Adjuvantierte
Grippeimpfstoffe
In der Schweiz steht seit 2007/08 ein «adjuvantierter»
Impfstoff (Fluad®) gegen die saisonale Grippe zur Verfügung.(2)
(In Italien und Deutschland wurde dieser Impfstoff schon einige
Jahre früher verkauft.) Dieser Impfstoff enthält
ein Adjuvans (MF59.C1), welches unter anderem Squalen enthält.
Die beiden Impfstoffe gegen das «neue» H1N1-Influenzavirus
(Focetria® und Pandemrix®) werden ebenfalls mit Hilfe
eines Adjuvans hergestellt, das Squalen enthält. Bei
Focetria® handelt es sich wieder um MF59; bei Pandemrix®
heisst das Squalen-haltige Adjuvans AS03. Squalen ist in verschiedenen
pflanzlichen und tierischen Geweben nachweisbar, z.B. in pflanzlichen
Ölen oder in der Haileber. Letztere stellt offenbar die
wichtigste Quelle für die kommerzielle Herstellung von
Squalen dar.
Zur Frage, ob Squalen problemlos sei, gehen die Meinungen
auseinander. Im Tierversuch kann Squalen zur Bildung von Lupus-assoziierten
Auto-Antikörpern führen.(3,4)
Dies könnte im Zusammenhang mit Impfungen beim Menschen
relevant sein – genauere Untersuchungen wurden nicht
durchgeführt. Die Tatsache, dass bei Personen, die mit
Squalen-haltigen Impfstoffen geimpft wurden, keine Antikörper
gegen Squalen nachweisbar sind, ist in diesem Zusammenhang
nicht von Belang (es geht ja nicht um Antikörper gegen
Squalen).
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stellt sich mit den
Herstellerfirmen auf den Standpunkt, die Erfahrung mit dem
Squalen-haltigen Impfstoff Fluad® - der etwa 22 Millionen
Personen verabreicht worden ist – genüge zur Annahme,
es halte sich um einen gutartigen Zusatz.(5)
Dazu ist zu bemerken, dass die Erfahrungen mit nicht-adjuvantierten
Impfstoffen wohl um das Hundert- bis Tausendfache grösser
sind. Zudem liesse sich ein Zusammenhang mit der Impfung kaum
festlegen, wenn der Squalen-haltige Zusatz allenfalls erst
nach Jahren zu Autoimmunitäts-assoziierten Problemen
führen würde. Auch wurde Fluad® fast ausschliesslich
bei älteren Leuten verwendet. Ob diese Erfahrungen genügen,
um auch bei jungen Leuten auf eine gefahrlose Anwendung schliessen
zu können, ist fraglich. Im Gegensatz zur WHO hat jedenfalls
die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA bisher keinen
Impfstoff mit einem Squalen-haltigen Adjuvans zugelassen.
Fachleute sind der Meinung, dass dies auch nicht in absehbarer
Zukunft erfolgen werde.(6)
Weshalb es bisher unterlassen wurde, für die Schweiz
(und mehrere andere europäische Länder) einen «Schweinegrippe»-Impfstoff
ohne Adjuvans vorzubereiten, ist unverständlich. In den
USA sind seit Wochen mehrere Adjuvans-freie Impfstoffe erhältlich.
Auch in Frankreich ist neben einem adjuvantierten Impfstoff
(Humenza®) auch einer ohne Adjuvans (Panenza®) verfügbar,
beide von der Firma Sanofi Pasteur hergestellt.
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