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Primär-biliäre
Zirrhose |

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C.
Reichel, E. L. Renner, P. J. Meier-Abt
B.
H. Lauterburg, G. Paumgartner, M. Pirovino |

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pharma-kritik
Jahrgang 21, Nr.10 |

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Redaktionsschluss:
24. April 2000 |
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Unter der Bezeichnung "primär-biliäre Zirrhose" (PBZ) wird eine Lebererkrankung
verstanden, der destruktive Veränderungen im Bereich der Gallengänge zugrundeliegen
und die schliesslich zu einer Leberzirrhose führt. Der Name ist insofern
problematisch, als nicht alle davon Betroffenen an einer Zirrhose leiden.
Im deutschsprachigen Raum wurde früher für die PBZ im nicht-zirrhotischen
Stadium der Begriff der nicht-eitrigen destruierenden Cholangitis verwendet.
Trotz erheblicher Fortschritte in der Aufklärung der molekularen
Ursachen cholestatischer Lebererkrankungen ist die Ursache der PBZ weiterhin
unklar.
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1.
Trauner M et al. N Engl J Med 1998; 22: 1217-27
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Es wird eine
Autoimmungenese vermutet. Ob allerdings die bei
PBZ nachweisbaren Autoantikörper nicht nur ein diagnostisch wichtiges Epiphänomen
sind, sondern auch kausal mit dem Krankheitsgeschehen verknüpft sind, bleibt
umstritten. Neben einer endogenen Prädisposition spielen wahrscheinlich auch
Infektionen eine bedeutsame Rolle.
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2.
Sherlock S. Clin Liver Dis 2000; 4: 97-113
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Heute wird die PBZ meistens im Zusammenhang mit Routine-Laboruntersuchungen
(erhöhte alkalische Phosphatase!) oder bei einem Autoantikörper-Screening entdeckt.
Die Diagnose beruht im wesentlichen auf drei Kriterien: (1) der
Nachweis
antimitochondrialer Antikörper, (2) mit einer
Cholestase vereinbare
Laborresultate und (3) eine für die Krankheit charakteristische oder mindestens
kompatible
Leberhistologie.
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3.
Villeneuve J et al. Can J Gastroenterol 1991; 5: 174-8
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Spezifisch ist insbesondere der Nachweis von antimitochondrialen Antikörpern.
Diese können in neun Subtypen, anti-M1 bis anti-M9, unterteilt werden, aber
nur die Antikörpersubtypen anti-M2, -M4, -M8 und -M9 sind mit der PBZ assoziiert.
Bei den betroffenen Personen finden sich unterschiedliche Antikörperkonstellationen;
bei mehr als 95% ist allerdings der Nachweis des anti-M2-Subtyps positiv.
Daher reicht zur Diagnose in der Regel zunächst die Bestimmung des anti-M2-Subtyps;
andere Antikörpersubtypen sollten aus Kostengründen nur in besonderen Fällen
bestimmt werden. Ausserdem finden sich bei den meisten Kranken zusätzlich
zu den genannten Diagnosekriterien eine selektive IgM-Vermehrung und nicht
selten eine Hypercholesterinämie.
Frauen erkranken rund zehnmal häufiger an PBZ als Männer.
Gemäss einer englischen Untersuchung erkrankten in Newcastle upon Tyne zwischen
1987 und 1994 durchschnittlich 28 Personen pro Million Einwohner und pro Jahr
an einer PBZ. Das mittlere Alter bei der Diagnosestellung war 66,5 Jahre. 1994
betrug die Prävalenz der PBZ (sichere und fragliche Fälle) 240 Fälle auf eine
Million Einwohner.
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4.
Metcalf J et al. Semin Liver Dis 1997; 17: 13-22
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Für andere europäische Länder - z.B. Deutschland - liegen die dokumentierten
Werte für die Prävalenz der PBZ deutlich niedriger. Die für diese Länder vorliegenden
Zahlen sind jedoch aufgrund methodischer Mängel der Studien mit starken Unsicherheiten
behaftet.
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4.
Metcalf J et al. Semin Liver Dis 1997; 17: 13-22
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Da die Diagnose heute meistens früh gestellt wird, haben die betroffenen
Personen zunächst oft keine oder nur unspezifische Symptome. Dieses präsymptomatische
Stadium kann Jahre bis Jahrzehnte dauern. Bei 75% der Personen mit
nachweisbaren antimitochondrialen Antikörpern, aber bezüglich Leberfunktion
normalen Laborresultaten und ohne spezifische Symptome wird die Leberfunktionsstörung
innerhalb von 10 Jahren manifest. Im Einzelfall ist der Verlauf nicht
zuverlässig vorhersehbar.
Die überwiegende Mehrheit aller Personen mit antimitochondrialen Antikörpern
entwickelt innerhalb von 5 bis 20 Jahren eine symptomatische PBZ.
Müdigkeit, depressive Verstimmung und Schlafstörungen sind häufig, wenn
auch wenig charakteristisch. Später kommt meistens ein hartnäckiger Juckreiz
dazu, Xanthome und Xanthelasmen entwickeln sich und nicht selten tritt
auch eine Osteoporose mit Knochenschmerzen oder Frakturen auf. In diesem
symptomatischen Stadium, das ebenfalls Jahre dauert, besteht meistens
kein oder nur ein leichter Ikterus. Wenn aber einmal Symptome vorhanden
sind, ist die Prognose quoad vitam ungünstiger als vorher.
Splenomegalie und Ösophagusvarizen können die ersten Symptome einer PBZ sein.
Nicht selten ist die Leberfunktion auch bei erheblicher portaler Hypertension
noch gut erhalten. Dies wird von einigen Arbeitsgruppen dadurch erklärt, dass
eine präsinusoidale portale Hypertension bei PBZ als Folge einer nodulär-regenerativen
Hyperplasie auftreten kann.
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5.
Colina F et al. Gastroenterology 1992; 102: 1319-24
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Schliesslich kommt es zum chronischen hepatozellulären Versagen mit deutlichem
Ikterus. Auch diese präterminale oder akzelerierte Phase kann nochmals
Jahre dauern. Wenn jetzt seitens der portalen Hypertonie Komplikationen
(Aszites, Ösophagusvarizenblutung) auftreten oder die Lebensqualität infolge
therapierefraktärem Pruritus massiv beeinträchtigt ist, stellt sich die
Frage nach der Lebertransplantation.

