Aroser Fortbildungskurs 1999
Aus der Praxis - Für die Praxis, 25. bis 27. März 1999

Vortrag / Motivation und Beratung / B. Stettler

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Freitag, 26. März 1999
Mehrzweckhalle beim Schulhaus
15.00-19.00 Uhr



Adipositas
B. Stettler : Motivation und Beratung

Der Beratungsprozess systemtheoretisch gesehen

Bereits der Versuch dieser Begriffsannäherung zeigt die enorme Komplexität, die eine Beratungssituation in sich hat. Es gibt eine unendliche Vielzahl von Gründen und Kombinationsformen warum sich eine Person so und nicht anders verhält (Nolting 1985). Eine professionelle Beratung setzt sich aus einer ratsuchenden Person, ihrem Anliegen und der professionellen Beratungsperson zusammen. Gewöhnlich meinem wir, die professionelle Beratungsperson leite das Gespräch und wisse, wie das Problem der ratsuchenden Person zu lösen sei. Die vielen Misserfolge - und da ist die Adipositastherpaie keine Ausnahme - zeigen, dass diese Annahme offenbar ein Irrtum ist. Auf dem Hintergrund eines systemtheoretische Ansatz muss der Beratungsprozess als ein grundsätzlich nicht steuerbares Phänomen betrachtet werden. Die Theorie der Autopoiese soll an dieser Stelle aufgenommen werden. Sie wurde von den Biologen Maturana und Valera (Maturana 1987) entwickelt. Später hat sie Luhmann auf soziale Prozesse übertragen. (Kiss 1990, Luhmann 1987). Autopoiese kommt aus dem griechischen und besteht aus den zwei Wörtern auto (=selbst) und poienin (=machen) und bedeutet: "Selbst-Herstellung oder Selbst-Erzeugung".

Die Theorie der Autopoiese besagt, dass komplexe Systeme sich in ihrer Einheit, ihren Strukturen und Elemente kontinuierlich und in einem operativ geschlossenen Prozess mit Hilfe der Elemente reproduzieren, aus denen sie bestehen. Dabei reproduzieren sie nicht nur ihre eigene Autopoiesie, sondern auch ihr Bild von der Umwelt. Der Prozess wird als operativ geschlossen bezeichnet, da die Systeme zwar Informationen aufnehmen und abgeben, aber die dadurch initiierten Aktionen aus ihrer eigenen Geschichte bzw. Identität motiviert sind. So sind hoch-komplexe Systeme also in einem gewissen Sinne "blind" für die Umgebung. So gesehen ist jede Person in einem gewissen Sinne "blind" für die Umgebung, unabhängig ob sie momentan eher in der Rolle des Klienten oder der professionellen Beratungsperson einnimmt.. Eine Regel oder Gewohnheit zu hinterfragen, aufzuheben oder umzudrehen kann helfen, neue Sichtweisen einzunehmen. Neue Sichtweisen geben neue Ideen, wie eine Frage weiter verfolgt und gelöst werden könnte. Ein Beispiel. Es gibt eine Regel die heisst: Der Klient weiss nicht was er machen soll und die professionelle Person weiss was Sache ist. Gilt diese Regel nicht mehr oder wird sie aufgehoben oder umgedreht ergeben sich daraus neue Sichtweisen.


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