 |
| pharma-kritik |
| Titel |
Behandlung des Mammakarzinoms |
| Autor |
U.P. Masche |
| Reviewer |
N. Bürki, M. Castiglione, P.
Forrer, U. Laffer, U. Strebel, B. Thürlimann |
| pharma-kritik
Jahrgang 25, Nummer 12 |
Redaktionsschluss:
5. November 2003 |
|
Das Mammakarzinom ist bei
uns mit einem Anteil von 30% der häufigste bösartige
Tumor der Frau. Die Ätiologie ist nicht bekannt, doch
existieren etliche Risikofaktoren. Die beiden wichtigsten
sind gewisse In-situ-Karzinome sowie Brustkrebs in der nahen
Verwandschaft. Etwa 5% der Mammakarzinome folgen einem Vererbungsmuster,
wobei sich meistens Mutationen in Tumorsuppressor-Genen (BRCA-1
und BRCA-2) nachweisen lassen. Weitere Beispiele für
Risikofaktoren sind frühe Menarche, späte Menopause,
Kinderlosigkeit, Hormonsubstitution in der Menopause und übermässiger
Alkoholkonsum.
Es gibt einerseits die In-situ-Karzinome, andererseits die
invasiven Tumoren, die nach dem TNM-System in vier Stadien
unterteilt werden. Unter den diagnostizierten Brustkrebs-Fällen
haben die Frühstadien in den letzten Jahren zugenommen,
was als Folge der vermehrt durchgeführten Mammographien
interpretiert werden kann.
Der Hauptprognosefaktor ist das Tumorstadium; insbesondere
spielt es eine Rolle, ob und wieviele regionäre Lymphknoten
befallen sind. Andere Eigenschaften des Tumors – Hormonrezeptoren,
Differenzierungsgrad, proliferative Aktivität (S-Phasen-
Anteil), Ausmass der Gefässinvasion und der Expression
von Wachstumsfaktoren (z.B. HER-2) – beeinflussen die
Prognose ebenfalls.
|
| In-situ-Karzinome
Das lobuläre Carcinoma in situ kann lediglich
histologisch nachgewiesen werden und ist typischerweise eine
Zufallsdiagnose aus einer Biopsie. Es stellt keine eigentliche
Karzinomvorstufe dar, sondern nur einen – beide Brüste
betreffenden – Risikofaktor. In der Regel führt
man eine lokale Exzision durch, gefolgt von regelmässigen
Kontrollen. Eine prophylaktische Behandlung mit Tamoxifen
(Nolvadex® u.a.) über fünf Jahre kann das Risiko
eines invasiven Karzinoms mehr als halbieren.(1)
Aus einem duktalen Carcinoma in situ kann sich hingegen
direkt ein invasives Karzinom entwickeln. Meistens führt
ein abnormer Mammographie-Befund, zuweilen auch ein palpabler
Knoten zur Diagnose. Die Therapie besteht aus einer lokalen
Exzision, häufig verbunden mit einer Radiotherapie, oder
aus einer Mastektomie. Ebenfalls kann eine Prophylaxe mit
Tamoxifen diskutiert werden.(2)
|
| Karzinome
im Frühstadium
Hierzu gehören die Stadien I, II und IIIA, in denen
der Primärtumor auf die Brust beschränkt ist. Das
Konzept der Behandlung ist eine Operation, in den meisten
Fällen gefolgt von einer medikamentösen Behandlung
und Bestrahlung.
|
| Chirurgische
Behandlung
Bei der chirurgischen Behandlung stehen eine brusterhaltende
Operation oder eine modifiziert radikale Mastektomie zur Wahl.
Beide Methoden sind bezüglich Überlebenswahrscheinlichkeit
als gleichwertig zu betrachten, abgesehen von wenigen Ausnahmen,
in denen man zur Mastektomie raten wird.(3)
In der Regel werden auch die axillären Lymphknoten reseziert.