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| PBZ-assoziierte Erkrankungen |
Die PBZ kann fast von jeder bekannten Autoimmunkrankheit begleitet
sein. Kollagenkrankheiten, besonders Schilddrüsenerkrankungen und das Sjögren-Syndrom,
sind häufig. Weitere assoziierte Erkrankungen sind die Sklerodermie oder
das CREST-Syndrom (Calcinosis cutis, Raynaud's syndrome, Esophageal dysfunction,
Sclerodactyly, Teleangiectasia), eine Osteoporose sowie eine Zöliakie.

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| Schilddrüse |
Bei 15 bis 25% der Kranken mit PBZ finden sich Schilddrüsenantikörper.
Die Hypothyreose als Endergebnis einer Autoimmunthyreoiditis ist die häufigste
mit der PBZ assoziierte Autoimmunerkrankung. Aber auch Hyperthyreosen sind im
Initialstadium der Autoimmunthyreoiditis beschrieben. Eine unbehandelte Hypothyreose
kann die Cholestase und die Müdigkeit verstärken.
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6.
Heathcote J. Semin Liver Dis 1997; 17: 23-33
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| Osteoporose/Osteomalazie
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Es wird angenommen, dass 70% der Osteoporosefälle in der Bevölkerung mit der
Expression eines speziellen Vitamin-D-Rezeptor-Subtyps verknüpft sind. Auch
die Osteoporose bei der PBZ scheint durch genetische Faktoren beeinflusst zu
sein. Ein solcher genetischer Faktor würde erklären, warum die Osteoporose auch
bei vollständig blandem Verlauf der PBZ auftreten kann. Die Koinzidenz der Osteoporose
mit der PBZ ist so hoch, dass routinemässig eine
Knochendensitometrie
empfohlen wird.
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7.
Lindor KD et al. Hepatology 1995; 21: 389-92
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Weiterhin sollte der 25-Hydroxy-Vitamin-D-Spiegel als Marker für einen bestehenden
Vitamin-D-Mangel bestimmt werden.

