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| pharma-kritik |
| Titel |
Basistherapie der rheumatoiden Arthritis |
| Autor |
UP. Masche |
| Reviewer |
B.A. Michel, U. Schlumpf, H.A. Schwarz,
P.M. Villiger |
| pharma-kritik Jahrgang
24, Nummer 3 |
Redaktionsschluss:
25. Juli 2002 |
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Die rheumatoide Arthritis – die heutige Bezeichnung für die
chronische Polyarthritis – kommt bei bis zu 1% der Bevölkerung
vor. Sie tritt in der Regel zwischen 40 und 70 Jahren auf,
kann sich jedoch in jedem Alter manifestieren. Frauen sind
mehr als doppelt so häufig betroffen wie Männer. Es handelt
sich um eine T-Zell-vermittelte Autoimmunerkrankung. Zentrales
Element der rheumatoiden Arthritis ist die Synovialitis.
Die entzündete Synovialmembran wird hyperplastisch und führt,
in Knorpel- und Knochengewebe eindringend, zu Erosionen. Die
wichtigsten Symptome sind Gelenkschmerzen, Gelenkschwellungen
sowie morgendliche, mehr als eine Stunde anhaltende Gelenksteifigkeit.
Die Gelenke sind symmetrisch befallen, Hand- und Fussgelenke
häufiger als grosse proximale Gelenke. In frühen Krankheitsstadien
kann die korrekte Diagnose schwierig sein.
Der Verlauf der rheumatoiden Arthritis reicht von leichten,
selbstlimitierenden Gelenkbeschwerden bis zur schweren Systemerkrankung,
bei der neben den Gelenken andere Organe wie Lunge, Herz oder
Gefässe betroffen sein können. Die Prognose lässt sich anhand
von verschiedenen Faktoren abschätzen: als prognoseverschlechternd
gelten stark positive Rheumafaktoren, frühes Auftreten von
Knochenerosionen, viele befallene Gelenke (vor allem im Frühstadium)
und extraartikuläre Manifestationen.(1)
Bei der Behandlung vertritt man heute wegen des bedrohlichen
Charakters der Erkrankung die Strategie, eine Basistherapie
zu beginnen, sobald die Diagnose feststeht.(1,2)
Basistherapeutika, die sogenannten «Disease-modifying
antirheumatic drugs» (DMARD), beeinflussen den Krankheitsprozess
und vermögen die Gelenkdestruktionen zu bremsen. Der Wirkmechanismus
dieser Medikamente ist nicht bei allen bekannt. Die Basistherapeutika
werden unten detaillierter besprochen, unterteilt in die herkömmlichen
Substanzen sowie die drei neuen Mittel Leflunomid, Etanercept
und Infliximab. Nicht-steroidale Entzündungshemmer
und Steroide dienen als Ergänzung zur Basistherapie,
indem sie zur Symptomlinderung beitragen. Steroide besitzen
eine starke entzündungshemmende Wirkung und helfen, systemisch
oder intraartikulär verabreicht, bei hoher Krankheitsaktivität
rasch und zuverlässig – auch zur Überbrückung, bis die Wirkung
von Basistherapeutika einsetzt. Orale Steroide werden oft
längerfristig verschrieben, insbesondere wenn der Effekt der
Basistherapeutika ungenügend ist, wobei die Steroide ebenfalls
einen gewissen basistherapeutischen Effekt ausüben. Bei den
Steroiden ist zu beachten, dass immer eine Osteoporoseprophylaxe
durchgeführt wird und bei einer längerfristigen Behandlung
die Äquivalenzdosis von 7,5 mg Prednison pro Tag möglichst
nicht überschritten wird.(2-4)
Es gibt verschiedene Messinstrumente, um die Wirkung einer
Behandlung abzuschätzen. In den neueren klinischen Studien
benutzte man meistens die Skala, die von der amerikanischen
Fachgesellschaft «American College of Rheumatology » (ACR)
entwickelt worden ist und welche die Anzahl der betroffenen
Gelenke, Schmerzangaben, Krankheitsaktivität, Funktionseinschränkungen
und Entzündungsparameter im Blut erfasst. Der primäre Endpunkt
war jeweils eine 20%ige Besserung auf der ACR-Skala; der Wert
von 20% ist zwar sehr sensitiv und wird deshalb in den Studien
verwendet, bedeutet klinisch indessen keine erhebliche Besserung.
