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| Einleitung |
Kalziumantagonisten werden in erster Linie als Antihypertensiva und als Antianginosa eingesetzt. Sie senken den arteriellen Blutdruck ebenso wirksam wie andere Antihypertensiva. Auch ihre symptomatische Wirksamkeit bei Angina pectoris ist grundsätzlich gut dokumentiert.
Dennoch ist ihr Stellenwert innerhalb
der kardiovaskulären Pharmakotherapie schon seit Jahren umstritten. Ausgelöst
wurde die Kontroverse durch Untersuchungen zu Nifedipin (Adalat®
u.a.), das zu vermehrter myokardialer Ischämie führen kann. Gemäss
einer Metaanalyse von 16 randomisierten Studien verursacht nicht-retardiertes
Nifedipin in der Sekundärprävention der koronaren Herzkrankheit
dosisabhängig eine signifikant erhöhte Mortalität. 1. 2.
Dieses ungünstige Resultat wird wahrscheinlich durch einen Blutdruckabfall
und entsprechend reduzierte koronare Perfusion oder durch einen erhöhten
Sauerstoffbedarf infolge sympathischer Stimulation und Tachykardie hervorgerufen.
Zudem fand sich in einer Fall-Kontroll-Studie, dass nicht nur Nifedipin, sondern
auch andere Kalziumantagonisten im Vergleich mit Betablockern und Diuretika
mit einer stark erhöhten Zahl von Herzinfarkten assoziiert waren.
Furberg CD et al. Circulation 1995; 92: 1326-31
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Psaty BM et al. JAMA 1995; 274: 620-5
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Der vorliegende Text beruht hauptsächlich
auf den kontrollierten Studien, die in den letzten Jahren veröffentlicht
worden sind. Ebenfalls berücksichtigt werden zwei systematische Übersichten,
die im Dezember 2000 publiziert wurden und die sich im wesentlichen mit kardiovaskulären
Endpunkten (Herzinfarkte, Schlaganfälle, kardiovaskulär bedingte
Todesfälle) befassen. Die eine dieser beiden Metaanalysen ist speziell
den Kalziumantagonisten gewidmet; 3. 4.
in der anderen werden die Auswirkungen sowohl von ACE-Hemmern als
auch von Kalziumantagonisten untersucht.
Pahor M et al. Lancet 2000; 356 : 1949-54
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Blood Pressure Lowering Treatment Trialists' Collaboration.
Lancet 2000; 355: 1955-64
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| Dihydropyridine |
Die Dihydropyridine (Prototyp: Nifedipin) bilden in vielfacher Hinsicht eine mehr oder weniger homogene Gruppe. Amlodipin (Norvasc®), das im Laufe der Jahre an Bedeutung gewonnen hat, zeichnet sich allerdings durch besondere kinetische Eigenschaften aus: die Substanz hat eine höhere und konstantere Bioverfügbarkeit als andere Dihydropyridine und besitzt eine ausgesprochen lange Plasmahalbwertszeit (durchschnittlich etwa 35 Stunden, im Alter 48 Stunden). Um die unerwünschten Wirkungen von Spitzenspiegeln zu vermeiden und um die Behandlung zu vereinfachen, werden heute die meisten anderen Dihydropyridine als Retardpräparate verabreicht.
Dihydropyridine erweitern die arteriellen Gefässe, was zu einer Abnahme des Blutdrucks und zu einer Aktivierung des sympathischen Nervensystems mit Tachykardie und einer positiv inotropen Wirkung führt. Obwohl diese Medikamente in vitro auch eine direkte negativ inotrope Wirkung aufweisen, fehlen unter üblichen therapeutischen Dosen negative Auswirkungen auf die myokardiale Kontraktilität.
Die unerwünschten Wirkungen der Dihydropyridine beruhen hauptsächlich auf der gefässerweiternden Wirkung. Je 5 bis 12% der Behandelten klagen über Ödeme, Kopfschmerzen, Herzklopfen, Schwindel oder einen Flush. Das mit einem stärkeren Blutdruckabfall verbundene Ischämierisiko kurz und rasch wirkender Substanzen wurde bereits erwähnt. Als Substrate des Zytochrom-Isoenzyms CYP3A4 sind Dihydropyridine auch Kandidaten für verschiedene Arzneimittelinteraktionen. Bekannt ist auch die Interaktion mit Grapefruitsaft, dessen enzymhemmende Wirkung zu höheren Dihydropyridin-Spiegeln führen kann.