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| Rheumatologische Erkrankungen
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25% der Kranken mit PBZ haben einen positiven Rheumafaktor und sehr viel
seltener auch das Krankheitsbild der rheumatoiden Arthritis. Bis zu 70%
der Kranken weisen ein Sicca-Syndrom mit Xerostomie und Xerophthalmie auf.

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| Weitere assoziierte Erkrankungen
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Personen mit PBZ erkranken gehäuft an einem hepatozellulären
Karzinom. Dieses tritt jedoch erst bei länger etablierter Zirrhose auf. Die
Hypothese, dass retinierte Gallensäuren zu einer erhöhten Inzidenz von Mammakarzinomen
bei PBZ-Patientinnen führen, ist noch Gegenstand der Diskussion. Weitere seltene
Komplikationen sind die renale tubuläre Azidose, gehäufte Harnwegsinfekte, Glomerulonephritiden,
Polymyositis, Sarkoidose und Vitiligo.
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6.
Heathcote J. Semin Liver Dis 1997; 17: 23-33
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| Rolle und Zeitpunkt der Leberbiopsie
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Die Erkrankung befällt zunächst die kleinen Gallengänge (Durchmesser
50 bis 100 mm). Die lymphozytäre Infiltration und konsekutive Destruktion
dieser kleinen Gallengänge ist jedoch vorwiegend in den Initialstadien der
Erkrankung nachweisbar. In den späteren Stadien findet man meistens nur
eine Duktopenie (d.h. das Fehlen von interlobulären Gallengängen in mehr
als 50% der Portalfelder). Der Nachweis von Destruktionen der segmentalen
und interlobulären Gallengänge mit nicht-verkäsenden epitheloidzelligen
Granulomen gilt als diagnostisch. Typische histologische Veränderungen können
schon in frühen Stadien einer PBZ gefunden werden. Eine Leberbiopsie ist
aber unseres Erachtens erst sinnvoll, wenn neben antimitochondrialen Antikörpern
auch abnorme Leberfunktionswerte nachgewiesen werden können, da eine Therapie
erst zu diesem Zeitpunkt zur Diskussion steht.
Seit einigen Jahren hat sich die Ursodeoxycholsäure (Ursodiol,
UDCA, De-Ursil®, Ursochol®, Ursofalk®) in der Behandlung der PBZ durchgesetzt.
Andere Medikamente spielen nach dem heutigen Wissensstand eine untergeordnete
Rolle. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich die Wirksamkeit der Behandlung
einer ausgesprochen protrahiert und variabel verlaufenden Krankheit in Studien,
die nur wenige Jahre dauern, schlecht dokumentieren lässt. Zudem lassen
sich bei dieser Krankheit kaum "harte" Studienendpunkte definieren. Auch
bei der Indikationsstellung zu einer allfällig notwendigen Lebertransplantation
kann es von Zentrum zu Zentrum gewisse Unterschiede geben.

