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| Einleitung | Lithium | Carbamazepin | Valproinsäure | Lamotrigin | Weitere Medikamente | Schlussfolgerungen | Literatur | Links |
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| Einleitung |
Unter bipolaren Affektstörungen versteht man psychische Erkrankungen, bei denen neben depressiven Episoden manische oder hypomanische Phasen vorkommen. Bei einer typischen sogen. Bipolar-I-Erkrankung (früher: manisch-depressive Psychose) sind sowohl depressive wie manische Phasen voll ausgeprägt. Daneben umfasst das bipolare Spektrum weitere Erkrankungstypen, insbesondere Depressionen mit hypomanischen Episoden sowie weitere Formen gemischter Störungen. Von "rapid cycling" spricht man, wenn es bei bipolaren Störungen zu einem raschen Phasenwechsel kommt (mehr als drei Episoden pro Jahr).
Etwa 1% aller Erwachsenen erkranken an einer Bipolar-I-Störung, die Lebenszeitprävalenz
des breiteren bipolaren Spektrums wird auf 3 bis 6% geschätzt. Bipolar-I-Störungen
beginnen häufig schon vor dem 25. Lebensjahr und rezidivieren meistens während
vielen Jahren. Oft wird die Diagnose erst mit Verspätung gestellt, besonders
wenn die Erkrankung mit einer depressiven Episode beginnt. Dies ist insofern
problematisch, als der Verlauf von bipolaren Störungen durch den (alleinigen)
Einsatz von Antidepressiva möglicherweise ungünstig beeinflusst werden kann. 1.
Ghaemi SN et al. J Clin Psychiatry 2000; 61: 804-9
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In der Behandlung bipolarer Störungen kommt der Pharmakotherapie grosse Bedeutung zu. Dabei muss zwischen der Behandlung akuter manischer oder depressiver Phasen und der längerfristigen Erhaltungsbehandlung (Rückfallprävention) unterschieden werden. Am wichtigsten sind die sogenannten Stabilisatoren, zu denen heute neben Lithium (z.B. Quilonorm®) in erster Linie die Antiepileptika Carbamazepin (z.B. Tegretol®), Valproinsäure (z.B. Convulex®) und neuerdings auch Lamotrigin (Lamictal®) gerechnet werden. Ergänzend kommen Neuroleptika, Benzodiazepine und Antidepressiva zum Einsatz, wobei in akuten Phasen praktisch immer kombiniert behandelt werden muss.
| Einleitung | Lithium | Carbamazepin | Valproinsäure | Lamotrigin | Weitere Medikamente | Schlussfolgerungen | Literatur | Links |
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| Lithium |
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| Manische Episoden |
Eine neuere Metaanalyse kommt zum Schluss, die antimanische Wirksamkeit von
Lithium sei bisher unübertroffen. 3. 4.
Es sprechen jedoch längst nicht alle Kranken auf Lithium an. In einer
dreiwöchigen Doppelblindstudie mit 179 Personen, von denen etwa die Hälfte
vorher ungenügend auf Lithium reagiert hatte, wurde Lithium mit Placebo
und Divalproex (einem Valproinsäurederivat) verglichen. Eine mindestens
50%ige Besserung der klinischen Symptome ergab sich unter Placebo bei 25%,
unter Lithium und Divalproex bei knapp 50%.
Poolsup N et al. J Clin Pharm Ther 2000; 25: 139-56
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Bowden CL et al. JAMA 1994; 271: 918-24
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In der Akutbehandlung sollen relativ hohe Plasmaspiegel im Bereich von 0,9 bis 1,1 mmol/l erreicht werden. Nachteilig wirkt sich aus, dass auch so mit einer Wirkungslatenz von 7 bis 14 Tagen zu rechnen ist. Bei erregten, aggressiven Kranken ist initial eine Zusatzmedikation (Neuroleptika, Benzodiazepine) unumgänglich.
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| Depressive Episoden |
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| Prophylaxe |
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| Probleme |
Tremor, Durst, Polyurie, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Gewichtszunahme sowie eine gewisse geistige Trägheit sind die wichtigsten unerwünschten Wirkungen, die mindestens vorübergehend sehr viele Behandelte betreffen. Unter Lithium nehmen etwa 20% der Kranken mehr als 10 kg zu, was die Akzeptanz der Behandlung limitieren kann.