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| Diltiazem und Verapamil |
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| Kalziumantagonisten als Antihypertensiva |
Die Auswirkungen der Kalziumantagonisten auf klinisch relevante Endpunkte wurden in den letzten Jahren in grossen randomisierten Studien untersucht. In der Tabelle 1 sind die wichtigsten dieser Studien zusammengestellt.
Nur in der «Syst-Eur»-Studie
erfolgte ein Vergleich mit Placebo: Personen über 60 mit einer
isolierten systolischen Hypertonie erlitten unter einer primär auf Nitrendipin
(Baypress®) basierenden Therapie signifikant weniger Hirnschläge
(7,9‰ pro Jahr) als unter Placebo (13,7‰ pro Jahr) sowie insgesamt weniger
kardiovaskuläre Ereignisse. 5. 4.
Eine statistisch signifikante Senkung kardiovaskulären bzw. gesamten
Mortalität wurde jedoch in dieser Studie nicht erreicht. Dies steht im
Gegensatz zu den Resultaten mit ACE-Hemmern, die gemäss einer der erwähnten
Metaanalysen im Vergleich mit Placebo auch diese Endpunkte signifikant beeinflussen.
Staessen JA et al. Lancet 1997; 350: 757-64
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Dennoch
kann die Studie – mit einer Reduktion der Herz-Kreislaufereignisse um
etwa 30% gegenüber der Placebotherapie – als wichtiger Nachweis dafür
gelten, dass klinisch bedeutsame Endpunkte auch von Kalziumantagonisten
vorteilhaft beeinflusst werden.
Blood Pressure Lowering Treatment Trialists' Collaboration.
Lancet 2000; 355: 1955-64
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Mit Betablockern und/oder Diuretika
wurden die Kalziumantagonisten in mehreren grossen Studien bei Hypertonie
verglichen (siehe Tabelle 1). In keiner dieser Einzelstudien
ergaben sich in den relevanten Endpunkten signifikante Unterschiede zwischen
den Vergleichssubstanzen. In der Metaanalyse lässt sich bezüglich
Hirnschläge ein Vorteil der Kalziumantagonisten nur dann errechnen, wenn
Dihydropyridine und Nicht-Dihydropyridine kombiniert berücksichtigt werden.
Anderseits zeigt die Metaanalyse einen marginal signifikanten Vorteil der
Betablocker/Diuretika in bezug auf koronare Ereignisse. 4.
Blood Pressure Lowering Treatment Trialists' Collaboration.
Lancet 2000; 355: 1955-64
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In direkten Vergleichen mit ACE-Hemmern
kommt es jedoch unter Kalziumantagonisten deutlich häufiger zu einem
Myokardinfarkt oder einer Herzinsuffizienz. 6. 3. 4.
Die Mortalität wird von den Kalziumantagonisten gesamthaft nicht
signifikant weniger oder mehr als von ACE-Hemmern beeinflusst.
Hansson L et al. Lancet 1999; 354: 1751-6
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Bisher sind nur Dihydropyridine mit ACE-Hemmern verglichen worden;
entsprechende Studien mit Diltiazem oder Verapamil fehlen.
Pahor M et al. Lancet 2000; 356 : 1949-54
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Blood Pressure Lowering Treatment Trialists' Collaboration.
Lancet 2000; 355: 1955-64
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Bei Diabetes schneiden Dihydropyridin-Kalziumantagonisten
im Vergleich mit ACE-Hemmern besonders schlecht ab: in der «FACET»-Studie
ereigneten sich mit Amlodipin fast doppelt so viele schwere Kreislaufkomplikationen
(14,1%, Hospitalisationen wegen Angina pectoris miteingerechnet) wie mit Fosinopril
(Fositen®: 7,4%), obschon im Verlauf bei je etwa 30% der Kranken
beide Medikamente kombiniert wurden, 10. 11. 12.
und in der «ABCD»-Studie wurde Nisoldipin (Syscor®)
gar vorzeitig gestoppt, nachdem sich damit wesentlich mehr (nämlich 25)
Herzinfarkte als mit Enalapril (Reniten® u.a., nur 5
Infarkte) ereignet hatten.
