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| Einleitung | Chemie/Pharmakologie | Pharmakokinetik | Klinische Studien | Unerwünschte Wirkungen | Dosierung/Verabreichung/Kosten | Kommentar | Literatur | Links |
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| Einleitung |
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| Chemie/Pharmakologie |
Wie Zanamivir (Relenza®) 1.
hemmt der aktive Metabolit
von Oseltamivir die Neuraminidase von Influenzaviren. Dieses virale Enzym
spielt bei der Freisetzung von neugebildeten Influenzaviren und bei deren
Eindringen in Epithelzellen des Respirationstraktes eine wichtige Rolle.
Gysling E. pharma-kritik 1999; 21: 5-6
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Die Struktur des aktiven Oseltamivir-Metaboliten (Oseltamivircarboxylat)
wurde wie auch diejenige von Zanamivir direkt von der Sialinsäure abgeleitet.
Beide Substanzen binden sich selektiv an die Neuraminidase aller untersuchter
Influenzastämme. 2.
Gubareva LV et al. Lancet 2000; 355; 827-35
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| Pharmakokinetik |
Oseltamivir wird nach oraler Verabreichung rasch aus dem Magen-Darm-Trakt resorbiert. Es ist ein "Prodrug", das in der Leber durch Ester-Hydrolyse in den aktiven Metaboliten (Oseltamivircarboxylat) übergeführt wird. Dieser erreicht 4 bis 5 Stunden nach der Verabreichung maximale Plasmakonzentrationen. Die biologische Verfügbarkeit der aktiven Substanz beträgt etwa 80% der oral eingenommenen Oseltamivir-Dosis. Gemäss den bisherigen Erkenntnissen sind interindividuelle Unterschiede relativ gering und auch die gleichzeitige Nahrungsaufnahme scheint die Bioverfügbarkeit nicht wesentlich zu beeinflussen.
Nach intravenöser Verabreichung beträgt die Halbwertszeit des aktiven Metaboliten knapp 2 Stunden. Nach oraler Einnahme dauern Resorption von Oseltamivir und Umwandlung in den aktiven Metaboliten aber länger als die Elimination, weshalb eine scheinbare Plasma-Halbwertszeit von 7 bis 8 Stunden resultiert.
Die Ausscheidung des aktiven Metaboliten erfolgt in unveränderter Form über
die Nieren, wobei auch eine aktive tubuläre Sekretion stattfindet. Bei Personen
über 65 Jahren werden etwa 25% höhere Plasmaspiegel gemessen. Bei stark eingeschränkter
Nierenfunktion oder bei gleichzeitiger Einnahme von Probenecid (Benemid®,
in der Schweiz nicht mehr erhältlich) sind die Spiegel um ein Mehrfaches erhöht. 3.
He G et al. Clin Pharmacokinet 1999; 37: 471-84
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| Klinische Studien |
In einer Studie wurde 80 ungeimpften Freiwilligen eine infektiöse Dosis eines
Influenza-A-Stamms (H1N1/Texas/36/91) intranasal inokuliert und 28 Stunden
später eine Behandlung begonnen mit Placebo oder Oseltamivir in verschiedenen
Dosierungen (20 mg, 100 mg, 200 mg 2mal oder 200 mg einmal täglich). Bei den
69 Personen mit virologisch dokumentierter Infektion war unter der aktiven
Behandlung die messbare Viren-Ausscheidung signifikant reduziert (mediane
Dauer von 58 gegenüber 107 Stunden). Der Unterschied in den miterfassten Symptomscores
war grenzwertig signifikant. Eine Dosisabhängigkeit konnte nicht nachgewiesen
werden, die Zahl der Untersuchten war dazu aber wohl zu klein. 4.
Hayden FG et al. JAMA 1999; 282: 1240-6
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Bisher wurden zwei Doppelblindstudien vollumfänglich publiziert, in
denen die Wirksamkeit von Oseltamivir bei der Behandlung von natürlich erworbenen
Grippeerkrankungen untersucht wurde. Beide Studien wurden nach dem gleichen
Protokoll durchgeführt, die eine in Europa, Kanada und Hongkong ("europäische
Studie"), 5. 6. 6. 5.
die andere in den USA ("amerikanische Studie").