Während einer Langzeittherapie treten auch häufig Störungen der Schilddrüsenfunktion
auf: Gemäss einer Untersuchung entwickelten mehr als 20% der über 40jährigen
Frauen, die mit Lithium behandelt wurden, eine Hypothyreose. 7.
Eine Hyperthyreose tritt dagegen selten auf. Ein Teil der Behandelten
entwickelt eine Struma.
Johnston AM, Eagles JM. Br J Psychiatry 1999; 175: 336-9
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Lithium beeinträchtigt die tubuläre Nierenfunktion und verursacht
so relativ häufig einen nephrogenen Diabetes insipidus; ob diese Auswirkung
nach einer jahrelangen Behandlung noch reversibel ist, wird kontrovers beurteilt.
Die glomeruläre Funktion wird dagegen nur selten wesentlich reduziert. 8.
Vereinzelt sind unter Lithium Störungen
des Kalziumstoffwechsels ähnlich wie bei einem Hyperparathyreoidismus
aufgetreten.
Gitlin M. Drug Saf 1999; 20: 231-43
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Eine Schwangerschaft ist keine absolute Kontraindikation für Lithium. Gemäss
einer Analyse der bis 1994 publizerten Studien ist zwar bei einer Lithium-Verabreichung
im ersten Trimenon mit einer gegenüber Unbehandelten leicht erhöhten Inzidenz
von Herzmissbildungen zu rechnen. 9.
Bei Frauen, die während des ersten Trimenons Lithium erhalten, soll deshalb
in der 16. bis 18. Woche eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt werden.
Schwangerschaftsbedingte Änderungen der renalen Lithiumclearance machen
eine häufige Überprüfung der Plasmaspiegel während der Schwangerschaft
und nach der Geburt notwendig. Da in der Muttermilch hohe Lithiumkonzentrationen
erreicht werden, sollten mit Lithium behandelte Frauen nicht stillen.
Cohen LS et al. JAMA 1994; 271: 146-50
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Grobschlägiger Tremor, Dysarthrie und Verwirrtheit sind Zeichen einer beginnenden Intoxikation, welche sich bereits bei einer Plasmakonzentration von 1,2 bis 1,5 mmol/l manifestieren kann. Die Behandlung erfolgt symptomatisch; in schweren Fällen soll dialysiert werden.
Interaktionen: Vorwiegend über eine Hemmung der renalen Lithiumausscheidung können Diuretika, ACE-Hemmer, nicht-steroidale Antirheumatika und möglicherweise noch andere Medikamente zu einem Anstieg der Lithiumspiegel führen, eventuell bis in toxische Bereiche. Die gleichzeitige Verabreichung von Neuroleptika hat gelegentlich unerwartete neurologische Symptome verursacht. Lithium kann in Kombinationstherapien zu einem serotoninergen Syndrom beitragen.
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| Hinweise für die Praxis |
Lithium kann sowohl in mehreren Tagesdosen als auch als tägliche Einmaldosis
verordnet werden. Meistens wird die Behandlung mit etwa 10 mmol Lithium pro
Tag begonnen. Personen über 65 und solche mit einer Niereninsuffizienz sollten
initial nur die Hälfte der üblichen Dosis erhalten. Lithium hat eine individuell
stark variable Halbwertszeit zwischen 12 und 36 Stunden. Die Dosis wird auf
Grund der Plasmaspiegel (12 Stunden nach der Einnahme, jeweils einige Tage
nach Dosisänderungen) festgelegt. Unter der Behandlung soll darauf geachtet
werden, eine Dehydrierung zu vermeiden und die Natriumzufuhr konstant zu halten.
Muss Lithium abgesetzt werden, so sollte die Dosis langsam ausschleichend
- über 2 Monate hinweg - reduziert werden. Es hat sich gezeigt, dass so weniger
Rezidive auftreten. 10.
