (Kiss 1990, Luhmann 1987).
Autopoiese kommt aus dem griechischen und besteht aus den
zwei Wörtern auto (=selbst) und poienin (=machen) und bedeutet:
"Selbst-Herstellung oder Selbst-Erzeugung".
Die Theorie
der Autopoiese besagt, dass komplexe Systeme sich in ihrer
Einheit, ihren Strukturen und Elemente kontinuierlich und
in einem operativ geschlossenen Prozess mit Hilfe der Elemente
reproduzieren, aus denen sie bestehen. Dabei reproduzieren
sie nicht nur ihre eigene Autopoiesie, sondern auch ihr
Bild von der Umwelt. Der Prozess wird als operativ geschlossen
bezeichnet, da die Systeme zwar Informationen aufnehmen
und abgeben, aber die dadurch initiierten Aktionen aus ihrer
eigenen Geschichte bzw. Identität motiviert sind. So sind
hoch-komplexe Systeme also in einem gewissen Sinne "blind"
für die Umgebung. So gesehen ist jede Person in einem gewissen
Sinne "blind" für die Umgebung, unabhängig ob sie momentan
eher in der Rolle des Klienten oder der professionellen
Beratungsperson einnimmt.. Eine Regel oder Gewohnheit zu
hinterfragen, aufzuheben oder umzudrehen kann helfen, neue
Sichtweisen einzunehmen. Neue Sichtweisen geben neue Ideen,
wie eine Frage weiter verfolgt und gelöst werden könnte.
Ein Beispiel. Es gibt eine Regel die heisst: Der Klient
weiss nicht was er machen soll und die professionelle Person
weiss was Sache ist. Gilt diese Regel nicht mehr oder wird
sie aufgehoben oder umgedreht ergeben sich daraus neue Sichtweisen.
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