info-pharma -- Antiepileptika und Schwangerschaft

Frage:

Wie hoch ist das Risiko von Missbildungen oder Entwicklungsstörungen bei Kindern, deren Mütter während der Schwangerschaft (SS) Antiepileptika einnehmen? Welche Antiepileptika sind während einer Schwangerschaft und während der Stillperiode vorzuziehen?

Antwort:

  1. Schwangere Frauen mit antiepileptischer Therapie haben ein rund 2 bis 3fach erhöhtes Risiko (gegenüber gesunden Frauen), ein Kind mit Missbildungen oder einer Entwicklungsstörung zu gebären. Nicht behandelte Epileptikerinnen haben ungefähr das gleiche Risiko, doch weisen diese gegenüber behandelten Frauen eine erhöhte Mortalität auf - sowohl für Mutter wie Kind.1
  2. Über 90% der mit Antiepileptika behandelten Schwangeren gebären ein völlig gesundes Kind.
  3. Missbildungen scheinen am wenigsten mit Phenobarbital (Luminal® u.a.) und Carbamazepin (Tegretol® u.a.), am häufigsten mit Primidon (Mysoline®) gefolgt von Valproinsäure (Convulex® u.a.) aufzutreten.2 Generell soll jedoch das Antiepileptikum zur Anwendung gelangen, mit dem bei einer Epileptikerin Anfälle bisher am zuverlässigsten verhütet werden konnten.
  4. Generell ist die Stillperiode keine Kontraindikation für Antiepileptika. Speziell Valproinsäure und Phenytoin (Epanutin® u.a.) finden sich nur in niedriger Konzentration in der Muttermilch.
  5. Um die Rate an Missbildungen zu senken, wird die Supplementierung mit täglich 5 mg Folsäure (Folvite® u.a.) empfohlen. Eine Folsäuresupplementierung wird heute eigentlich in jeder Schwangerschaft durchgeführt, da dadurch die Rate an Neuralrohrdefekten signifikant gesenkt werden kann.
  6. Um hämorrhagische Komplikationen des Neugeborenen zu vermeiden, empfiehlt sich die Substitution mit Vitamin K (Konakion®): Mutter: 2 bis 4 Wochen vor der Geburt mit 20 mg Vitamin K täglich; Neugeborenes: 2 mg Vitamin K täglich.
  7. Die antiepileptische Behandlung soll soweit wie möglich als Monotherapie durchgeführt werden; dabei ist die kleinste klinisch noch wirksame Dosis zu wählen (Ziel: keine Anfälle).
  8. Regelmässige (alle 4 Wochen) Plasmaspiegelkontrollen der Antiepileptika. Cave: pharmakokinetische Parameter verändern sich während der SS: Verteilungsvolumen, Proteinbindung, Metabolismus und Clearance.
  9. Eine Epilepsie stellt keine Kontraindikation für eine Schwangerschaft dar. Insbesondere muss aber bei den SS-Kontrollen verschärft auf Missbildungen seitens des ZNS, des Herzens sowie im Bereich Lippen-Kiefer-Gaumen geachtet werden: Ultraschalluntersuchungen, alpha-Fetoprotein, Amniozentese.

 

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