Tatti P et al. Diabetes Care 1998; 21: 597-603
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Durch eine medikamentöse Blutdrucksenkung lässt sich bei
Mikroalbuminurie und diabetischer Nephropathie die Entwicklung und die Progression
einer Niereninsuffizienz verzögern. In einer der wenigen Langzeitstudien
blieb die Nierenfunktion bei fortgeschrittener diabetischer Nephropathie unter
ACE-Hemmern über 5 Jahre besser erhalten als unter Nifedipin.
Estacio RO et al. N Engl J Med 1998; 338: 645-52
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Chan JC et al. Kidney Int 2000; 57: 590-600
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Die Schlussfolgerungen der beiden kürzlich
veröffentlichten Metaanalysen sind nicht identisch, da sie in der Studienauswahl
teilweise voneinander abweichen. Die eine Untersuchung kommt zum Schluss,
dass unter Kalziumantagonisten im Gesamtvergleich mit anderen Antihypertensiva
die Endpunkte Herzinfarkt, Herzinsuffizienz und kardiovaskuläre Komplikation
häufiger erreicht werden. 3. 4.
Die zweite Metanaalyse findet, wie oben erwähnt, im Vergleich
mit Betablockern/Diuretika unter Kalziumantagonisten eine signifikante Reduktion
der Schlaganfälle (um 13%) und ein knapp signifikant erhöhtes Risiko
(12%) von koronaren Ereignissen. In der separat durchgeführten Analyse
des Vergleichs mit ACE-Hemmern werden aber auch in dieser Arbeit signifikante
Nachteile der Behandlung mit Kalziumantagonisten (bezüglich Herzinfarkt
und Herzinsuffizienz) festgestellt.
Pahor M et al. Lancet 2000; 356 : 1949-54
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Blood Pressure Lowering Treatment Trialists' Collaboration.
Lancet 2000; 355: 1955-64
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| Einleitung | Dihydropyridine | Diltiazem und Verapamil | Kalziumantagonisten als Antihypertensiva | Kalziumantagonisten bei koronarer Herzkrankheit | Herzinsuffizienz | Weitere Fragen | Schlussfolgerungen | Literatur | Links |
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| Kalziumantagonisten bei koronarer Herzkrankheit |
Wie oben erläutert, können
kurz und rasch wirkende Formen von Nifedipin und anderen Dihydropyridinen
zu einer verstärkten myokardialen Ischämie führen. Gemäss
einer Metaanalyse verschlimmerte sich eine zuvor stabile Angina
pectoris unter Nifedipin in unretardierter Form viermal häufiger
als unter anderen Antianginosa. 13. 14.
Nach akutem Myokardinfarkt und bei instabiler Angina
pectoris gelten deshalb kurz wirkende Dihydropyridine allgemein
als kontraindiziert.
Stason WB et al. Hypertension 1999; 33: 24-31
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Abernethy DR, Schwartz JB. N Engl J Med 1999; 341: 1447-57
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In der Tabelle 2 sind die seit 1988 veröffentlichten Studien zusammengestellt, in denen klinische Endpunkte bei der antianginösen Anwendung von Kalziumantagonisten untersucht wurden.
Amlodipin scheint bei stabiler
koronarer Herzkrankheit nicht nachteilig zu wirken, jedoch wurden die Hoffnungen
auf mögliche antiarteriosklerotische Effekte enttäuscht.
In den beiden kürzlich publizierten Studien «PREVENT» (bei Koronarsklerose) 15. 16.
und «CAPARES» (nach Ballonangioplastie [PTCA])
Pitt B et al. Circulation 2000; 102: 1503-10
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beeinflusste Amlodipin als Zusatz zur üblichen Therapie die angiographischen
Befunde im Vergleich mit Placebo nicht. Auch die Anzahl der Todesfälle
oder Myokardinfarkte blieb unbeeinflusst, jedoch reduzierte Amlodipin
in beiden Studien die Anzahl der nachfolgenden Koronareingriffe. Ob dieser
Effekt einer echten Plaquestabilisierung entspricht oder lediglich Ausdruck
der symptomatischen antianginösen Wirkung von Amlodipin ist, lässt
sich nicht beantworten. Für die Therapie der chronisch-stabilen Angina
pectoris sind auch Nisoldipin und Felodipin registriert,
jedoch ist ihr Einfluss auf die Komplikationen der koronaren Herzkrankheit
nicht dokumentiert.
Jorgensen B et al. J Am Coll Cardiol 2000; 35: 592-9
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Für die Nicht-Dihydropyridine
sind die Resultate bei koronarer Herzkrankheit etwas günstiger.