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| Ursodeoxycholsäure |
Ursodeoxycholsäure, eine natürlich vorkommende hydrophile Gallensäure, wurde
in mehreren Doppelblindstudien gegen Placebo getestet. Die grösste bisher
publizierte Studie ist eine kanadische Multizenterstudie, in der 222 Personen
mit bioptisch nachgewiesener PBZ während 2 Jahren mit Ursodeoxycholsäure (14
mg/kg/Tag) oder Placebo behandelt wurden. Unter der aktiven Behandlung kam
es zu einer signifikanten Abnahme mehrerer repräsentativer Laborwerte (Bilirubin,
alkalische Phosphatase, Transaminasen, Cholesterin, IgM). Dagegen konnte keine
signifikante Beeinflussung der Symptome oder der Zahl der Lebertransplantationen
und Todesfälle beobachtet werden.
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8.
Heathcote EJ et al. Hepatology 1994; 19:
1149-56
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In weiteren Studien wurde bestätigt, dass die Cholestase-Parameter
unter Ursodeoxycholsäure sehr häufig signifikant abnehmen und unter fortgesetzter
Behandlung auch gebessert bleiben, die subjektiven Krankheitssymptome (Müdigkeit,
Juckreiz) jedoch meistens nicht beeinflusst werden. Ein vorteilhafter Einfluss
auf die Laborwerte wird vor allem in frühen Stadien der PBZ beobachtet.
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9.
Poupon RE et al. N Engl J Med 1994; 330: 1342-7
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Die Beeinflussung des Krankheitsverlaufs durch Ursodeoxycholsäure
wird nicht einheitlich beurteilt. Gemäss einer zusammenfassenden Analyse von
drei grösseren Studien führt die Langzeitverabreichung des Medikaments bei
einer mittelschweren bis schweren PBZ (Bilirubinwert 24 mmol/l oder höher)
zu einer signifikanten Verlängerung des Lebens ohne Transplantation.
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10.
Poupon RE et al. Gastroenterology 1997; 113: 884-90
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Eine Metaanalyse dagegen, in der 11 randomisierte Studien mit insgesamt
1272 Kranken berücksichtigt wurden, vermochte keinen therapeutischen Nutzen
von Ursodeoxycholsäure zu berechnen.
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11.
Goulis J et al. Lancet 1999; 354: 1053-60
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Letztere Analyse kann aber wegen methodischer Mängel kritisiert werden;
die oben erwähnte Reanalyse aller Einzeldaten der drei grössten randomisierten
Studien
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10.
Poupon RE et al. Gastroenterology 1997; 113: 884-90
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erscheint aussagekräftiger als eine klassische Metaanalyse. Mehrere
Studien konnten eine Abnahme der histologisch nachweisbaren Leberveränderungen
zeigen, in anderen war dies aber nicht der Fall. Die meisten Fachleute sind
der Meinung, eine Ursodeoxycholsäure-Behandlung sei sinnvoll, insbesondere
auch schon in frühen Stadien.
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2.
Sherlock S. Clin Liver Dis 2000; 4: 97-113
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Als Vorteil der Ursodeoxycholsäure kann angeführt werden, dass sie relativ
selten unerwünschte Wirkungen (Durchfall, Bauchbeschwerden) verursacht.
Nach heutigen Empfehlungen soll die ganze Tagesdosis von 10 bis 15 mg/kg
auf einmal (nach dem Nachtessen) genommen werden. Bei Kranken mit Leberzirrhose
kann die Dosis auf 8 mg/kg/Tag gesenkt werden. Das Medikament führt nicht
zur Heilung der Krankheit, es muss grundsätzlich ständig weiter verabreicht
werden.