Neben dem Staging dient dies der lokalen Tumorkontrolle,
indem einem späteren Lymphknotenbefall vorgebeugt oder
bereits befallene Lymphknoten entfernt werden.(4)Nach
einer Axillaausräumung warten allerdings Probleme wie
Wundinfekte, Schmerzen, Lymphödem oder Bewegungseinschränkung
in Schulter und Arm. Deshalb wurde als schonendere Methode
das Konzept des «Sentinel»-Lymphknotens bzw. «Wächter-
Lymphknotens» entwickelt: es wird ein Farbstoff oder
Radioisotop in das tumorumliegende Brustgewebe gespritzt;
die ersten Lymphknoten, die der Marker erreicht, werden dann
histologisch untersucht; nur wenn diese Lymphknoten befallen
sind, wird eine Axillaausräumung angeschlossen. Wenngleich
die Bestätigung durch Langzeit-Daten noch fehlt, sind
die ersten Resultate vielversprechend.(5)
|
| Adjuvante
Radiotherapie
Gemäss einer Metaanalyse senkt eine Nachbestrahlung
sowohl nach brusterhaltender Operation wie nach Mastektomie
die Lokalrezidiv-Rate von 30 auf 10%, wobei die relative Risikoreduktion
unabhängig ist vom Lymphknotenstatus und einer zusätzlichen
adjuvanten medikamentösen Behandlung. Das Risiko, an
Brustkrebs zu sterben, wird durch die Radiotherapie von 51
auf 47% vermindert. Die Gesamtmortalität reduziert sich
jedoch nicht, da andere Todesursachen zunehmen; vor
allem sind vaskulär bedingte Todesfälle deutlich
häufiger, möglicherweise weil durch die Bestrahlung
Herz und grosse Gefässe in Mitleidenschaft gezogen werden.
Diese Daten stammen allerdings aus älteren Studien, in
denen gegenüber heutigen Methoden weniger schonende Bestrahlungstechniken
angewandt wurden.
Von einer Nachbestrahlung profitieren in erster Linie junge
Frauen und solche mit einem hohen Lokalrezidiv-Risiko. Wenn
eine Patientin älter als 60 Jahre alt ist oder wenn das
Lokalrezidiv-Risiko als gering einzustufen ist – zum
Beispiel bei nodal negativen Tumoren nach Mastektomie und
Axillaausräumung –, beginnen die Nachteile zu überwiegen.(6)
In einem Editorial wird darauf hingewiesen, dass mit den modernen
Bestrahlungstechniken die intrathorakalen Organe besser geschont
werden; es sei deshalb davon auszugehen, dass sich die Radiotherapie
auch auf die Gesamtmortalität positiv auswirke.(7)
|
|
Adjuvante
endokrine Therapie
Mit Tamoxifen kann bei Tumoren mit positiven Östrogenrezeptoren
die Häufigkeit von Tumorrezidiven von 38 auf 23% und
die Gesamtmortalität von 28 auf 22% gesenkt werden. Bei
negativen Östrogenrezeptoren besteht kaum ein Effekt.