Nach Myokardinfarkt wurde in der «DAVIT II»-Studie mit Verapamil
bei erhaltener linksventrikulärer Funktion gegenüber Placebo
eine leichte Verminderung der Anzahl Todesfälle und der Infarktrezidive
gezeigt. 17. 18. 19.
Bei schlechter linksventrikulärer Funktion oder manifester Herzinsuffizienz
war dagegen die Mortalität mit dem Kalziumantagonisten gleich hoch wie
mit Placebo. Die ähnliche «MDPIT»-Studie mit Diltiazem ergab gesamthaft
keinen Einfluss auf kardiovaskuläre Ereignisse und Todesfälle; nur
in einer retrospektiven Analyse konnte für Personen ohne Lungenstauung
ein Vorteil gezeigt werden.
Anon. Am J Cardiol 1990; 66: 779-85
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Bei Personen mit stabiler Angina pectoris war Verapamil in
der APSIS-Studie ähnlich wirksam wie Metoprolol (Beloc®
ZOC u.a.). Kardiovaskuläre Komplikationen traten in dieser Studie bei
31% bzw. 29% der Behandelten auf; die kardiovaskuläre Mortalität
betrug in beiden Gruppen 4,7%.
MDPIT Research Group. N Engl J Med 1988; 319: 385-92
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Rehnqvist N et al. Eur Heart J 1996 ; 17 : 76-81
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| Tabelle 2: Wichtige randomisierte Studien mit Kalziumantagonisten bei koronarer Herzkrankheit | ||||
| Studie / Zahl und Merkmale der behandelten Personen | Therapien im Vergleich | Resultate (primäre Endpunkte kursiv) | ||
PREVENT
(n=825 mit angiographisch nachgewiesenen koronaren Läsionen) |
Amlodipin
Û
Placebo (zusätzlich bei 63% Betablocker, bei 64% Nitrate) |
Koronare Läsionen und schwere Komplikationen : kein Unterschied. Instabile Angina pectoris & Koronareingriffe unter Amlodipin etwa 40% weniger | ||
CAPARES
(n=635 nach PTCA) |
Amlodipin
Û
Placebo (zusätzlich bei 85% Betablocker, bei 50% Nitrate) |
Rezidivstenosen: kein Unterschied; kombin. Klinischer Endpunkt : 9,4% Û 14,5%. Tod und Infarkt: kein Unterschied | ||
DAVIT
II
(n=1775 nach Infarkt) |
Verapamil Û Placebo | Tod
oder Infarktrezidiv: Ohne Herzinsuffizienz: 7,7 Û 11,8% (p=0,01) Mit Herzinsuffizienz: kein Unterschied |
||
MDPIT
(n=2466 nach Infarkt) |
Diltiazem Û Placebo | Herztod oder Infarktrezidiv: gesamthaft kein Unterschied | ||
APSIS
(n=809 mit stabiler Angina pectoris) |
Verapamil
Û
Metoprolol (ACE-Hemmer, Nitrate erlaubt) |
Kombin. kardiovaskulärer Endpunkt: 29% Û 31% (kein signifikanter Unterschied) | ||
| Einleitung | Dihydropyridine | Diltiazem und Verapamil | Kalziumantagonisten als Antihypertensiva | Kalziumantagonisten bei koronarer Herzkrankheit | Herzinsuffizienz | Weitere Fragen | Schlussfolgerungen | Literatur | Links |
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| Herzinsuffizienz |
Kalziumantagonisten sind bisher noch
kaum als Behandlung der Herzinsuffizienz geprüft worden. Bei ihrem Einsatz
als Antihypertensiva haben sie sich, wie bereits erwähnt, bezüglich
Herzinsuffizienz teilweise negativ ausgewirkt. Zu Amlodipin liegen
zwei Studien vor: eine erste (PRAISE) zeigte einen möglichen Überlebensvorteil
von Amlodipin (in Kombination mit Digitalis, Diuretika, ACE-Hemmern), beschränkt
auf Personen mit Herzinsuffizienz nicht-ischämischer Ursache. 20.
Die bisher erst als
Kongressbericht vorliegende Nachfolgestudie (PRAISE-2) konnte diese Wirkung
jedoch nicht bestätigen. Immerhin ergab sich keine signifikante Zunahme
der Mortalität unter Amlodipin.
