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Rosiglitazon |

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T.
Koch, UP. Masche |

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pharma-kritik
Jahrgang 21, Nr.09 |

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Redaktionsschluss:
8. April 2000 |
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Rosiglitazon (Avandia®) ist ein neues orales Antidiabetikum, das zur
Behandlung des Typ-2-Diabetes empfohlen wird.
Rosiglitazon gehört zu einer neuen Klasse von oralen Antidiabetika,
den
Glitazonen, bei denen es sich chemisch um Thiazolidindione handelt.
Glitazone aktivieren einen Rezeptor im Zellkern ("Peroxisomal Proliferator Activator
Receptor gamma", PPAR
g), der die Transkription von
Genen reguliert, die am Glukose- und Fettstoffwechsel beteiligt sind. Dadurch
nehmen in Leber-, Fett- und Muskelzellen die Insulinrezeptoren zu und es erhöht
sich die Empfindlichkeit gegenüber Insulin. Die blutzuckersenkende Wirkung von
Glitazonen ist somit an Insulin gebunden. In der Leber, im Fettgewebe und in
den Muskeln steigern die Glitazone die Glukoseaufnahme und den Glukoseverbrauch
und bremsen die Glukoneogenese; zudem hemmen sie die Triglyzeridsynthese und
die Freisetzung von freien Fettsäuren. Die Glitazone haben keine Wirkung auf
die Insulinsekretion im Pankreas.
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1.
Barman Balfour JA, Plosker GL. Drugs 1999; 57: 921-30
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Rosiglitazon wird rasch resorbiert, so dass maximale Plasmaspiegel
nach 1 Stunde erreicht sind. Die biologische Verfügbarkeit wird mit 99% angegeben.
Die Verabreichung mit einer Mahlzeit verlangsamt die Resorption, ändert aber
nichts an der aufgenommenen Wirkstoffmenge. Die Plasmaproteinbindung von Rosiglitazon
beträgt über 99%. Rosiglitazon wird in der Leber über das Zytochrom-P450-System
abgebaut, wobei vor allem die CYP2C8- und daneben die CYP2C9-Isoform verantwortlich
sind. Die Metaboliten, obschon teilweise pharmakologisch aktiv, scheinen nicht
zur Wirkung von Rosiglitazon beizutragen. Die Halbwertszeit von Rosiglitazon
liegt zwischen 3 und 4 Stunden. Bei Niereninsuffizienz ändert sich die Plasmaproteinbindung,
eine Dosisanpassung ist jedoch nicht nötig. Bei Leberinsuffizienz fand sich
eine Verlängerung der Halbwertszeit etwa um das 1½fache (im Prinzip gilt das
Mittel bei solchen Personen aber als kontraindiziert, siehe unten).
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1.
Barman Balfour JA, Plosker GL. Drugs 1999; 57: 921-30
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2.
Anon. Med Lett Drugs Ther 1999; 41: 71-3
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Gemäss den Angaben der Herstellerfirma haben in klinischen Studien über 4'500
Personen - davon etwa 2'000 mindestens 1 Jahr lang - Rosiglitazon erhalten.
Es handelte sich um Männer und Frauen mit einem Typ-2-Diabetes, bei denen
im Durchschnitt der Nüchtern-Blutzuckerspiegel über 10,2 mmol/l und der HbA1c-Wert
über 8% lag.
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1.
Barman Balfour JA, Plosker GL. Drugs 1999; 57: 921-30
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3.
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Der Grossteil der Resultate ist erst in Kurzform veröffentlicht.
In einer 12 Wochen dauernden Doppelblindstudie, die 311 Personen umfasste,
wurden vier verschiedene Rosiglitazon-Dosen (2mal 0,05, 0,25, 1 oder 2 mg/Tag)
mit Placebo verglichen. Während die Nüchtern-Blutzuckerspiegel unter
Placebo und den beiden niedrigeren Rosiglitazon-Dosierungen nicht sanken,
führten die beiden höheren Dosierungen zu einer signifikanten Reduktion; mit
einer Dosis von 2mal 1 mg/Tag lag die durchschnittliche Senkung des Nüchtern-Blutzuckerspiegels
nach 12 Wochen zwischen 1,0 und 1,5 mmol/l, mit 2mal 2 mg/Tag bei 2,0 mmol/l.
Auch der Prozentsatz der Personen, bei denen der Nüchtern-Blutzuckerspiegel
um mindestens 20% oder unter 7,8 mmol/l fiel, war unter den beiden höheren
Rosiglitazon-Dosen deutlich höher. Die HbA1c-Werte
wurden in allen fünf Gruppen praktisch nicht beeinflusst.
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4.
Patel J et al. Diabetes Obesity Metab 1999; 1: 165-72
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Aus Daten von weiteren placebokontrollierten Studien, alle nur als
"Abstract" vorliegend, lässt sich zusammenfassen: Die Wirkung von Rosiglitazon
ist bis zu 8 mg/Tag dosisabhängig; eine höhere Dosis (12 mg/Tag) zeigt keinen
zusätzlichen blutzuckersenkenden Effekt mehr. Bei genügend langer Behandlung
lässt sich mit Rosiglitazon neben dem Nüchtern-Blutzuckerspiegel auch der
HbA1c-Wert signifikant senken.
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1.
Barman Balfour JA, Plosker GL. Drugs 1999; 57: 921-30