Dagegen ist die schützende Wirkung unabhängig von
einem axillären Lymphknotenbefall, einer zusätzlichen
adjuvanten Chemotherapie oder dem Menopausenstatus.(8)
Die bestmögliche Wirkung erreicht man, wenn Tamoxifen
fünf Jahre lang eingenommen wird; eine über fünfjährige
Behandlung ist von unklarem Nutzen und ausserhalb klinischer
Studien nicht empfohlen. Wenn Tamoxifen und eine Chemotherapie
vorgesehen sind, soll Tamoxifen erst nach Abschluss der zytostatischen
Behandlung eingesetzt werden (sequentielle Therapie).(9)
Die häufigsten Nebenwirkungen von Tamoxifen sind Hitzewallungen,
Übelkeit und vaginaler Ausfluss. Auch das Risiko einer
Thromboembolie, eines Endometriumkarzinoms und – bei
jungen Frauen – einer Osteoporose nimmt zu. Bei funktionierendem
Ovar erhöht Tamoxifen reaktiv den Östradiol-Spiegel,
was möglicherweise einen Teil der Tamoxifen-Wirkung aufhebt
und für eine zusätzliche Ovarektomie sprechen würde
(bei fortgeschrittenem Mammakarzinom ist nachgewiesen, dass
die Kombination von Tamoxifen mit einem Gonadotropin-Agonisten
günstiger ist als die entsprechenden Monotherapien).(10)
Mit einer Ovarektomie in der Prämenopause –
heute vor allem medikamentös mit Gonadotropin-Agonisten
durchgeführt – lässt sich die rückfallfreie
Zeit und die gesamte Überlebensrate absolut um rund 6%
senken, wie in einer Metaanalyse zusammengestellt ist. Der
Vorteil beschränkt sich auf Tumoren mit positiven Östrogenrezeptoren.(11)
In gewissen Fällen können Gonadotropin-Agonisten,
mit oder ohne Tamoxifen, sogar eine Alternative zur Chemotherapie
sein.(12,13)
Aromatasehemmer blockieren bei Frauen nach der Menopause
die Umwandlung von Androgenen zu Östrogenen, die in peripheren
Geweben stattfindet. Aminoglutethimid (Orimeten®), der
erste Vertreter aus dieser Gruppe, ist unterdessen durch selektivere
Substanzen abgelöst worden: Exemestan (Aromasin®)
ist ein Derivat von Androstendion; Anastrozol (Arimidex®)
und Letrozol (Femara®) sind Substanzen ohne Steroidstruktur.
Aromatasehemmer wurden ursprünglich beim metastasierenden
Mammakarzinom eingesetzt, kommen indessen auch als primäre
endokrine Therapie in Frage, wie neue Daten zeigen. In einer
Studie mit über 9000 Patientinnen in der Postmenopause
wurde entweder Anastrozol, Tamoxifen oder beide Mittel zusammen
verordnet. Nach einer medianen Beobachtungszeit von knapp
drei Jahren war in der Anastrozol- Gruppe bei 7,6% der Frauen
ein Rückfall oder ein kontralaterales Mammkarzinom aufgetreten;
bei Tamoxifen betrug dieser Prozentsatz 9,6%, bei der Kombination
10,0%. In den Überlebensraten war kein Unterschied festzustellen.
Die überlegene Wirkung von Anastrozol war nur bei Tumoren
mit positiven Hormonrezeptoren nachweisbar. Unter Anastrozol
traten weniger Hitzewallungen, thromboembolische Ereignisse
und Endometriumkarzinome auf als unter Tamoxifen, jedoch mehr
Muskel- und Skelettbeschwerden sowie Knochenfrakturen.(14)
Da sich aber die volle Wirkung von Tamoxifen erst nach einerfünfjährigen
Therapie abschätzen lässt, braucht es Langzeitdaten,
um einen Vorteil der rund siebenmal teureren Aromatasehemmer
zu belegen. Vorerst sollen sie nur verwendet werden, wenn
Tamoxifen kontraindiziert ist oder nicht vertragen wird. Wenn
Aromatasehemmer im Anschluss an eine fünfjährige
Tamoxifen-Behandlung eingesetzt werden, erreicht man möglicherweise
eine zusätzliche rückfallverhütende Wirkung,
worauf eine soeben veröffentlichte Untersuchung hindeutet,
die mit Letrozol durchgeführt wurde.(15)
|
| Adjuvante
Chemotherapie
Die adjuvante Chemotherapie begann sich vor etwa dreissig
Jahren zu etablieren – zunächst als Monotherapie,
später in Form der wirksameren Kombinationstherapie.