Packer M et al. N Engl J Med 1996; 335: 1107-14
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Eine Kombination von Verapamil
mit dem ACE-Hemmer Trandolapril (Tarka®) senkte
in einer Studie mit 100 Personen mit Herzinsuffizienz nach Myokardinfarkt
die Anzahl neuer Ereignisse im Vergleich mit Trandolapril allein. 21. 22.
Die gleiche Kombination führte bei Diabetes und Hypertonie bei
identischer Blutdrucksenkung zu einer deutlicheren Abnahme der Albuminurie
als die jeweils höher dosierten Einzelmedikamente.
Hansen JF et al. Am J Cardiol 1997; 79: 738-41
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Bakris GL et al. Kidney Int 1998; 54: 1283-9
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| Weitere Fragen |
In einer kanadischen Kohortenstudie
fand sich unter Kalziumantagonisten häufiger als unter anderen Antihypertensiva
eine Demenz. 23. 24.
Im Vergleich mit Placebo reduzierte Nitrendipin allerdings
in der «Syst-Eur»-Studie die Inzidenz von Demenzen um die Hälfte.
Maxwell CJ et al. Can Med Ass J 1999; 161: 501-6
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Prospektive Vergleiche zwischen den verschiedenen Antihypertensiva bezüglich
Demenzentwicklung gibt es nicht.
Forette F et al. Lancet 1998; 352: 1347-51
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Gemäss schwedischen Untersuchungen
müssen Kalziumantagonisten als mögliche Ursache von Depression
angesehen werden; eine epidemiologische Studie zeigte unter Kalziumantagonisten
im Vergleich mit anderen Antihypertensiva eine erhöhte Suizidrate. 25.
Lindberg G et al. Br Med J 1998; 316: 741-5
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In kleineren Kohortenstudien fanden sich unter Kalziumantagonisten mehr Fälle von Krebs und Magenblutungen als unter anderen Antihypertensiva. Dies wurde jedoch in grösseren Studien nicht bestätigt
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| Schlussfolgerungen |
Gute Gründe, weshalb bei Hypertonie oder Angina pectoris primär Kalziumantagonisten eingesetzt werden sollten, liegen zur Zeit nicht vor. Im Gegenteil: gemäss dem aktuellen Wissensstand erleiden Personen, die Kalziumantagonisten einnehmen, häufiger Herzinfarkte als solche, die nur mit anderen Medikamenten behandelt werden. Ein negativer Einfluss der Kalziumantagonisten auf die kardiovaskuläre oder gesamte Mortalität konnte in den vorliegenden Metaanalysen jedoch nicht gefunden werden. Im Vergleich mit den Kalziumantagonisten stellen Diuretika und Betablocker auch heute noch eine sehr gute und zudem kostengünstigere Option dar. Die Rolle der Kalziumantagonisten beschränkt sich heute weitgehend auf die Kombinationstherapie bei ungenügendem Ansprechen auf die primären Medikamente. Dass Kalziumantagonisten in Kombination mit anderen Medikamenten (Betablockern, ACE-Hemmern) zur Blutdrucksenkung bzw. zur Symptomreduktion bei Angina pectoris beitragen können, ist gut dokumentiert.
Die vorliegenden Studien sprechen dafür, dass bei Diabetes Dihydropyridine besonders zurückhaltend und nicht als Monotherapie eingesetzt werden sollten. Hier ist primär einem ACE-Hemmer der Vorzug zu geben. Als Kombinationspartner eignet sich möglicherweise Verapamil eher als Dihydropyridine.
Ob Kalziumantagonisten in der Behandlung der Herzinsuffizienz je eine Rolle zukommen wird, ist fraglich.
Bei akutem Herzinfarkt und instabiler Angina pectoris sind Kalziumantagonisten kontraindiziert. Unretardiertes Nifedipin hat potenziell gefährliche Nebenwirkungen und ist heute für alle Indikationen obsolet. Diltiazem und Verapamil sind bei schlechter linksventrikulärer Funktion und bei bradykarden Rhythmusstörungen kontraindiziert. In der Sekundärprophylaxe nach Herzinfarkt können diese Medikamente bei Kontraindikationen gegen Betablocker als Alternative eingesetzt werden.
Die vorhandenen Studienresultate lassen noch viele Fragen offen. Es ist deshalb zu hoffen, dass uns die zahlreichen noch laufenden Studien weitere Klarheit verschaffen werden.
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| Literatur |
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| Links |
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| Kalziumantagonisten: nützlich oder schädlich? | pharma-kritik, Jg.22/No.13 |
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