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| Methotrexat |
Unter den Immunsuppressiva ist Methotrexat wohl die Substanz,
die bei PBZ bisher am genauesten untersucht wurde. Gemäss klinischen Beobachtungen
lassen sich bei einzelnen Kranken mit einer Dosis von 15 mg/Woche eine langfristige
biochemische und histologische Remission erreichen.
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12.
Kaplan MM et al. Ann Intern Med 1997; 126:
682-8
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Kontrollierte Studien sind jedoch erst in kleiner Zahl veröffentlicht
worden; die Resultate dieser vergleichsweise kleinen Studien sind widersprüchlich.
In einem Doppelblindvergleich mit
Placebo bei 60 Kranken mit bioptisch
nachgewiesener PBZ ergab sich für Methotrexat (7,5 mg/Woche) zwar eine signifikante
Senkung mehrerer hepatischer Enzymwerte, jedoch auch eine (nicht-signifikante)
Zunahme der Todesfälle und Lebertransplantationen.
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13.
Hendrickse MT et al. Gastroenterology 1999; 117: 400-7
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In Kombination mit Ursodeoxycholsäure fand sich in offenen Studien eine
vorteilhafte Auswirkung von Methotrexat auf die Laborwerte und die Leberhistologie.
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14.
Bonis PA, Kaplan M. Gastroenterology 1999; 117: 395-9
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Eine Doppelblindstudie konnte dagegen keinen Vorteil der Zugabe von
Methotrexat (10 mg/Woche) zu einer Ursodeoxycholsäure-Behandlung nachweisen.
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15.
Gonzalez-Koch A et al. J Hepatol 1997; 27: 143-9
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Methotrexat ist auch wegen seiner pulmonalen und hepatischen Toxizität sowie
wegen seines teratogenen Potentials problematisch. Der therapeutische Nutzen
von Methotrexat kann deshalb nicht als gesichert gelten.

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| Colchicin |
In einem randomisierten Vergleich mit
Placebo erhielten
37 Kranke mit PBZ, die trotz Ursodeoxycholsäure eine erhöhte alkalische Phosphatase
hatten, während zwei Jahren fünfmal wöchentlich 1 mg Colchicin. Das Medikament
hatte keinen signifikanten Einfluss auf die Laborwerte oder die Symptome.
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16.
Poupon RE et al. Hepatology 1996; 24: 1098-103
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Colchicin allein ist der Verabreichung von Ursodeoxycholsäure allein
unterlegen.
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17.
Vuoristo M et al. Gastroenterology 1995; 108: 1470-8
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Auch im Vergleich mit Methotrexat ist Colchicin weniger wirksam.
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18.
Kaplan MM et al. Gastroenterology 1999; 117: 1173-80
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Auch für Colchicin ist deshalb zu wenig Evidenz vorhanden, dass es sich
bei PBZ vorteilhaft auswirken würde.

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| Weitere Medikamente |
Kortikosteroide, Azathioprin (Imurek®), Chlorambucil (Leuke-ran®), Ciclosporin
(Sandimmun®) und mehrere weitere Substanzen wurden schon bei PBZ verabreicht.
Ein klinisch relevanter Nutzen ist für keines dieser Medikamente nachgewiesen.

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| Pruritus |
Die Basistherapie mit Ursodeoxycholsäure hat meistens keinen starken
Einfluss auf den cholestatisch bedingten Pruritus. Dagegen lässt sich
der Juckreiz mit Colestyramin (Quanta-lan®) in der Regel gut reduzieren.
Bei der Verabreichung ist darauf zu achten, dass Colestyramin nicht gleichzeitig
mit Ursodeoxycholsäure verabreicht wird, da sonst die Resorption der letzteren
beeinträchtigt wird. Eine Distanz von 1 bis 2 Stunden ist adäquat.
Versagt die Therapie mit Ursodeoxycholsäure und Colestyramin, so kann
- nach Absprache mit einem hepatologischen Zentrum - ein Behandlungsversuch
mit einem Zytochrominduktor wie Phenobarbital (Luminal®), einem 5-HT3-Antagonisten
wie Ondansetron (Zofran®) oder auch mit einem Opiatantagonisten wie Naltrexon
(Nemexin®) sinnvoll sein.
Da östrogenhaltige Präparate eine Verschlimmerung des cholestatischen
Pruritus bewirken können, sollten Kontrazeptiva und andere östrogenhaltige
Hormonpräparate bei Pruritus versuchsweise abgesetzt werden.