Durch eine Chemotherapie wird sowohl das Risiko eines Rückfalls
und eines kontralateralen Mammakarzinoms als auch die Mortalität
signifikant herabgesetzt – unabhängig vom Hormonrezeptorstatus
und einer gleichzeitigen Tamoxifen-Behandlung. Gemäss
einer Metaanalyse verbessert die Chemotherapie bei Frauen
unter 50 Jahren die Zehnjahresüberlebensrate von 71 auf
78% (ohne Lymphknotenbefall) und von 42 auf 53% (mit Lymphknotenbefall);
bei Frauen zwischen 50 und 70 Jahren erhöht sie sich
von 67 auf 69% bzw. von 46 auf 49%. Die Wirkung nimmt also
mit zunehmendem Alter ab und verliert sich bei über 70-Jährigen
(wobei dieses Kollektiv mit rund 600 Frauen klein war). Chemotherapie-Schemen,
welche die Anthrazykline Doxorubicin (Adriblastin®
u.a.) oder Epirubicin (Farmorubicin®) enthalten, bieten
einen Vorteil gegenüber dem lange als Standard geltenden
CMF-Schema mit Cyclophosphamid (Endoxan ®), Methotrexat
und 5-Fluorouracil: nach fünf Jahren ist der Anteil der
Frauen, die keinen Rückfall erlitten haben bzw. noch
leben, mit einem anthrazyklinhaltigen Schema 57 bzw. 72%,
mit dem CMF-Schema 54 bzw. 69%.(16) Taxane,
Docetaxel (Taxotere®) und Paclitaxel (Taxol®), führen
ebenfalls zu einer hohen Ansprechrate. Die vorhandenen Daten
liefern aber noch zuwenig Klarheit, ob Taxane die Wirksamkeit
der anthrazyklinhaltigen adjuvanten Chemotherapie verbessern
können, so dass man weitere Studienresultate abwarten
muss.(17)
Bei einer Chemotherapie ist immer mit erheblichen Nebenwirkungen
zu rechnen. Typisch sind gastrointestinale Probleme (Übelkeit,
Erbrechen, Durchfall und Stomatitis), Knochenmarkssuppression,
Haarausfall und Müdigkeit; auch das Thromboembolie-Risiko
ist – unabhängig von einer Tamoxifen- Behandlung
– vermutlich erhöht. Nach einer Chemotherapie können
sich verschiedene Langzeiteffekte manifestieren.
Etliche Frauen sind von einer Gewichtszunahme von mehreren
Kilogramm betroffen. Bei den Anthrazyklinen ist die Kardiotoxizität
zu beachten. In der Prämenopause wird oft die Ovarfunktion
beeinträchtigt, was mit Infertilität oder einer
vorzeitigen Menopause einhergehen kann. Eventuell erhöht
eine Chemotherapie geringfügig das Risiko eines myelodysplastischen
Syndroms oder einer Leukämie. Auch Auswirkungen auf die
kognitiven Funktionen werden diskutiert.(18)
Umso wichtiger ist es, Untergruppen von Tumoren zu definieren,
bei denen eine Chemotherapie keinen Vorteil verspricht. Wichtiges
Beispiel sind Hormonrezeptor-positive und somit einer endokrinen
Therapie zuführbare Tumoren, die höchstens 2 cm
gross sind, keinen axillären Lymphknotenbefall zeigen
und weitere günstige Prognosefaktoren aufweisen; ferner
dürfte eine generelle Zurückhaltung bei Patientinnen
über 70 Jahren angebracht sein.(19)
|
| Lokal
fortgeschrittene Karzinome
Zu den lokal fortgeschrittenen Karzinomen gehören Mammakarzinome,
bei denen die Organgrenzen der Brust durchbrochen sind oder
die Metastasierung in die regionären Lymphknoten weit
fortgeschritten ist (Stadium IIIB/C). Ferner wird das inflammatorische
Mammakarzinom dazu gezählt. Meist ist der Tumor so weit
fortgeschritten, dass sich eine Operation als erste Behandlung
ausschliesst; Hinweise sind zum Beispiel ein Befall der supraklavikulären
Lymphknoten, Ulzerationen oder ein ausgedehntes Hautödem
der Brust oder des Armes. Man verordnet in diesen Fällen
primär eine Chemotherapie, weil die Wahrscheinlichkeit
von Mikrometastasen sehr hoch und eine Resektion mit tumorfreien
Schnitträndern kaum möglich ist. Das weitere Prozdere
besteht in Regel aus einer Operation und einer Bestrahlung.