Nicholson KG et al. Lancet 2000; 355: 1845-50
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Untersucht wurden Patientinnen und Patienten mit einer grippalen Erkrankung
von weniger als 36 Stunden Dauer mit Fieber über 38°C und mindestens einem
respiratorischen und einem allgemeinen Symptom. Oseltamivir (2mal täglich
75 mg oder 150 mg) wurde mit Placebo verglichen. Als primärer Endpunkt
der Studien galt der Zeitpunkt, zu dem nur noch leichte oder gar keine Grippesymptome
mehr feststellbar waren. In der einen Studie wurde bei 67% von 726 Personen
eine Influenzainfektion dokumentiert, in der anderen bei 60% von 629 Personen
(über 90% Influenza A). Bei diesen Kranken mit virologischem Influenzanachweis
war die Zeit bis zum Verschwinden der Symptome signifikant verkürzt: In der
"europäischen Studie" dauerte die Krankheit unter Placebo 117 Stunden, unter
der niedrigeren Oseltamivir-Dosis 87 und unter der höheren Dosis 82 Stunden
(Medianwerte). In der "amerikanischen Studie" betrugen die entsprechenden
Werte 103 (Placebo), 72 (niedrige Dosis) und 70 Stunden (höhere Dosis). Oseltamivir
ergibt also sowohl mit der höheren als auch mit der niedrigeren Dosis eine
Verkürzung der Erkrankung um knapp anderthalb Tage. Werden auch die Personen
ohne dokumentierte Influenzainfektion berücksichtigt, so sind die Unterschiede
geringer, aber noch statistisch signifikant. Der Gebrauch von Paracetamol
(z.B. Panadol®) und von Antibiotika war tendenziell in den aktiv behandelten
Gruppen geringer, die Unterschiede erreichen lediglich für Antibiotika in
der "amerikanischen Studie" statistische Signifikanz.
Treanor JJ et al. JAMA 2000; 283: 1016-24
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Eine Subgruppenanalyse in der "europäischen Studie" zeigt, dass die
Wirkung besser war, wenn die Behandlung weniger als 24 Stunden nach den ersten
Symptomen begonnen wurde (die Zahlen für die später Behandelten werden nicht
gegeben).
Treanor JJ et al. JAMA 2000; 283: 1016-24
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Nicholson KG et al. Lancet 2000; 355: 1845-50
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Gemäss Firmenangaben wurden ferner zwei kleinere placebokontrollierte Studien mit Oseltamivir bei grippekranken Kindern und Personen mit Herz- oder Lungenkrankheiten durchgeführt. In beiden Studien fand sich eine signifikante Reduktion der Krankheitsdauer bei dokumentierter Influenza-Infektion. Bei den Kindern waren auch Mittelohrentzündungen signifikant seltener. Es werden keine Zahlen zur Wirkung bei allen Behandelten angegeben. Dieser dürfte wohl statistisch nicht signifikant gewesen sein.
Die Wirksamkeit von Oseltamivir als Influenzaprophylaxe wurde in zwei
randomisierten Studien untersucht. Dabei wurden in mehreren amerikanischen
Zentren insgesamt 1559 ungeimpfte Erwachsene für sechs Wochen während der
Grippezeit mit Oseltamivir (75 mg ein oder zweimal täglich) oder Placebo behandelt.
Die Anzahl virologisch dokumentierter Influenza-Erkrankungen wurde von 5%
auf 1% vermindert (statistisch signifikant); 29 Personen mussten behandelt
werden, um einen Grippefall zu verhindern ("Number Needed to Treat",
NNT). 7.
Hayden FG et al. N Engl J Med 1999: 341: 1336-43
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In einer kleineren, ebenfalls noch nicht in den Einzelheiten veröffentlichten Studie wurde eine sechswöchige Oseltamivir-Prophylaxe bei gut 500 Bewohnerinnen und Bewohnern von Alters- und Pflegeheimen durchgeführt. 80% der Behandelten waren geimpft. Die Zahl dokumentierter Grippeerkrankungen war mit 1% gegenüber 9% unter Placebo wiederum signifikant vermindert. Die hier errechnete NNT von 12 ist mit Vorsicht zu geniessen, da sie auf insgesamt nur 13 Fällen beruht.
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| Unerwünschte Wirkungen |
Oseltamivir verursacht recht häufig Brechreiz und Erbrechen (Brechreiz bei 10 bis 20%, Erbrechen bei 5 bis 10% der Behandelten). Dies hat sich sowohl in den Behandlungs- als auch den Prophylaxestudien gezeigt. Andere unerwünschte Symptome (vor allem Kopfschmerzen) sind unter Oseltamivir und Placebo ähnlich häufig.
Gemäss der Statistik der kanadischen Gesundheitsbehörden wurden zwischen
Dezember 1999 und Juni 2000 unter Oseltamivir acht Fälle von bedeutsamen unerwünschten
Wirkungen beobachtet. Diese Fälle, je zwei von Pneumonie, Leber- und Nierenversagen,
eine Pankreatitis und eine anaphylaktische Reaktion stehen jedoch nicht in
einem eindeutigen Zusammenhang mit Oseltamivir. 8.
Macdonald L. Can Med Assoc J 2000; 163: 879-85
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Praktisch keine Daten existieren zu der Frage, ob die Behandlung mit Neuraminidasehemmern die Immunitätslage bei den Behandelten und in der Bevölkerung verändern wird. In den beiden grösseren Therapiestudien ist jedoch der Anstieg der Hämagglutinin-Antikörper durch die Behandlung nicht beeinträchtigt worden (Einzelheiten fehlen). Erfahrungen bezüglich der Entwicklung resistenter Influenzaviren sind bisher nicht vorhanden.
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| Oseltamivir | pharma-kritik, Jg.22/No.06 |
| 08.12.00 Copyright © 1999 Infomed-Verlags-AG | Infomed Home | pharma-kritik Index |