Mit Hilfe von radiologischen Messskalen («Larsen-Score» und
«Sharp-Score») lässt sich der eigentliche Krankheitsschaden,
der Verlauf der Gelenkzerstörung, dokumentieren.(1,2)
Behandlung und Verlauf einer rheumatoiden Arthritis sollten
standardisiert festgehalten werden. In der Schweiz dient dazu
das SCQM-Projekt («Swiss Clinical Quality Management in Rheumatoid
Arthritis»), in das alle an rheumatoider Arthritis Erkrankten
durch die mitbetreuenden rheumatologischen Fachleute einbezogen
werden sollten.(5) Hilfreich sind auch
die Merkblätter und Richtlinien zu den einzelnen Medikamenten,
welche die Schweizerische Gesellschaft für Rheumatologie im
Internet veröffentlicht hat (www.rheumanet. ch).
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Herkömmliche Basistherapeutika
In diese Gruppe fallen diejenigen Medikamente, die bis Ende
der 1990er Jahre die basistherapeutischen Möglichkeiten darstellten.
Darunter finden sich neben den Substanzen mit unverändert
grosser Bedeutung auch solche, die praktisch nicht mehr verwendet
werden.
Methotrexat
Methotrexat hemmt folsäureabhängige Enzyme und hat entzündungshemmende
sowie antiproliferative Eigenschaften. Niedrigdosiertes Methotrexat
zeichnet sich durch eine grosse – auch antierosive – Wirksamkeit
und verhältnismässig geringe Toxizität aus;(6,7)
es hat sich in den letzten zwanzig Jahren zum Standard-Basistherapeutikum
entwickelt.
Methotrexat wird bei der rheumatoiden Arthritis einmal pro
Woche oral oder parenteral (subkutan oder intramuskulär) verabreicht.
Die biologische Verfügbarkeit nach oraler Gabe schwankt erheblich;
die parenterale Applikation erweist sich zuweilen als wirksamer
und subjektiv verträglicher. Die Dosis liegt zwischen 7,5
und 25 mg/Woche. Die Wirkung ist nach 4 bis 6 Wochen zu erwarten.(2,4)
Nebenwirkungen sind Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Stomatitis,
selten Zytopenien und interstitielle Lungenerkrankungen. Relativ
häufig beobachtet man Leberenzymerhöhungen; eine manifeste
Leberzirrhose scheint aber unter den Dosen, wie bei der rheumatoiden
Arthritis verschrieben, selten vorzukommen. Routinemässige
Leberbiopsien werden nicht mehr empfohlen, sondern lediglich
Kontrollen der Leberwerte.(8)
Vor allem die Inzidenz von gastrointestinalen Beschwerden
und von Leberschäden kann reduziert werden, wenn Methotrexat
mit Folsäure (oder mit Calciumfolinat = Folinsäure,
Leucovorin) kombiniert wird. Folsäure kann täglich oder auch
nur einmal pro Woche eingenommen werden; die Wochendosis in
Milligramm sollte dabei nicht höher sein als die von Methotrexat.
Einmal pro Woche eine 5-mg-Tablette Folsäure zu verschreiben
ist in der Schweiz die billigste Variante. Folsäure interferiert
möglicherweise mit der gastrointestinalen Resorption von Methotrexat,
weshalb zu einem Abstand von 24 Stunden zwischen Methotrexat-
und Folsäureeinnahme geraten wird.(9)
Sulfasalazin
Sulfasalazin (Salazopyrin® EN) scheint ähnlich
wirksam zu sein wie Methotrexat; der antierosive Effekt ist
aber weniger dokumentiert.(4,6,7) Die initiale
Dosis beträgt 1- bis 2mal täglich 500 mg; die Dosis wird um
500 mg/Woche auf 2 bis 3 g/ Tag gesteigert. Mit einer Wirkung
ist nach 4 bis 6 Wochen zu rechnen. Die wichtigsten Nebenwirkungen
sind gastrointestinale Beschwerden, Kopfschmerzen, Hautausschläge,
Leberenzymerhöhungen, Leukopenie und Thrombozytopenie. Sulfasalazin
wird als dasjenige Basistherapeutikum betrachtet, das am ehesten
während der Schwangerschaft gegeben werden könnte.