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| Steatorrhoe |
Da bei fortgeschrittener Erkrankung häufig eine leichte Steatorrhoe beobachtet
wird, sollte an die Möglichkeit eines Mangels an fettlöslichen Vitaminen
gedacht und allenfalls diese Vitamine substituiert werden.

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| Hypercholesterinämie und Xanthome
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Da bisher nicht nachgewiesen werden konnte, dass die Hypercholesterinämie
bei PBZ zu einer erhöhten kardiovaskulären Mortalität führt, werden die
erhöhten Cholesterinwerte in der Regel nicht therapeutisch angegangen. Die
Xanthelasmen stellen jedoch gelegentlich ein stark störendes kosmetisches
Problem dar. Unter der Behandlung mit Ursodeoxycholsäure bilden sich die
Xanthelasmen gelegentlich teilweise oder ganz zurück. Der Einsatz von Statinen
(HMG-CoA-Reduktasehemmer) ist nicht sinnvoll. Diese Medikamente führen zu
einer vermehrten Gallensäuresynthese, was eine Verstärkung der cholestatischen
Symptomatik zur Folge haben kann. Im späteren Verlauf der Erkrankung können
- infolge der Leberzirrhose und der damit verbundenen Kachexie und Verminderung
der hepatischen Cholesterinsynthese - die Cholesterinwerte in den Normbereich
zurückkehren und die Xanthelasmen wieder verschwinden.

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| Portale Hypertension |
Eine Behandlung mit Ursodeoxycholsäure führt gelegentlich zu einer Abnahme
des portalen Druckes und verzögert das Auftreten von Ösophagusvarizen. Eine
verhältnismässig gute Leberfunktion lässt aber nicht zuverlässig darauf
schliessen, dass keine portale Hypertension vorliegt. Deshalb sollte frühzeitig
eine endoskopische Kontrolle durchgeführt werden, um allenfalls mit einer
prophylaktischen Behandlung mit Propranolol (z.B. Inderal®) beginnen zu
können. Die Propranololdosis wird in der Regel so lange gesteigert, bis
die zweimal tägliche Verabreichung zu einer 25%igen Senkung der Ruhe-Herzfrequenz
geführt hat.

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| Behandlung von Begleiterkrankungen
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| Osteoporose/Osteomalazie |
Nach heutigem Wissen kann die PBZ-assoziierte Osteoporose durch Ursodeoxycholsäure
nicht beeinflusst werden. Ganz allgemein fehlen bisher überzeugende Daten,
dass sich das Auftreten oder das Fortschreiten der Osteoporose bei diesen
Kranken durch Medikamente reduzieren liesse. Dennoch wird den betroffenen
Personen empfohlen, sich täglich mindestens 1500 mg Kalzium zuzuführen. Ein
grosses Glas Milch enthält 700 mg Kalzium - Kalzium kann aber auch in Form
von Medikamenten (z.B. Calcium Sandoz®) verabreicht werden. Wenn ein Vitamin-D-Mangel
vorliegt, sollte Vitamin D (z.B. Vi-De 3®) bis zur Normalisierung der Werte
substituiert werden.
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6.
Heathcote J. Semin Liver Dis 1997; 17: 23-33
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Eine Östrogensubstitution hatte gemäss einer retrospektiven Untersuchung
bei Patientinnen mit PBZ nach der Menopause einen positiven Effekt.
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19.
Crippin JS et al. Am J Gastroenterol 1994; 89: 47-50
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Prinzipiell können Östrogene jedoch zu einer Verstärkung der Cholestase
führen. Allerdings tritt dieser Effekt unter den für die Osteoporoseprophylaxe
verwendeten Dosierungen in der Regel nicht auf. Alternativ kann die Verabreichung
von Bisphosphonaten - z.B. Alendronat (Fosa-max®) - diskutiert werden,
obwohl bisher keine sicheren Daten zu der Verwendung bei PBZ-assoziierter
Osteoporose vorliegen.

