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| pharma-kritik |
| Titel |
Imiquimod |
| Autor |
E. Gysling |
| pharma-kritik Jahrgang
26, Nummer 3 |
Redaktionsschluss:
6. April 2004 |
| Imiquimod (Aldara®)
ist ein lokal wirksamer Immunmodulator, der bei verschiedenen
Hautkrankheiten eingesetzt werden kann. |
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Chemie/Pharmakologie
Imiquimod, ein heterozyklisches Amin, stimuliert
die Produktion von Zytokinen durch Makrophagen und andere
immunkompetente Zellen. Dabei wird in erster Linie die Bildung
von Interferon a, aber auch von Tumor-Nekrosefaktor
a (TNF-?a) und von Interleukin-12 (IL-12) angeregt. Ausserdem
fördert Imiquimod die Umwandlung von naiven T-Helferzellen
in Th1-Effektorzellen. Letztere produzieren Interferon ?.
Aus diesen verschiedenen Effekten ergibt sich eine (im Tierversuch
nachgewiesene) antivirale und Antitumor-Aktivität.(1)
Eine direkte antivirale Wirkung hat Imiquimod nicht. Beim
Menschen wurde das antivirale Potential zuerst gegen die Warzen
im Genital- und Perianalbereich geprüft.
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| Pharmakokinetik
Bei der Applikation auf der Haut erzeugt Imiquimod keine
mit den aktuell verfügbaren Methoden messbaren Wirkstoffkonzentrationen
im Blut. Auch bei wiederholter Anwendung konnten weniger als
0,9% der applizierten Imiquimod-Dosis im Urin nachgewiesen
werden.
Nach oraler oder subkutaner Gabe wird das Medikament rasch
resorbiert, erreicht nach 2-3 Stunden maximale Plasmaspiegel
und wird mit einer Halbwertszeit von knapp 3 Stunden ausgeschieden.
Mindestens zwei Metaboliten werden gebildet; über die
Aktivität dieser Metaboliten ist nichts bekannt.(2)
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| Klinische
Studien
Klinische Studien
Offiziell zugelassen ist Imiquimod bisher nur zur lokalen
Behandlung von Warzen im genitalen und perianalen Bereich
(spitze Kondylome, Condylomata acuminata, Feigwarzen). Die
für diese Warzen verantwortlichen Viren gehören
in der Regel zum Genotyp 6 oder 11 des humanen Papillomavirus
(HPV).(3) Diese beiden Genotypen besitzen
nur eine geringe onkogene Potenz. Die Indikation «spitze
Kondylome» wurde in mehreren Doppelblindstudien untersucht.
Die grösste dieser Studien, die dem Vergleich
einer 5%igen und einer 1%igen Imiquimod-Crème mit
der Crèmegrundlage diente, umfasste 311 Erwachsene
mit mindestens zwei anogenitalen Warzen. Die Crèmen
wurden dreimal wöchentlich über Nacht aufgetragen;
die Behandlung wurde bis zur vollständigen Besserung
oder längstens während 16 Wochen durchgeführt.
Die 5%ige Crème war signifikant wirksamer als das Placebo
(d.h. die Crèmegrundlage): Unter der aktiven Therapie
wurde bei 83 von 109 Personen (76%) eine Verkleinerung der
Warzenfläche um mindestens 50% erreicht, unter Placebo
nur bei 28 von 100 Personen. Die 1%ige Crème war nur
wenig wirksamer als das Placebo.(4)
Gemäss einer systematischen Übersicht lässt
sich mit einer 8 bis 16 Wochen dauernden Therapie mit der
5%igen Imiquimod- Crème bei 37% der Behandelten ein
vollständiges Verschwinden der Warzen ohne Rückfall
(während einer Beobachtungszeit von 10 bis 12 Wochen)
erreichen. Die entsprechende «Number Needed to Treat»
beträgt 3. Frauen sprechen viel besser auf die Behandlung
an als Männer: ein vollständiges Verschwinden der
Warzen ist bei etwa 70% der Frauen, aber nur bei etwa halb
so vielen Männern zu beobachten.(5)
In mehreren Studien ergab sich, dass die tägliche Imiquimod-
Applikation die Warzen nicht besser beeinflusst als eine dreimal-
wöchentliche Anwendung.