Antimalariamittel
Die Antimalariamittel Chloroquin (Nivaquine® u.a.)
und Hydroxychloroquin (Plaquenil®) sind wahrscheinlich
weniger wirksam als Methotrexat oder Sulfasalazin, vor allem
weil kein antierosiver Effekt nachgewiesen ist. Sie haben
eine lange Halbwertszeit (1 bis 2 Monate) und eine langsam
einsetzende Wirkung (3 bis 6 Monate). Die Dosis von Chloroquin
beträgt 250 bis 500 mg/Tag, die von Hydroxychloroquin 200
bis 400 mg/Tag. Als Nebenwirkungen treten oft gastrointestinale
Beschwerden auf. Auch Hautausschläge und Hämolysen können
vorkommen. Am gefürchtetsten ist die Retinopathie, die allerdings
sehr selten auftritt; sie ist dosisabhängig und kann reversibel
sein, wenn sie – durch jährliche ophthalmologische Kontrollen
– rechtzeitig erkannt wird. Hydroxychloroquin gilt als weniger
netzhautschädigend als Chloroquin.(2,4)
Gold
Gold ist das erste Basistherapeutikum, das bei der rheumatoiden
Arthritis eingesetzt wurde. Es wird in Form von Natriumaurothiomalat
(Tauredon®) einmal pro Woche intramuskulär gespritzt
und gehört zu den wirksamsten Substanzen. Perorales Gold (Auranofin
= Ridaura®) ist weniger wirksam und deshalb obsolet.
Rund ein Drittel der mit Gold Behandelten sind von unerwünschten
Wirkungen betroffen. Zu nennen sind Haut- und Schleimhaut-Nebenwirkungen,
nephrotisches Syndrom, Zytopenien, interstitielle Lungenerkrankungen
und Neuropathien. (4,6) Obschon Gold eine
beträchtliche Toxizität aufweist, wird es gelegentlich noch
verschrieben.
Andere Mittel
Bei anderen Basistherapeutika ist das Nutzen-Risiko-Verhältnis
weniger günstig. D-Penicillamin (Mercaptyl®)
hat ein ähnliches Nebenwirkungsspektrum wie Gold und wird
praktisch nicht mehr verwendet. Bei Ciclosporin (Sandimmun®)
können selbst in niedriger Dosis Nephrotoxizität und Hypertonie
auftreten, zudem bestehen zahlreiche Interaktionsmöglichkeiten
mit anderen Medikamenten; deshalb kommt Ciclosporin nur eine
beschränkte Rolle zu (z.B. in der Kombination mit Methotrexat).
Bei Cyclophosphamid (Endoxan®) und Azathioprin
(Imurek® u.a.) fallen Knochenmarksdepression und
mögliche Kanzerogenität ins Gewicht; Cyclophosphamid wird
bei rheumatoider Arthritis lediglich noch bei schweren systemischen
Manifestationen in Betracht gezogen.(4,10)
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Leflunomid
Leflunomid (Arava®) ist ein Prodrug und wird rasch
in die pharmakologisch aktive Form, den Metaboliten M1 (A771726),
umgewandelt, der verschiedene Enzyme und damit die Proliferation
von aktivierten T-Lymphozyten hemmt.
Leflunomid wird oral eingenommen, maximale Spiegel von M1
werden nach 6 bis 12 Stunden gemessen. M1 ist zu über 99%
an Plasmaeiweisse gebunden. Der Abbau findet in der Leber
statt, die eine Hälfte über zytochromabhängige Reaktionen,
die andere über eine direkte Glukuronidierung. Beim Metabolismus
entsteht unter anderem Trifluormethylanilin, das als potentiell
kanzerogen bezeichnet wird. Die Metaboliten werden über Urin
und Stuhl eliminiert. M1 weist einen ausgeprägten hepatobiliären
Kreislauf auf, was zur – relativ langen – Halbwertszeit von
ungefähr 2 Wochen beiträgt.(11,12)
Leflunomid wurde in drei grossen Studien doppelblind mit
anderen Basistherapeutika verglichen. Als Hauptendpunkte wurden
klinische wie radiologische Kriterien berücksichtigt (20%ige
Symptombesserung nach ACR-Richtlinien, «Sharp-Score»). Die
Leflunomid-Dosis betrug jeweils 1mal 100 mg/Tag über 3 Tage,
gefolgt von einer Erhaltungsdosis von 1mal 20 mg/Tag. Falls
nötig, war eine zusätzliche Behandlung mit nicht-steroidalen
Entzündungshemmern und niedrig-dosierten Steroiden erlaubt.