Baldessarini RJ et al. Am J Psychiatry 1997; 154: 551-3
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Vor einer Lithiumtherapie und später jeweils nach etwa 6 Monaten sollten das Plasma-Kreatinin, die Elektrolyte und ein Schilddrüsenhormonstatus sowie bei älteren Leuten auch das EKG kontrolliert werden. Die Kosten einer Lithiumtherapie liegen zwischen 10 und 20 Franken monatlich.
| Einleitung | Lithium | Carbamazepin | Valproinsäure | Lamotrigin | Weitere Medikamente | Schlussfolgerungen | Literatur | Links |
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| Carbamazepin |
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| Manische Episoden |
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| Depressive Episoden |
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| Prophylaxe |
In einer randomisierten Studie wurde die prophylaktische Wirkung von Carbamazepin
bei 144 Personen mit bipolarer Psychose mit derjenigen von Lithium
verglichen. Während rund zweieinhalb Jahren erhielten 70 Kranke Carbamazepin;
74 erhielten Lithium. In den beiden Gruppen mussten ungefähr gleichviele Personen
hospitalisiert werden. In der Carbamazepin-Gruppe traten beinahe doppelt so
viele Rezidive auf wie in der Lithium-Gruppe (Unterschied knapp nicht signifikant).
Unter Lithium mussten signifikant weniger zusätzliche Psychopharmaka als unter
Carbamazepin gegeben werden. Lithium verursachte häufiger leichte bis mittelschwere,
Carbamazepin häufiger schwerwiegende Nebenwirkungen. 13.
Greil W et al. J Affect Disord 1997; 43: 151-61
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Eine Doppelblindstudie umfasste 52 Personen mit manisch-depressiver Erkrankung,
die zuerst während einem Jahr prophylaktisch mit Carbamazepin oder Lithium
behandelt wurden. Während einem weiteren Jahr wurden die Behandlungen in den
beiden Gruppen gegeneinander ausgetauscht ("Crossover"). Im dritten Jahr schliesslich
wurde kombiniert mit Lithium und Carbamazepin behandelt. Sowohl unter
Carbamazepin als auch unter Lithium erreichte rund je ein Drittel der Behandelten
eine Besserung; die Kombinationstherapie war gesamthaft besser, aber nicht
signifikant überlegen. Unter der Kombination blieben 33%, unter Lithium 11%
und unter Carbamazepin 4% frei von einer manischen Episode während der Beobachtungszeit.
Personen mit anamnestischem "rapid cycling" profitierten signifikant mehr
von einer Kombinationsbehandlung Carbamazepin/Lithium als von einer Monotherapie. 14.
Denicoff KD et al. J Clin Psychiatry 1997; 58: 470-8
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Aufgrund weiterer Daten kann angenommen werden, dass Carbamazepin bei typischen
Bipolar-I-Störungen weniger wirksam ist als Lithium. 15.
Ob Carbamazepin allein bei speziellen Formen bipolarer Störungen - insbesondere
bei "rapid cycling" - überlegen ist, kann nicht schlüssig beantwortet
werden.
Greil W et al. J Clin Psychopharmacol 1998; 18: 455-60
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| Probleme |
Carbamazepin verursacht häufig eine zentralnervöse Dämpfung, Sehstörungen (Diplopie, Nystagmus), Brechreiz und Exantheme. Seltene, aber gefährliche Komplikationen sind vielfältig, zum Teil allergischer Natur und können die Blutbildung, die Leber, die Niere oder die Haut betreffen. Im Vergleich mit Lithium führt Carbamazepin zu einer geringeren Gewichtszunahme.
Eine Schwangerschaft stellt eine Kontraindikation dar. Einzelne Fälle von Spina bifida sind mit der Einnahme von Carbamazepin in Verbindung gebracht worden. Obwohl auch Carbamazepin mit der Muttermilch ausgeschieden wird, gilt Stillen als erlaubt.
Interaktionen: Carbamazepin ist ein Induktor der Zytochrom-Isoenzyme CYP1A2 und CYP3A4 und seinerseits Substrat dieser Zytochrome sowie von CYP2C9. Damit ist die Substanz Ursache von vielfältigen und komplexen Interaktionen, die hier nicht in den Einzelheiten dargestellt werden können.
