|
|
|
Hormonersatz-Therapie nach Brustkrebsbehandlung
Bei einer heute 56jährigen Frau wurde vor 18 Jahren eine Mammakarzinom-Behandlung durchgeführt: Ablatio, Tumor ER +, 6 Zyklen einer adjuvanten Chemotherapie, Ovarektomie, Tamoxifen über 2 Jahre. Bisher klinisch rezidivfrei. Heute hat sie eine densitometrisch nachgewiesene Verminderung der Knochenmasse mit erhöhtem Frakturrisiko; sie wird deswegen mit Alendronat (Fosamax®) behandelt. Wegen persistierenden nächtlichen Hitzewallungen und Stimmungsschwankungen stellt sich jetzt die Frage nach einer zusätzlichen Östrogen-Substitutions-Behandlung. |
|
Eine sehr schwierige Frage, dessen Beantwortung bis heute nicht schlüssig geklärt ist. Zu beachten gilt, dass Frauen mit einer Östrogen-Langzeittherapie (mehr als 10 Jahre) ein rund 2 bis 3fach erhöhtes Risiko an Brustkrebs zu erkranken aufweisen gegenüber Frauen, denen keine Hormonersatz-Therapie verabreicht wurde. Im Gegensatz dazu weisen jedoch Frauen, die aktiv behandelt werden, eine signifikant geringere Gesamtmortalität auf gegenüber Frauen, die keine Östrogene erhalten. Diese Tatsache ist in erster Linie auf die positiven Wirkungen von Östrogenen auf das Herz-Kreislauf-System sowie auf die Erhöhung der Knochendichte (Osteoporoseprophylaxe) und das damit verminderte Frakturrisiko zurückzuführen. Im weiteren ist bekannt, dass bei Frauen mit Hormonerstatz-Therapie weniger Alzheimer-Erkrankung auftritt. Hormone replacement therapy after treatment of breast carcinoma Wichtig in diesem
Zusammenhang ist auch die Frage nach der Lebensqualität. So sprechen peri-
und postmenopausale Symptome auf Östrogene sehr gut an. Im weiteren konnte
gezeigt werden, dass Hitzewallungen durch Progesterone positiv beeinflusst
werden. Nachteilig ist deren negative Auswirkung auf Herz-Kreislauf sowie
Gewichtszunahme. Auch das neue Medikament Tibolon (Livial®), das sowohl
östrogene, gestagene wie androgene Wirkung aufweist, wird zur Behandlung
von postmenopausalen Beschwerden empfohlen. Nachteilig von Tibolon ist,
dass das Medikament die HDL-Fraktion des Cholesterins vermindert und so
das Lipidprofil negativ beeinflusst wird. Daher ist eine Behandlung mit
Tibolon bei Frauen mit Hypercholesterinämie nicht zu empfehlen. Bei Stimmungsschwankungen
lohnt sich ein Versuch mit Antidepressiva. Generell kann keine Empfehlung
gemacht werden. In jedem Fall muss das Nutzen-Risiko-Verhältnis individuell
abgeschätzt werden, ob eine Hormonersatztherapie bei Frauen mit Brustkrebs
sinnvoll ist oder nicht. Weitere Information zu Hormonersatz-Therapie
bei Frauen mit Brustkrebs finden sich an folgenden Stellen: Estrogen replacement therapy in women with a history of breast cancer Hormone replacement therapy in women treated for gynaecological malignancy Hormone replacement therapy in the aged. A state of the art review |