In einem placebokontrollierten, 358 Personen umfassenden Vergleich
mit Sulfasalazin (2 g pro Tag) setzte die Wirkung von
Leflunomid zum Teil etwas schneller ein, ansonsten fanden
sich nach 24 Wochen keine Unterschiede.(13)
Die Studie wurde mit dem Gros der Teilnehmenden während 6
bis 18 Monaten weitergeführt. Gelenkentzündungen und Erosionen
wurden durch beide Mittel in vergleichbarem Mass gehemmt;
Leflunomid half hingegen gegenüber funktionellen Einschränkungen
besser als Sulfasalazin.(14)
Bei 482 Personen fand sich nach einem Jahr zwischen Leflunomid
und Methotrexat (7,5 bis 15 mg/Woche per os) in Bezug
auf klinische und radiologische Ergebnisse keine signifikante
Differenz.(15) 999 Personen wurden ein
Jahr lang mit Leflunomid oder Methotrexat (7,5 bis
15 mg/Woche per os) behandelt; über die Hälfte dieses Kollektivs
verblieb für ein zweites Jahr in der Studie. Methotrexat linderte
die Gelenkbeschwerden besser als Leflunomid und wurde von
den Betroffenen sowie von den Ärzten und Ärztinnen als überlegen
beurteilt. Ein kleiner, aber signifikanter Unterschied zugunsten
von Methotrexat war auch bei den radiologischen Veränderungen
feststellbar.(16)
Mögliche Nebenwirkungen von Leflunomid sind Übelkeit und
Durchfall, Kopfschmerzen, Blutdruckanstieg, verstärkter Haarausfall,
Zytopenien und kutane Reaktionen (Hautausschläge, Stevens-Johnson-
und Lyell-Syndrom). Sehr häufig ist ein Leberenzymanstieg,
und es sind Fälle von Leberversagen vorgekommen. Deshalb müssen
regelmässig die Leberwerte kontrolliert werden, und in Kombination
mit anderen lebertoxischen Substanzen ist höchste Vorsicht
geboten (z.B. mit Methotrexat!). Wegen der immunsuppressiven
Wirkung ist von einem erhöhten Infekt- und Malignomrisiko
auszugehen. Leflunomid wird als teratogen betrachtet.
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TNF-alpha-Blocker
Der Tumornekrosefaktor alpha (TNF-alpha) ist ein Zytokin
und gehört zu den Entzündungsmediatoren, die bei
der rheumatoiden Arthritis eine entscheidende Rolle spielen.
TNF-alpha bindet sich an zellmembrangebundene Rezeptoren und
setzt so die Entzündungsreaktion in Gang. Die Inaktivierung
von TNF-alpha geschieht durch freie, lösliche TNF-Rezeptoren.(17)
Etanercept
Etanercept (Enbre®) ist ein Fusionsprotein, bei
dem zwei rekombinante TNF-Rezeptor-Moleküle mit dem Fc-Anteil
von humanem Immunglobulin G1 gekoppelt sind. Etanercept bindet
sich sowohl an TNF-alpha als auch an Lymphotoxin-alpha (TNF-beta),
so dass die beiden Zytokine nicht mehr mit den zellstandigen
TNF-Rezeptoren interagieren können.