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| Hinweise für die Praxis |
| Einleitung | Lithium | Carbamazepin | Valproinsäure | Lamotrigin | Weitere Medikamente | Schlussfolgerungen | Literatur | Links |
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| Valproinsäure |
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| Manische Episoden |
In einer amerikanischen Doppelblindstudie wurden insgesamt 179 hospitalisierte
Kranke mit einer akuten manischen Episode während 3 Wochen entweder
mit Divalproex, Lithium oder Placebo behandelt. In beiden aktiven
Behandlungsgruppen wurde in der Hälfte der Fälle eine Verbesserung der klinischen
Symptome um mindestens 50% beobachtet (Placebogruppe: in einem Viertel der
Fälle). Divalproex war bei Personen mit "rapid cycling" ebenso wirksam wie
bei den übrigen Behandelten. 4.
Bowden CL et al. JAMA 1994; 271: 918-24
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Divalproex wurde auch mit Haloperidol (Haldol® u.a.) verglichen. In
einer randomisierten Studie erhielten 36 Kranke mit akuter manischer (oder
gemischt manisch-depressiver) Episode und einer zusätzlichen schizophrenen
Komponente während 6 Tagen Divalproex (20 mg/kg/Tag) oder Haloperidol (0,2
mg/kg/Tag). Divalproex und Haloperidol erwiesen sich als ähnlich wirksam.
Die grösste Wirkung war in den ersten drei Behandlungstagen zu beobachten,
was (z.B. im Vergleich mit Lithium) auf einen relativ raschen Wirkungseintritt
hinweist. 16.
McElroy SL et al. J Clin Psychiatry 1996; 57: 142-6
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| Depressive Episoden |
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| Prophylaxe |
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| Probleme |
Valproinsäure ist häufig für gastrointestinale Nebenwirkungen (Brechreiz/Erbrechen,
Magenbeschwerden, Durchfall oder Obstipation), Gewichtszunahme, Tremor, Ataxie,
Müdigkeit und Transaminasenanstieg verantwortlich. Unter Valproinsäure haben
Frauen polyzystische Ovarien und entsprechende Menstruationsstörungen entwickelt;
der Zusammenhang mit Valproinsäure ist jedoch nicht eindeutig. 18.
In Einzelfällen treten hepatotoxische Reaktionen auf, die wie die ebenfalls
sehr seltenen akuten Pankreatitiden zum Tode führen können.
Chappell KA et al. Ann Pharmacother 1999; 33: 1211-6
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Eine Schwangerschaft stellt eine Kontraindikation dar, da unter Valproinsäure wiederholt Neuralrohrdefekte beobachtet wurden.
Interaktionen: Valproinsäure hemmt mehrere Zytochrom-Isoenzyme (CYP2C19, CYP2C9, CYP3A4). Bei gleichzeitiger Verabreichung anderer Medikamente (z.B. trizyklische Antidepressiva, Neuroleptika, einzelne Benzodiazepine) ist deshalb mit verstärkter Wirkung dieser Medikamente zu rechnen. Andere Interaktionen beruhen auf pharmakodynamischen Mechanismen (zentralnervöse Dämpfung, Plättchenhemmung).
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| Hinweise für die Praxis |
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| Lamotrigin |
Lamotrigin (Lamictal®), ein weiteres Antiepileptikum, ist bei depressiven
Episoden wirksam: In einer Dosis von 50 oder 200 mg/Tag hatte es in
einer Doppelblindstudie mit 195 Kranken eine im Vergleich zu Placebo
signifikante antidepressive Wirkung. 19. 20.
In einer kleineren Doppelblindstudie bei Personen mit therapierefraktärer
Depression war seine antidepressive Wirkung derjenigen von Placebo und von
Gabapentin (Neurontin®) klar überlegen - etwa die Hälfte der mit Lamotrigin
Behandelten erreichte eine deutliche Besserung.