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| Sicca-Syndrom |
Bei Xerophthalmie sollen Augentropfen (Tränenersatz) verwendet werden.
Auch eine rigorose Dentalhygiene ist wichtig.
Bei schwangeren Frauen kann sich der Ikterus im Frühstadium
der Schwangerschaft vorübergehend verschlechtern. Obwohl bei der Schwangerschaftscholestase
gezeigt werden konnte, dass die Ursodeoxycholsäure auch in der Schwangerschaft
ein sicheres Medikament ist, wird dieses Medikament zur Zeit bei schwangeren
Patientinnen mit PBZ nicht regelmässig eingesetzt.
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20.
Rudi J et al. Z Gastroenterol 1996; 34: 188-91
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Nach der Schwangerschaft nehmen die Bilirubinwerte meistens wieder auf die
ursprünglichen Werte ab.
Im fortgeschrittenen Stadium einer PBZ ist die Lebertransplantation die
einzige lebenserhaltende Behandlung. Kranke mit PBZ sollten spätestens
bei manifester Leberzirrhose (Stadium B nach Child-Pugh) oder bei einem
deutlichen Anstieg des Bilirubinspiegels einmal einem Transplantationszentrum
zugewiesen werden, um die Indikation zur Transplantation zu klären. So
kann in gegenseitiger Absprache der behandelnden Ärzte die rechtzeitige
Meldung der betroffenen Kranken zur Lebertransplantation am besten erfolgen.
Nach der Lebertransplantation kommt es in den ersten sechs Monaten zu
einer Verschlechterung der Osteoporose und dann zu einer Verbesserung.
Auch eine schwere Osteoporose stellt keine Kontraindikation für eine Lebertransplantation
dar. Für die Dauer der Steroidtherapie im Rahmen der Lebertransplantation
sollte eine Substitution mit Vitamin D (Colecalciferol, z.B. Vi-De 3®,
800 I.E. = 8 Tropfen täglich) und einem Bisphosphonat erfolgen. Als Serummarker
kann auch hier der 25-Hydroxy-Vitamin-D-Spiegel benutzt werden, der im
Normbereich gehalten werden sollte.
- Trauner M et al. N Engl J Med 1998; 22: 1217-27 [Medline]
- Sherlock S. Clin Liver Dis 2000; 4: 97-113
- Villeneuve J et al. Can J Gastroenterol 1991; 5: 174-8
- Metcalf J et al. Semin Liver Dis 1997; 17: 13-22 [Medline]
- Colina F et al. Gastroenterology 1992; 102: 1319-24 [Medline]
- Heathcote J. Semin Liver Dis 1997; 17: 23-33 [Medline]
- Lindor KD et al. Hepatology 1995; 21: 389-92 [Medline]
- Heathcote EJ et al. Hepatology 1994; 19: 1149-56 [Medline]
- Poupon RE et al. N Engl J Med 1994; 330: 1342-7 [Medline]
- Poupon RE et al. Gastroenterology 1997; 113: 884-90 [Medline]
- Goulis J et al. Lancet 1999; 354: 1053-60 [Medline]
- Kaplan MM et al. Ann Intern Med 1997; 126: 682-8 [Medline]
- Hendrickse MT et al. Gastroenterology 1999; 117: 400-7 [Medline]
- Bonis PA, Kaplan M. Gastroenterology 1999; 117: 395-9 [Medline]
- Gonzalez-Koch A et al. J Hepatol 1997; 27: 143-9 [Medline]
- Poupon RE et al. Hepatology 1996; 24: 1098-103 [Medline]
- Vuoristo M et al. Gastroenterology 1995; 108: 1470-8 [Medline]
- Kaplan MM et al. Gastroenterology 1999; 117: 1173-80 [Medline]
- Crippin JS et al. Am J Gastroenterol 1994; 89: 47-50 [Medline]
- Rudi J et al. Z Gastroenterol 1996; 34: 188-91 [Medline]
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