Etanercept wird zweimal pro Woche subkutan gespritzt. Maximale
Plasmaspiegel werden nach etwa 50 Stunden gemessen. Die Angaben
zur Halbwertszeit bewegen sich zwischen 70 und 100 Stunden.(18)
Etanercept ist in drei grossen Doppelblindstudien geprüft
worden. In allen gehörte die 20%ige Besserung nach den
ACR-Kriterien zu den primaren Endpunkten. 234 Personen, die
auf die bisherige Basistherapie (Methotrexat u.a.) ungenügend
angesprochen hatten, behandelte man wahrend 26 Wochen mit
Etanercept (2mal 10 oder 25 mg/Woche) oder Placebo. Unter
Etanercept besserten sich Krankheitssymptome und Lebensqualität
signifikant besser, wobei die 25-mg-Dosis wirksamer war als
die 10-mg-Dosis.(19) 89 Personen, die trotz
Methotrexat noch Zeichen einer aktiven Arthritis aufwiesen,
erhielten 24 Wochen lang zusätzlich Etanercept (2mal
25 mg/Woche) oder Placebo. Dabei zeigte sich die Kombination
von Methotrexat und Etanercept der Kombination von Methotrexat
und Placebo als signifikant überlegen.(20)
In der dritten Studie wurde bei 632 Personen Etanercept (2mal
10 oder 25 mg/Woche) mit Methotrexat (7,5 bis 20 mg/Woche)
verglichen. Nach einem Jahr hatte sich mit der 25-mg-Dosis
von Etanercept bei 72% der Behandelten eine 20%ige Besserung
ergeben, mit Methotrexat bei 65% (zur 10-mg-Dosis von Etanercept
ist keine exakte Zahl angegeben, sie war aber weniger wirksam
als die 25-mg-Dosis). In den ersten sechs Monaten hatte die
25-mg- Dosis zum Teil signifikant besser gewirkt als Methotrexat.
Der Prozentsatz der Personen, bei denen die Gelenkdestruktionen
gestoppt werden konnten, betrug unter Etanercept 72%, unter
Methotrexat 60%.(21)
Als haufigste Nebenwirkungen von Etanercept sind Hautreaktionen
an der Injektionsstelle (Rotung, Juckreiz, Schmerzen) beobachtet
worden. Etanercept kann die Bildung von Autoantikörpern
auslösen, in seltenen Fallen verbunden mit Hautausschlagen,
die an einen kutanen oder diskoiden Lupus erinnern. Die Blockade
des TNF-Rezeptors führt zu einer Immunsuppression. Es
ist deshalb mit einer erhöhten Inzidenz von Infekten
zu rechnen; so sind zum Beispiel unter TNF-alpha Blockern
Tuberkulosefälle vorgekommen. Im Zusammenhang mit einer
TNF-alpha Blocker-Behandlung sind Falle von Demyelinisierung
mit . zumindest partiell reversiblen . MS-ahnlichen Symptomen
beobachtet worden.(22)
Infliximab
Infliximab (Remicade®) ist ein chimarer monoklonaler
Antikörper gegen TNF-alpha, der sich aus einem Menschen-
und einem Mausanteil zusammensetzt. Anders als Etanercept
bindet sich Infliximab spezifisch an TNF-alpha, und zwar auch
an die TNF-alpha-Moleküle, die bereits an den membranstandigen
TNF-Rezeptoren sitzen.
Infliximab wird intravenös im Abstand von 4 bis 8 Wochen
verabreicht. Die terminale Halbwertszeit wird mit 8 bis 9,5
Tagen angegeben.(23)
Bei rheumatoider Arthritis ist Infliximab vor allem in
Kombination mit Methotrexat untersucht worden; Direktvergleiche
mit anderen Basistherapeutika liegen nicht vor. Die aussagekräftigste
Studie umfasste 428 Personen, die in fünf Gruppen aufgeteilt
wurden: in der ersten wurde Methotrexat und Placebo verabreicht,
in den anderen vier Methotrexat und Infliximab, wobei bei
Infliximab vier Dosierungsschemen angewendet wurden (zwei
Dosen, 3 und 10 mg/kg, in je zwei verschiedenen Dosierungsintervallen
von 4 und 8 Wochen). Nach einem Jahr erzielte man mit Methotrexat
allein bei 17% der Behandelten eine 20%ige Besserung; mit
der Kombination von Methotrexat und Infliximab waren es 42%
bis 59%. Innerhalb der verschiedenen Infliximab-Dosen waren
die Unterschiede nicht signifikant. Unter Methotrexat plus
Infliximab konnten Gelenkschäden praktisch aufgehalten
werden, wahrend sie unter der Methotrexat-Monotherapie um
knapp 10% zunahmen.(24)
Infliximab kann ähnliche Nebenwirkungen verursachen
wie Etanercept. Namentlich ist an das erhöhte Infektrisiko
zu denken. Die Entwicklung von Autoantikörpern sowie die neurologischen
Nebenwirkungen (Demyelinisierung) sind ebenfalls beschrieben.