Zudem wird bei Hormonrezeptor-positiven Tumoren eine endokrine
Behandlung empfohlen.
|
| Metastasierendes
Karzinom
Sobald sich beim Mammakarzinom Fernmetastasen entwickelt
haben (was dem Stadium IV entspricht), gibt es meistens keine
kurative Therapie mehr; Hauptziel ist, die Überlebenszeit
bei bestmöglicher Lebensqualität zu verlängern.
In den meisten Fällen handelt es sich um Frauen, bei
denen ein Mammakarzinom bekannt und bereits einmal behandelt
worden ist.
Zur systemischen Behandlung stehen in erster Linie endokrine
und zytostatische Therapien zur Verfügung. Welche Möglichkeit
gewählt wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab.
Sehr wichtig ist der Status der Hormonrezeptoren: bei positiven
Östrogen- und Progesteronrezeptoren erreicht man mit
einer endokrinen Therapie eine Ansprechrate von über
60%, während sie unter 10% liegt, wenn die Hormonrezeptoren
negativ sind. Eine endokrine Therapie ist auch zu favorisieren,
wenn
eine Patientin früher bereits darauf angesprochen hat.
Frauen mit einer ausgedehnten viszeralen Metastasierung profitieren
dagegen eher von einer sofortigen Chemotherapie.(20)
Für eine endokrine Therapie ist Tamoxifen das
am besten dokumentierte Medikament. In der Prämenopause
ist die Kombination mit einer Ovarektomie zu erwägen.
In der Postmenopause sind die Aromatasehemmer die wichtigste
Alternative zu Tamoxifen; in einer Studie war Letrozol hinsichtlich
Ansprechrate und progressionsfreiem Intervall sogar signifikant
wirksamer als Tamoxifen, was auch bei der medianen Gesamtüberlebenszeit
zu einem kleinen Gewinn führte (34 gegenüber 30
Monaten).(21) Anastrozol zeigte sich in
einem Vergleich mit Tamoxifen ebenfalls als leicht überlegen.(22)
Als weitere Substanzen kommen zum Beispiel Gestagene wie Megestrol
(Megestat®) in Frage.
Bei der Chemotherapie des metastasierenden Mammakarzinoms
gilt eine Behandlung mit einem Anthrazyklin, bzw. dem Anthrazyklin-Derivat
Mitoxantron (Novantron®) oder mit einem Taxan am wirksamsten.(23)
Jedoch wird man, falls bereits eine (adjuvante) Chemotherapie
stattgefunden hat, nicht mehr dieselben Zytostatika verwenden
– ausser wenn das krankheitsfreie Intervall über
ein Jahr gedauert hat. Wenn Anthrazykline oder Taxane nicht
einsetzbar sind, werden zum Beispiel Cyclophosphamid, Chlorambucil
(Leukeran®), 5-Fluorouracil, Methotrexat, Vinorelbin (Navelbine®)
oder Capecitabin (Xeloda®) empfohlen. Capecitabin ist
ein «Prodrug», das über mehrere Schritte
abgebaut und erst in den Tumorzellen zum aktiven 5-Fluorouracil
umgewandelt wird.