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In einer Studie, die noch nicht im Detail publiziert ist, wurde Rosiglitazon
in zwei Dosierungen mit einem Sulfonylharnstoff verglichen. 587 Personen
erhielten 1 Jahr lang doppelblind entweder Rosiglitazon (2mal 2 oder 4 mg/Tag)
oder Glibenclamid (Daonil® u.a.). In der Glibenclamid-Gruppe begann
man mit einer Dosis von 2,5 oder 5 mg/Tag und steigerte bei Bedarf während
der ersten 3 Monate bis auf 15 mg/Tag; die restlichen 9 Monate wurde mit der
individuell ermittelten Dosis fortgefahren (Medianwert: 7,5 mg/Tag). Mit der
niedrigen Rosiglitazon-Dosis fiel der Nüchtern-Blutzuckerspiegel innerhalb
1 Jahres von 10,6 auf 9,2 mmol/l und der HbA1c-Wert
von 8,1 auf 7,8%; bei 36% der Behandelten konnte der Nüchtern-Blutzuckerspiegel
unter 7,8 mmol/l gesenkt werden. Mit der höheren Rosiglitazon-Dosis betrugen
die entsprechenden Zahlen 10,9/8,6 mmol/l, 8,2/7,7% und 51%, mit Glibenclamid
10,6/8,9 mmol/l, 8,2/7,4% und 37%.
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5.
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2. Aharony D Am J Respir Crit Care Med 1998; 157: S214-9Medline-Link in der Literaturliste! |
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Allgemein lassen die bisher vorliegenden Daten annehmen, dass die
HbA1c-Werte mit Rosiglitazon weniger gut gesenkt
werden können als z.B. mit Sulfonylharnstoffen.
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6.
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Rosiglitazon ist auch in Kombination mit anderen oralen Antidiabetika
und mit Insulin geprüft worden. In einer Doppelblindstudie erhielten 574 Personen,
die bereits unter einer Behandlung mit Glibenclamid, Gliclazid (Diamicron®)
oder Glipizid (Glibenese®) standen, während 6 Monaten zusätzlich Rosiglitazon
(2mal 1 oder 2 mg/Tag) oder Placebo. Die Kombination von Rosiglitazon mit
einem Sulfonylharnstoff bewirkte eine zusätzliche, dosisabhängige Reduktion
des Nüchtern-Blutzuckerspiegels (1,0 bis 2,1 mmol/l) und des HbA1c-Wertes
(0,5 bis 0,9%).
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7.
Wolffenbuttel BHR et al. Diabet Med 2000;
17: 40-7
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Die Kombination von Rosiglitazon mit Metformin (Glucophage®, 2,5 g/Tag)
führte zu einem vergleichbaren Resultat, wobei die Effekte auf Nüchtern-Blutzuckerspiegel
und HbA1c-Wert - entsprechend der höheren Rosiglitazon-Dosis
(1mal 4 oder 8 mg/Tag) - noch etwas ausgeprägter waren.
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8.
Fonseca V et al. JAMA 2000; 283: 1695-702
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In beiden Studien war die Blutzuckerkontrolle in den Rosiglitazon-Gruppen
signifikant besser als in der Placebo-Gruppe. Über die Kombination von Rosiglitazon
mit Insulin wird nur kurz berichtet, wobei auch hier der zusätzliche Effekt
von Rosiglitazon zu erkennen ist.
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1.
Barman Balfour JA, Plosker GL. Drugs 1999; 57: 921-30
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3.
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Troglitazon - ein anderes Glitazon, das in der Schweiz
nie erhältlich war und vor kurzem weltweit aus dem Handel zurückgezogen wurde
- kann in Einzelfällen gefährliche Leberschäden auslösen. In den bisher durchgeführten
Studien fanden sich keine Hinweise, dass Rosiglitazon ebenfalls hepatotoxisch
ist. Seit das Medikament eingeführt worden ist, sind jedoch einige Fälle von
Leberschäden unter Rosiglitazon beobachtet worden. Zu zwei Fällen liegt eine
genauere Dokumentation vor: bei zwei Männern kam es nach zwei bis drei Wochen
Behandlung mit Rosiglitazon zu einer ausgeprägten Leberzellschädigung.
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9.
Forman LM et al. Ann Intern Med 2000; 132:
118-21
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10.
Al-Salman J et al. Ann Intern Med 2000; 132: 121-4
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Unter Rosiglitazon steigen die Cholesterinspiegel um durchschnittlich
20% an; neben dem LDL-Cholesterin steigt allerdings auch das HDL-Cholesterin
an. Bei rund 5% der Behandelten entwickeln sich Ödeme, das Medikament führt
zu einer Zunahme des Plasmavolumens. Mit einer Gewichtszunahme ist zu rechnen;
unter höheren Dosen kann diese innerhalb eines Jahres etwa 3 kg betragen. Etwa
2% entwickeln eine Anämie; der Hämoglobinwert kann um bis zu 1 g/dl abnehmen.
Ob Rosiglitazon (wie Troglitazon) zu einer Abnahme des Blutdrucks führt, ist
nicht dokumentiert. Rosiglitazon scheint praktisch kein Hypoglykämie-Risiko
mit sich zu bringen. In Tierversuchen hatte Rosiglitazon Auswirkungen auf den
Hormonhaushalt; es ist unklar, ob es sich dabei um klinisch relevante Veränderungen
handelt. Bei Frauen mit anovulatorischen Zyklen kann unter Rosiglitazon wieder
eine Ovulation auftreten.