Es sind diverse Überempfindlichkeitsreaktionen vorgekommen,
üblicherweise 1 bis 2 Stunden nach Infusion – beispielsweise
Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Blutdruckveränderungen,
Dyspnoe, Juckreiz und Urtikaria.(23) Daneben
sind Fälle einer Herzinsuffizienz-Verschlechterung beobachtet
worden.
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Kombinationstherapie
Die Kombination von verschiedenen Basistherapeutika gewinnt
an Bedeutung, weil mit weniger Nebenwirkungen und synergistischen
Effekten zu rechnen ist. Zwei Doppelblindstudien lassen annehmen,
dass die Dreierkombination von Methotrexat, Sulfasalazin und
Hydroxychloroquin wirksamer ist als Zweierkombinationen mit
diesen Substanzen oder als eine Monotherapie mit Methotrexat.(25,26)
Daten existieren auch zu den Kombinationen von Methotrexat
mit TNF-alpha-Blockern oder mit Ciclosporin. Insgesamt liegen
aber zur Kombinationstherapie erst in geringem Mass kontrollierte
Vergleiche vor.
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Schlussfolgerungen
Die rheumatoide Arthritis ist eine nicht heilbare Krankheit,
die zu grosser Behinderung führen und die Lebenserwartung
vermindern kann. Deshalb ist früh mit einer Basistherapie
zu beginnen, um den Krankheitsverlauf zu bremsen. Nicht-steroidale
Entzündungshemmer und Steroide sind erganzende Substanzen
fur die Symptomenkontrolle. Ein Platz gebührt auch nichtmedikamentösen
Massnahmen wie zum Beispiel der Physiotherapie.
Methotrexat ist das Basistherapeutikum der ersten Wahl,
mit dem man die eingehendsten Erfahrungen gesammelt hat. Wenn
die Krankheit nicht sehr aktiv ist und keine ungünstigen
Prognosefaktoren vorliegen, konnen Sulfasalazin oder Antimalariamittel
als Alternative erwogen werden. Gold, Ciclosporin oder Zytostatika
bleiben fur spezielle Situationen reserviert.
Der Fortschritt, den neue Basistherapeutika bieten, basiert
auf den TNF-alpha-Blockern. Am besten dokumentiert sind sie
in Kombination mit Methotrexat, die wahrscheinlich einer Methotrexat-Monotherapie
überlegen ist. Trotzdem sollte der Einsatz von TNF-alpha-Blockern
zuruckhaltend erfolgen . einerseits weil mögliche Probleme
einer Langzeitbehandlung noch wenig erfasst sind, andererseits
weil es sich um immens teure Substanzen handelt, die Monatskosten
von ein- bis zweitausend Franken verursachen. Leflunomid dagegen
muss sehr kritisch beurteilt werden: das Mittel scheint eher
weniger wirksam, jedoch nebenwirkungsreicher und vor allem
lebertoxischer zu sein als Methotrexat; in den USA aussern
sich Stimmen, die sogar den Rückzug von Leflunomid fordern.(27)
Ein weiteres neues Basistherapeutikum, dessen Einfuhrung bevorsteht,
ist der Interleukin-1-Rezeptor- Antagonist Anakinra.
Die Kombinationstherapie mit verschiedenen Basistheraputika
wird eine zunehmende Rolle einnehmen. Allerdings sind weitere
kontrollierte Studien nötig, um den Nutzen klarer zu dokumentieren.
Bei Personen mit rheumatoider Arthritis sollte mindestens
einmal pro Jahr eine spezialärztliche Verlaufskontrolle stattfinden.
Es ist auch an Spezialsprechstunden zu denken, die für besondere
Probleme existieren (z.B. Schwangerensprechstunde für rheumakranke
Frauen im Inselspital Bern).
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Literatur
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