Grundsätzlich ist damit zu rechnen, dass die virale Infektion
trotz erfolgreicher Behandlung latent bestehen bleibt, Rückfälle
also möglich sind.
Feigwarzen bei HIV-Infizierten lassen sich mit Imiquimod weniger
gut als bei immunkompetenten Personen zum Verschwinden bringen.(6)
Direkte Vergleiche mit anderen Warzen-Therapien – z.B.
Podophyllotoxin (Condyline®, Warix®) – sind
offenbar bisher nicht durchgeführt worden. In amerikanischen
Richtlinien werden Imiquimod und Podophyllotoxin als für
die Anwendung durch die Patientin oder den Patienten ähnlich
geeignet bezeichnet.(7)
Ausserdem liegen heute Studienresultate zur Anwendung bei
aktinischen Keratosen und bei oberflächlichen oder nodulären
Basaliomen vor. In einer Doppelblindstudie wurde die 5%ige
Imiquimod- Crème während 3 Wochen dreimal wöchentlich
auf Hautbezirke aufgetragen, die aktinische Keratosen aufwiesen.
Bei ungenügender Wirkung konnte diese Behandlung nach
weiteren 4 Wochen wiederholt werden. Bei 21 von 29 aktiv Behandelten
verschwanden mehr als 75% der aktinischen Veränderungen,
während dies nur bei 3 von 10 mit der Crèmegrundlage
Behandelten der Fall war.(8) In einer ähnlichen
Studie kam es innerhalb eines Jahres nur bei 10% der erfolgreich
Behandelten zu neuen aktinischen Läsionen.(9)
Bei 128 Personen, die ein oberflächliches Basaliom
hatten, wurden verschiedene Frequenzen der Anwendung von Imiquimod
doppelblind gegen die Crèmegrundlage getestet. Die
Therapiedauer betrug 12 Wochen; 6 Wochen später wurde
das betroffene Areal exzidiert und histologisch untersucht.
Bei allen 10 Personen, die die 5%-Crème zweimal täglich
angewandt hatten, konnte kein Tumor mehr nachgewiesen werden.
Gute Ergebnisse fanden sich auch, wenn Imiquimod täglich
oder an 5 Tagen pro Woche appliziert worden war (87 bzw. 81%
Heilungen). Bei den Personen, die nur die Crèmegrundlage
erhalten hatten, war bei 6 von 32 (19%) kein Tumor nachweisbar.(10)
Imiquimod ist auch bei nodulären Basaliomen
doppelblind geprüft worden; bei täglicher Applikation
ergab eine 12- wöchige Behandlung eine Heilung in 76%.(11)
Es ist möglich, dass Imiquimod noch bei verschiedenen
anderen viralen oder neoplastischen Krankheiten wirksam
ist. So finden sich in der Literatur Berichte zu günstigen
Imiquimod- Wirkungen bei gewöhnlichen Warzen, Lentigo
maligna, Molluscum contagiosum, Bowen’scher Krankheit,
extramammärer Paget’scher Krankheit, Xeroderma
pigmentosum, kutanem TZell- Lymphom, Keloiden, Hämangiomen
bei Kleinkindern, squamösen Nasenpapillomen, vaginalen
Karzinomen und Dysplasien der Cervix uteri. Auch Fälle
von metastasierendem Melanom sollen von Imiquimod vorteilhaft
beeinflusst worden sein. Zu allen diesen Erkrankungen liegen
jedoch bisher keine kontrollierten Studien vor. Herpes genitalis
soll sich nach einzelnen Berichten mit Imiquimod behandeln
lassen; die einzige
Doppelblindstudie bei Herpes genitalis hat aber ein negatives
Resultat ergeben.(12)
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| Unerwünschte
Wirkungen
Imiquimod verursacht oft entzündliche Hautreaktionen
(Rötung, Brennen, Juckreiz, Erosionen, Schuppung, Schwellung,
Verschorfung, Induration), die umso ausgeprägter sind,
je häufiger das Präparat appliziert wird. In der
oben erwähnten Studie bei Personen mit anogenitalen Warzen
hatten etwa 40% mittlere bis starke Symptome und 27% leichte
Symptome. Allerdings brachen deswegen nur 2% der Behandelten
die Studie vorzeitig ab.4 Es ist jedoch keineswegs ungewöhnlich,
dass die Behandlung temporär unterbrochen werden muss.
