Notizen
Gliederung
COX-2-Hemmer
Die «Super-Aspirine»
Münsterlingen, 10.11.1999
Zyklooxygenasen (COX)
Am Anfang der 70er Jahre entdeckte John Vane, dass die Wirkung der Acetylsalicylsäure (und anderer nicht-steroidaler Entzündungshemmer) auf der Hemmung der Biosynthese von Prostaglandinen beruht. Gehemmt wird das Enzym Zyklooxygenase (COX)
John Vane
Nobelpreisträger 1982
 Zyklooxygenase-Isoformen
(bekannt seit ca. 1992)
COX-1: In dem meisten Geweben permanent vorhanden – unter anderem für den Schutz der Magenschleimhaut und Plättchenaggregation verantwortlich
COX-2: Permanent in Gehirn und Niere, kann zudem von Entzündungspro-zessen in anderen Geweben induziert werden
Gastrointestinale Toxizität der Antirheumatika
Bis vor kurzem war die entzündungs-hemmende Wirkung «untrennbar» mit dem Risiko von Magenschleimhaut-problemen verbunden
Rheumatische Leiden sind häufig, entsprechend häufig sind bisher die Nebenwirkungen der Antirheumatika
Sentinella-Erhebung 1990/91 (I)
Magen-Darm-Probleme am häufigsten und am wichtigsten
Ältere Leute besonders gefährdet
Wenig Unterschiede zwischen den verschiedenen Entzündungshemmern
Ibuprofen scheint jedoch am wenigsten unerwünschte Wirkungen zu verursachen
Sentinella-Erhebung 1990/91 (II)
Extrapolation der Resultate auf die Schweizer Bevölkerung:
 Antirheumatika jährlich für den Tod von 100 Personen mitverantwortlich
 Jedes Jahr etwa 900 Hospitalisationen, die mindestens teilweise durch unerwünschte Wirkungen von Antirheumatika verursacht sind
COX-2-Hemmer: «Vorgänger»
Seit den 90er Jahren wird für verschiedene Antirheumatika propagiert, sie seien COX-2-selektiv
Beispiele:
Meloxicam (Mobicox)
Nimesulid (Aulin, Nisulid)
Anderseits konnte für relativ gut verträgliche Antirheumatika (z.B. Ibuprofen) keine Selektivität gezeigt werden
1999: zwei neue COX-2-Hemmer
Celecoxib = CELEBREX
Rofecoxib = VIOXX
Beide verursachen in Endoskopie-studien signifikant weniger Magen-schleimhaut-Schäden als bisherige nicht-steroidale Entzündungshemmer, sind aber ähnlich antirheumatisch wirksam
Celecoxib (Celebrex®)
Zugelassen zur Behandlung von Entzündung und Schmerzen bei
Chronischer Polyarthritis
Arthrose
Wirksamkeit vergleichbar mit:
Naproxen (2mal 500 mg/Tag)
Diclofenac retard (2mal 75 mg/Tag)
Ibuprofen (3mal 800 mg/Tag)
Celecoxib (Celebrex®)
Bisherige Studien dauerten in der Regel 12 Wochen (1 Studie: 24 Wochen)
Studien bei akuten Schmerzen bisher enttäuschend (weniger wirksam als andere Entzündungshemmer)
Soll ein- oder zweimal täglich eingenommen werden (t½ = 11 Std)
Rofecoxib (Vioxx®)
Zugelassen zu Behandlung von Entzündung und Schmerzen bei Arthrose
Wirksamkeit vergleichbar mit
Ibuprofen (3mal 800 mg/Tag)
Diclofenac (3mal 50 mg/Tag)
Nabumeton (1500 mg/Tag)
Rofecoxib (Vioxx®)
Arthrose-Studien dauerten bis zu 6 Monaten
Weitere Studien belegen Wirksamkeit bei Schmerzen nach Zahnextraktion und bei Dysmenorrhoe
Kann einmal täglich eingenommen werden (t½ = 17 Std)
COX2-Hemmer: ungeklärte Fragen
Wirksamkeit ausserhalb der bisher dokumentierten Indikationen?
Häufigkeit schwerer gastrointestinaler Komplikationen?
Langfristige Auswirkungen
auf Herz/Kreislauf (Blutdruck?)
auf das Zentralnervensystem
COX2-Hemmer: Bad News
Von Februar bis Mai 1999 in den USA 10 Todesfälle, die mit Celecoxib in Verbindung sein könnten
Einzelfälle dokumentiert und publiziert
(Mohammed S, Croom DW. N Engl J Med 1999 (24.Juni); 340: 2005-6)
Im Tierversuch epileptogenes Potential vermutet
COX2-Hemmer: Good News
In der bisher gewonnenen Erfahrung seit der Markteinführung keine Hinweise auf schwerwiegende Probleme
Haben COX-2-Hemmer ein Potential in der Tumorhemmung? In Tierversuchen Reduktion von Hauttumoren gezeigt
Pentland AP et al. Carcinogenesis 1999 (Oktober); 20: 1939-44
Soll man COX-2-Hemmer verschreiben?
Solange man nicht mehr über langfristige Auswirkungen weiss, sind sie auch bei Arthritis und Arthrose nicht die erste Wahl
Bei anderen Schmerzen ist noch keineswegs nachgewiesen, dass sie wirksamer sind als z.B. Paracetamol
Worauf achten, wenn man doch einen COX-2-Hemmer verschreibt?
Celecoxib und Rofecoxib wurden bisher nicht vergleichend untersucht – es ist unklar, ob relevante Unterschiede zwischen den beiden bestehen
Rofecoxib hat eine längere Halbwertszeit (nur 1 Dosis täglich)
Kosten: teilt man die «nicht-teilbare» 25-mg-Vioxx-Tablette, so kostet eine 12,5-mg- Tagesdosis «nur » CHF 1.65