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| Interaktionen |
Bislang sind keine Interaktionen mit anderen Medikamenten beschrieben.
Es ist aber zu bedenken, dass Medikamente, die CYP2C8/9 induzieren oder
hemmen, unter Umständen die Plasmaspiegel von Rosiglitazon beeinflussen.

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| Dosierung, Verabreichung, Kosten
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Rosiglitazon (Avandia®) ist als Filmtabletten zu 2, 4 oder 8 mg erhältlich,
zur Zeit aber in der Schweiz nicht kassenzulässig. Die empfohlene Anfangsdosis
beträgt 4 mg/Tag; bei Bedarf kann nach einigen Wochen auf 8 mg/Tag erhöht
werden. Rosiglitazon wird, unabhängig vom Essen, in ein oder zwei Dosen
pro Tag eingenommen, wobei es zweimal täglich verabreicht vermutlich etwas
wirksamer ist. Vor Beginn einer Therapie mit Rosiglitazon sollen die Transaminasenwerte
bestimmt und danach mindestens 1 Jahr lang 1- bis 2monatlich kontrolliert
werden. Liegen die Transaminasenwerte wiederholt über dem 3fachen der Norm
oder treten Symptome eines Leberschadens auf (Oberbauchschmerzen, Ikterus
u.a.), soll Rosiglitazon sofort gestoppt werden. Bei einer manifesten Lebererkrankung
oder -insuffizienz darf Rosiglitazon nicht verwendet werden. Auch bei Herzinsuffizienz
ist wegen der möglichen Flüssigkeitsretention Vorsicht geboten. Das Medikament
soll bei schwangeren und stillenden Frauen sowie bei Kindern nicht
verwendet werden. Die monatlichen Kosten betragen, je nach Dosierung, zwischen
91 und 183 Franken. Andere orale Antidiabetika sind weitaus billiger: Glibenclamid
(2,5 bis 15 mg/Tag), von dem mehrere Generika erhältlich sind, kostet pro
Monat zwischen 6 und 38 Franken; bei Metformin (Glucophage®, 500 bis 2550
mg/Tag) sind es 10 bis 35 Franken.
Rosiglitazon ist das erste in der Schweiz verfügbare orale Antidiabetikum
aus der Gruppe der sogenannten "Insulinsensitizer". Die Substanz besitzt
eine dokumentierte blutzuckersenkende Wirkung. Es gibt indessen erst eine
Studie, in der Rosiglitazon mit einem anderen oralen Antidiabetikum, einem
Sulfonylharnstoff, verglichen worden ist. Ein überzeugender Vorteil von
Rosiglitazon gegenüber Sulfonylharnstoffen oder Metformin lässt sich daraus
nicht ableiten - was man bei einem Mittel, das dermassen viel teurer ist,
eigentlich erwarten müsste. Natürlich existieren auch noch keine Langzeituntersuchungen
mit Rosiglitazon, die eine günstige Wirkung auf diabetische Spätkomplikationen
nachwiesen. Noch sind nicht alle Zweifel ausgeräumt, dass die Hepatotoxizität
nur Troglitazon betrifft und es sich nicht um einen Klasseneffekt der Glitazone
handelt. Somit dürfte im Augenblick in der Verschreibung von Rosiglitazon
grösste Zurückhaltung geboten sein.
- Barman Balfour JA, Plosker GL. Drugs 1999; 57: 921-30 [Medline]
- Anon. Med Lett Drugs Ther 1999; 41: 71-3 [Medline]
- http://www.upmc.edu/druginfo/InternalAccess/Documents/LongForms/ rosiglitazone.htm
[Volltext]
- Patel J et al. Diabetes Obesity Metab 1999; 1: 165-72
- http://www.diabetes.org/am99/NumberResults.asp?idAbs=0494 [Volltext]
- http://www.citizen.org/hrg/publications/1514.htm [Volltext]
- Wolffenbuttel BHR et al. Diabet Med 2000; 17: 40-7 [Medline]
- Fonseca V et al. JAMA 2000; 283: 1695-702 [Medline]
- Forman LM et al. Ann Intern Med 2000; 132: 118-21 [Medline]
- Al-Salman J et al. Ann Intern Med 2000; 132: 121-4 [Medline]
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