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Obwohl es sich um eine Problematik handelt, auf die wir in
dieser Zeitschrift schon wiederholt hingewiesen haben,(1)
fühle ich mich veranlasst, eine gewisse Verschreibungspraxis
nochmals anzuprangern. Chefärzte tun es, aber auch Gastroenterologinnen,
Assistenzärzte und Rheumatologinnen: sie verschreiben
alle Esomeprazol (Nexium®) als Protonenpumpenhemmer, noch
dazu meistens in einer Tagesdosis von 40 mg. Protonenpumpenhemmer
sind wichtige und hochwirksame Medikamente, die sehr häufig
– meistens, aber nicht immer zu Recht – verordnet
werden. Das heisst jedoch keineswegs, dass Esomeprazol das
Mittel der Wahl für eine der verschiedenen Indikationen
von Protonenpumpenhemmern wäre.
Esomeprazol ist bekanntlich das linksdrehende Enantiomer
von Omeprazol (Antramups® u.a.); das rechtsdrehende Enantiomer
ist allerdings auch aktiv. In vivo ergibt sich mg pro mg eine
leicht stärkere Wirkung von Esomeprazol. Klinische Studien,
in denen eine signifikante oder klinisch relevante Überlegenheit
von 40 mg Esomeprazol im Vergleich mit 40 mg Omeprazol nachgewiesen
worden wäre, liegen aber nicht vor. Wie beispielsweise
in einer von der Herstellerfirma veröffentlichten Übersicht
zur Behandlung der Reflux-Ösophagitis dargestellt, ist
Esomeprazol in einer Tagesdosis von 40 mg zwar signifikant
wirksamer als «übliche» Dosen anderer Protonenpumpenhemmer.(2)
Als übliche Tagesdosis von Omeprazol gilt jedoch die
Dosis von 20 mg! Um sicherzustellen, dass auch wirklich eine
Überlegenheit von Esomeprazol gezeigt werden kann, wurde
dieses in sehr vielen Studien so dosiert, dass a priori damit
gerechnet werden konnte, es wirke sich besser aus als die
relativ unterdosierten Vergleichssubstanzen.
Grundsätzlich darf deshalb angenommen werden, dass in
der Praxis mit 40 mg Omeprazol dieselbe Wirkung wie mit 40
mg Esomeprazol erreicht wird. Diese Esomeprazol-Tagesdosis
kostet zwischen CHF 3.35 und 4.60 (je nach Packungsgrösse)
– in Deutschland ist sie bereits für (umgerechnet)
CHF 2.50 erhältlich. Dank der Erhältlichkeit von
Generika lassen sich die Kosten einer 40-mg-Dosis von Omeprazol
auf CHF 2.20 bis 2.50 senken. Es gibt keine vernünftigen
Gründe, weshalb nicht mit Omeprazol behandelt werden
sollte, handelt es sich doch um ein ausserordentlich gut dokumentiertes
Medikament. Man kann sich leicht ausrechnen, dass hier ein
konsequenter Einsatz von Omeprazol-Generika Ressourcen in
der Grössenordnung von Millionen freisetzen würde,
die anderswo in unserem Gesundheitswesen hochwillkommen wären.
Vor kurzem wurde einer meiner Patientinnen zur Behandlung
eines Magenulkus im Spital Esomeprazol in einer Dosierung
von zweimal 40 mg täglich verschrieben. Da sie von der
Wirksamkeit des Mittels sehr beeindruckt war, gelang es mir
während vielen Wochen nicht, das Präparat oder die
Dosis – für die es übrigens keine offizielle
Indikation gibt – zu ändern. Mit anderen Worten:
es ist für mich als Hausarzt oft schwierig, jemanden
davon zu überzeugen, dass das im Spital oder in der spezialärztlichen
Praxis verordnete, so unerhört wirksame Mittel ohne weiteres
durch ein anderes ersetzt werden kann, das viel weniger kostet
als Esomeprazol.
Können wir uns diese Verschwendung wirklich leisten?
Literatur
1 Gysling
E, de Luca A. pharma-kritik 2001; 23: 41-3
2 Edwards SJ et al. Aliment Pharmacol Ther 2006; 24: 743-50
[Medline]
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