Normalerweise klingen die Hautsymptome dann innerhalb von
etwa zwei Wochen ab, worauf die Behandlung grundsätzlich
weitergeführt werden kann. Wenn die Imiquimod-Crème
versehentlich an andere Körperstellen gelangt, so können
auch dort Hautreaktionen auftreten. Nach Angaben der Herstellerfirma
kann es bei Behandlung von Warzen im Bereich der Vorhaut zu
einer entzündlichen Phimose kommen; bei entsprechenden
Symptomen soll die Behandlung sofort abgebrochen werden. Unter
Imiquimod tritt vereinzelt eine (nicht immer reversible) Hell-
oder Dunkelfärbung der Haut auf. Im Gegensatz zu chirurgischen
Therapien hinterlässt die Imiquimod-Behandlung jedoch
in der Regel keine Narben. Die Imiquimod-Crème scheint
nicht häufiger zu systemischen Symptomen zu führen
als die Crèmegrundlage.
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| Interaktionen
Es sind keine Interaktionen mit systemisch angewandten Medikamenten
bekannt.
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| Dosierung,
Verabreichung, Kosten
Imiquimod (Aldara®) ist, in der Schweiz kassenzulässig,
als 5%ige Crème erhältlich. Eine Originalpackung
enthält 12 Beutel zur einmaligen Verwendung mit je 12,5
mg Imiquimod in 250 mg Crèmegrundlage. Das Medikament
ist bisher offiziell nur zur Behandlung von Warzen im genitalen
und perianalen Bereich zugelassen. Für diese Indikation
wird empfohlen, das Präparat dreimal wöchentlich
über Nacht (für 6 bis 10 Stunden) auf die Warzen
aufzutragen, bis sie alle verschwunden sind.
Länger als für 16 Wochen soll nicht behandelt werden.
Am Morgen (oder vor Geschlechtsverkehr) soll die Crème
mit Wasser und Seife abgewaschen werden.
Auf Grund der vorhandenen Studien kann bei aktinischen Keratosen
eine ähnliche Behandlungsfrequenz, primär auf 3
Wochen beschränkt, empfohlen werden. Zur Behandlung von
Basaliomen ist wahrscheinlich eine höhere Behandlungsfrequenz
(mindestens fünfmal wöchentlich) indiziert.
Da die Ungefährlichkeit von Imiquimod weder in der Schwangerschaft
noch in der Stillzeit gesichert ist, sollten schwangere und
stillende Frauen kein Imiquimod verwenden. Das Medikament
ist bisher bei Kindern nicht genügend dokumentiert.
Eine Behandlung, wie sie für anogenitale Warzen empfohlen
wird, kostet je nach Dauer 286 bis 572 Franken. Die für
dieselbe Indikation erhältlichen Podophyllotoxin-Präparate
sind deutlich billiger, jedoch nicht kassenzulässig.
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Kommentar
Ein Wundermittel ist Imiquimod nicht. Besonders bei Männern
ist die bei spitzen Kondylomen erreichbare Erfolgsrate kaum
sehr eindrucksvoll – etwa 4 Männer müssen
behandelt werden, damit die Warzen bei einem Patienten zum
Verschwinden gebracht werden können. Der als Immunmodulator
bezeichnete
Wirkstoff ist dennoch bemerkenswert. Es ist vorderhand nicht
die Vielfalt der möglichen dermatologischen (und anderen)
Indikationen, die beeindruckt. Für die meisten dieser
Indikationen liegen ja noch keine überzeugenden Daten
vor. Aber die mit randomisierten Studien belegte Tatsache,
dass Basaliome
und Präkanzerosen aktinischer Ursache gewissermassen
«weggesalbt» werden können, könnte doch
sehr bedeutsame Konsequenzen haben. Da sich das Bewusstsein,
intensive Sonnenbestrahlung sei zu vermeiden, noch nicht sehr
lange durchgesetzt hat, ist in den nächsten Jahren bis
Jahrzehnten nach wie vor mit sehr vielen «Sonnenbrandgeschädigten»
zu rechnen. Für alle diese zukünftigen Patientinnen
und Patienten eröffnet sich mit Imiquimod eine nicht-chirurgische
Alternative, die nach heutigem Wissen wirksam und verträglich
erscheint.
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| Literatur
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