Eine Hochdosis-Chemotherapie verbessert nach heutiger
Kenntnis die Prognose nicht: in einem Vergleich zwischen einer
konventionellen Chemotherapie und einer Hochdosis- Chemotherapie
mit Stammzell-Transplantation fand man bei der Überlebenszeit
keinen signifikanten Unterschied.(24)
Bei rund einem Viertel der Mammakarzinome findet sich eine
verstärkte Expression des Wachstumsfaktors HER-2. In
diesen Fällen kann eine Behandlung mit Trastuzumab
(Herceptin®) versucht werden, einem monoklonalen Antikörper,
der sich an den HER-2-Rezeptor bindet. In einer grossen Studie
bei Patientinnen mit einem metastasierenden Mammakarzinom
konnte durch die Zugabe von Trastuzumab zur Chemotherapie
die Ansprechrate im Vergleich zur Kontrollgruppe signifikant
verbessert werden, was sich in einer Verlängerung der
medianen Überlebenszeit von 20 auf 25 Monate widerspiegelte.(25)
Zur Monotherapie mit Trastuzumab gibt es keine kontrollierten
Studien. Trastuzumab kann die Herzfunktion beeinträchtigen
und Symptome einer Herzinsuffizienz hervorrufen; deshalb ist
besonders in Kombination mit Anthrazyklinen Vorsicht geboten.
Ferner können unter Trastuzumab Überempfindlichkeitsreaktionen
auftreten.
Neben der Hormon- und Chemotherapie spielen beim metastasierenden
Mammakarzinom auch andere Massnahmen eine wichtige Rolle.
Besonders eine radioonkologische, aber auch eine chirurgische
Behandlung können zur Behandlung von Metastasen oder
anderen lokalen Problemen hilfreich sein. Bei manifesten Knochenmetastasen
wirken Bisphosphonate wie z.B. Pamidronat (Aredia®), in
Kombination mit einer Hormon- oder Chemotherapie, günstig.
Sie lindern unter anderem die Schmerzen und senken das Risiko
von «Skelett-Komplikationen» (Fraktur, Erfordernis
einer Radiotherapie, Rückenmarkskompression u.a.).(26)
|
| Schlussfolgerungen
Vor bald 15 Jahren ist in pharma-kritik die letzte Übersicht
zum Mammakarzinom erschienen.(27) Bei der
chirurgischen Behandlung hat sich die brusterhaltende Operation
unterdessen etabliert. Die Entwicklung der «Sentinel»-Methode
zur Lymphknotenexploration ist ein weiterer Schritt, den Primäreingriff
möglichst schonend durchzuführen. Es sind auch mehrere
Metaanalysen erschienen, die den Wert der verschiedenen adjuvanten
Behandlungen definieren (eine ergänzende Zusammenfassung
zur adjuvanten Medikamentenbehandlung bietet das vereinfachte
Schema in Tabelle 1). Eine fünfjährige Behandlung
mit Tamoxifen kann als Standard gelten bei fast allen Hormonrezeptor-positiven
Tumoren, wobei in der Prämenopause Gonadotropin-Agonisten
eine sinnvolle Ergänzung bedeuten können. Bei der
endokrinen Therapie werden in Zukunft wahrscheinlich auch
die Aromatasehemmer eine wichtige Rolle spielen. Für
die Chemotherapie beim Mammakarzinom sind Anthrazykline die
wirksamsten Substanzen. Taxane dienen beim metastasierenden
Mammakarzinom als wichtigste Reservemittel, wenn Anthrazykline
nicht (mehr) in Frage kommen.