Calabrese JR et al. J Clin Psychiatry 1999; 60: 79-88
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Frye MA et al. J Clin Psychopharmacol 2000; 20: 607-14
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Lamotrigin oder Placebo wurde auch 182 Kranken mit "rapid cycling"
doppelblind verabreicht. Unter Lamotrigin blieben 41% der Behandelten während
6 Monaten rezidivfrei, unter Placebo nur 26%. 21.
Calabrese JR et al. J Clin Psychiatry 2000; 61: 841-50
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Lamotrigin verursacht bei rund 10% der Behandelten Hautreaktionen, die vereinzelt bedrohliche Formen annehmen können (Stevens-Johnson-Syndrom). Es kann auch Ataxie, Schwindel und Kopfschmerzen hervorrufen. Bei einer Tagesdosis von 200 mg betragen die monatlichen Kosten 184 Franken. Zur Wirksamkeit von weiteren Antiepileptika - Gabapentin (Neurontin®), Vigabatrin (Sabril®) und Topiramat (Topamax®) - in der Behandlung bipolarer Störungen liegen noch keine schlüssigen Resultate vor.
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| Weitere Medikamente |
Die Wirksamkeit von Antidepressiva bei depressiven Phasen einer bipolaren
Erkrankung ist kaum in kontrollierten Studien dokumentiert. Dennoch werden
diese Medikamente bei bipolarer Depression oft eingesetzt, gelten aber insofern
als riskant, als sie eventuell manische Episoden fördern und ein "rapid
cycling" induzieren können. Ob dies für selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer
im gleichen Ausmass wie für trizyklische Antidepressiva zutrifft, ist ungenügend
bekannt. Mit der Ausnahme von Lamotrigin sind anderseits auch Lithium und
andere Stabilisatoren bei depressiven Schüben in ihrer Wirksamkeit wenig dokumentiert.
Eine auf 2 bis 6 Monate befristete Verabreichung von Antidepressiva ist deshalb
- auch in Anbetracht des Suizidrisikos - in vielen akuten Fällen gerechtfertigt. 22.
Heute werden in erster Linie Serotonin-Wiederaufnahmehemmer empfohlen;
die Wirksamkeit trizyklischer Antidepressiva gerade bei schweren Depressionen
ist jedoch unübertroffen.
Moller HJ, Grunze H. Eur Arch Psychiatry Clin Neurosci 2000;
250: 57-68
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In der Therapie akuter Krankheitsphasen sind Neuroleptika indiziert, wenn psychotische Symptome vorliegen, bei ausgeprägter Angetriebenheit oder Gewalttätigkeit sowie bei anamnestischer Resistenz gegenüber Stabilisatoren. Im Vergleich mit Lithium, das eine Latenzzeit von 2 bis 3 Wochen bis zum Eintritt der vollen Wirkung benötigt, haben Neuroleptika bei manischen Phasen den Vorteil, relativ rasch zu wirken. Personen mit einer bipolaren Störung weisen möglicherweise ein erhöhtes Risiko für extrapyramidale Nebenwirkungen auf. Zudem ist nicht auszuschliessen, dass Neuroleptika depressive Phasen verlängern oder verstärken. Auch diese Medikamente sollen daher im Laufe einiger Monate allmählich abgesetzt werden, wenn einmal eine Remission erreicht ist. Zur Wahl des bei bipolaren Störungen geeignetsten Neuroleptikums liegen keine kontrollierten Studien vor; häufig wird Haloperidol (Haldol® u.a.) verschrieben. Auch allfällige Vorteile atypischer Neuroleptika wie Cloazapin (Leponex®) sind nicht genügend dokumentiert.
Benzodiazepine - z.B. Lorazepam (Temesta® u.a.) - eignen sich als Ergänzung der Behandlung mit Stabilisatoren und/oder Neuroleptika in akuten manischen Phasen. Kontrollierte Studien zu dieser Indikation liegen jedoch kaum vor.
Zur Behandlung von therapieresistenten depressiven Episoden kann gemäss einer
kleinen randomisierten Studie vereinzelt auch der Kalziumantagonist
Nimodipin (Nimotop®) nützlich sein. 23.
Eine weitere
seit Jahren verwendete, aber bisher nicht überzeugend dokumentierte Möglichkeit
ist die "Augmentation" der Behandlung mit Schilddrüsenhormon.
Pazzaglia PJ et al. J Clin Psychopharmacol 1998; 18: 404-13
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| Schlussfolgerungen |
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| Literatur |
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| Links |
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| Pharmakotherapie bipolarer Störungen | pharma-kritik, Jg.22/No.12 |
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