Wer vertiefte Informationen sucht, findet mit der diesjährigen
Nummer 38 der Schweizerischen Ärztezeitung ein ganzes
Heft, das dem Mammakarzinom gewidmet ist,(28)
das unterstreicht, wie essentiell die enge interdisziplinäre
Zusammenarbeit bereits zu Beginn der Behandlung ist. Auch
die St. Galler Konsensus-Konferenz, die regelmässig stattfindet,
hat vor einem halben Jahr aktuelle Richtlinien herausgegeben.(9)
|
| Tabelle
1
| Tabelle 1: Richtlinien
zur adjuvanten Hormon- und Chemotherapie |
 |
| Altersgruppe |
Hormonrezeptoren |
Axilläre Lymphknoten |
Endokrine Therapie |
Chemotherapie |
 |
| Prämenopause |
|
HR + |
 |
|
Tamoxifen und/oder Ovarektomie* |
±** |
 |
|
Tamoxifen und/oder Ovarektomie |
±** |
| HR - |
 |
|
– |
+ |
 |
| Postmenopause |
|
HR + |
 |
|
Tamoxifen* |
±** |
 |
|
Tamoxifen |
±** |
| HR - |
 |
|
– |
+ |
 |
| Alter über 70 Jahre |
|
HR + |
 |
|
Tamoxifen* |
±** |
 |
|
Tamoxifen |
±** |
| HR - |
 |
|
– |
±** |
 |
* Bei weiteren günstigen
Prognosefaktoren, kann eventuell auf endokrine Therapie
verzichtet werden
** Chemotherapie abhängig von Prognose- und Risikofaktoren
(Allgemeinzustand u.a.) |
|
| Literatur
1 Fisher B et al. J Natl Cancer Inst 1998; 90: 1371-88 [Medline]
2 Fisher B et al. Lancet 1999; 353: 1993-2000 [Medline]
3 http://www.cmaj.ca/cgi/content/full/167/2/154/DC1/1
4 http://www.cmaj.ca/cgi/data/158/3/DC1/5
5 Cantin J et al. Can Med Assoc J 2001; 165: 166-73 [Medline]
6 Early Breast Cancer Trialists' Collaborative Group. Lancet
2000; 355: 1757-70 [Medline]
7 Kurtz JM. Lancet 2000; 355: 1739-40 [Medline]
8 Early Breast Cancer Trialists' Collaborative Group. Lancet
1998; 351: 1451-67 [Medline]
9 Goldhirsch A et al. J Clin Oncol 2003; 21: 3357-65 [Medline]
10 Klijn JG al. J Natl Cancer Inst 2000; 92: 903-11 [Medline]
11 Early Breast Cancer Trialists' Collaborative Group. Lancet
1996; 348: 1189-96 [Medline]
12 Jakesz R et al. J Clin Oncol 2002; 20: 4621-7 [Medline]
13 Jonat W et al. J Clin Oncol 2002; 20: 4628-35 [Medline]
14 The ATAC (Arimidex, Tamoxifen Alone or in Combination)
Trialists' Group. Lancet 2002; 359: 2131-9 [Medline]
15 Goss PE et al. N Engl J Med 2003; 349: 1793-803 [Medline]
16 Early Breast Cancer Trialists' Collaborative Group. Lancet
1998; 352: 930-42 [Medline]
17 Piccart MJ et al. J Natl Cancer Inst Monogr 2001; 30: 88-95
[Medline]
18 Partridge AH et al. J Natl Cancer Inst Monogr 2001; 30:
135-42 [Medline]
19 Morrow M, Krontiras H. J Natl Cancer Inst Monogr 2001;
30: 109-13 [Medline]
20 Oratz R et al. In: Roses DF, ed. Breast Cancer. New York:
Churchill Li vingstone, 1999: 511-76 [Medline]
21 Mouridsen H et al. J Clin Oncol 2003; 21: 2101-9 [Medline]
22 Bonneterre J et al. Cancer 2001; 92: 2247-58 [Medline]
23 Ghersi D et al. Cochrane Database Syst Rev 2003; (3): CD003366
[Medline]
24 Stadtmauer EA et al. N Engl J Med 2000; 342: 1069-76 [Medline]
25 Slamon DJ et al. N Engl J Med 2001; 344: 783-92 [Medline]
26 Pavlakis N, Stockler M. Cochrane Database Syst Rev 2002;
(1): CD003474 [Medline]
27 Joss R, Brand B. pharma-kritik 1989; 11: 13-6
28 http://www.saez.ch/html/2003/2003-38.html
|
| |
|
|
 |
|
 |