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| Einleitung | Chemie/Pharmakologie | Pharmakokinetik | Klinische Studien | Unerwünschte Wirkungen | Dosierung, Verabreichung, Kosten | Kommentar | Literatur | Links |
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| Einleitung |
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| Chemie/Pharmakologie |
Repaglinid, ein Derivat der Carbamoylmethylbenzoësäure, stimuliert die Insulinsekretion
im Pankreas. Unter dem Einfluss von Repaglinid schliessen sich in den Betazellen
des Pankreas ATP-abhängige Kaliumkanäle. Dies führt über eine Depolarisation
der Zellmembran und über einen Kalziumeinstrom zur Insulinfreisetzung. Repaglinid
ist chemisch kein Sulfonylharnstoff, obwohl strukturelle Ähnlichkeiten zu
erkennen sind und der Wirkungsmechanismus nahezu gleich ist; der Unterschied
scheint darin zu bestehen, dass Repaglinid und Sulfonylharnstoffe unterschiedliche
Affinitäten zu Bindungsstellen an den Betazellen aufweisen. Noch unklar ist,
ob Repaglinid zusätzliche extrapankreatische Wirkungen hat, die den Blutzucker
beeinflussen. 1. 2. 3.
Fuhlendorff J et al. Diabetes 1998; 47:
345-51
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Guay DRP. Pharmacotherapy 1998; 18: 1195-204
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Owens DR. Eur J Clin Invest 1999; 29 (Suppl
2): 30-7
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Nach Einnahme von Repaglinid erreicht der Insulinspiegel nach 2 bis 2,5 Stunden
einen Höchstwert; die maximale blutzuckersenkende Wirkung tritt nach 3 bis
3,5 Stunden ein. Diese Werte sind bei Glibenclamid (Euglucon® u.a.) gleich. 2. 4.
Guay DRP. Pharmacotherapy 1998; 18: 1195-204
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Balfour
JA, Faulds D. Drugs Aging 1998; 13: 173-80
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| Pharmakokinetik |
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| Klinische Studien |
In klinischen Studien haben ungefähr 3'000 Männer und Frauen mit Typ-2-Diabetes
Repaglinid bekommen; bei 800 dauerte die Behandlung mindestens 1 Jahr. 2.
Repaglinid wurde in den Studien jeweils unmittelbar vor den Hauptmahlzeiten
verabreicht.
Guay DRP. Pharmacotherapy 1998; 18: 1195-204
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Resultate von Dosisfindungsstudien liegen nur in Kurzform vor. Es wurde gezeigt,
dass die blutzuckersenkende Wirkung von Repaglinid im Bereich von 3mal täglich
0,25 bis 4 mg dosisabhängig ist. Zudem ist die Wirkung besser, wenn - bei
den üblichen drei Hauptmahlzeiten - die Tagesdosis auf drei statt auf zwei
Gaben verteilt wird. 2. 4.
Guay DRP. Pharmacotherapy 1998; 18: 1195-204
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Balfour JA, Faulds D. Drugs Aging 1998; 13: 173-80
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Eine 18wöchige Doppelblindstudie bei 99 Personen ergab mit Repaglinid (3mal
täglich 0,25 bis 8 mg) eine signifikant bessere Blutzuckerkontrolle als mit
Placebo. 6.
Goldberg RB et al. Diabetes Care 1998; 21: 1897-903
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In einer 24wöchigen Doppelblindstudie verabreichte man 209 Personen Repaglinid
(3mal täglich 1 oder 4 mg) und 30 Personen Placebo. Mit der niedrigen
Repaglinid-Dosis sank der HbA1c-Wert von 8,9
auf 8,2%, der Nüchtern-Blutzuckerspiegel von 13,9 auf 11,2 mmol/l; mit der
höheren Dosis reduzierte sich der HbA1c-Wert
von 8,7 auf 8,2% und der Nüchtern-Blutzuckerspiegel von 13,4 auf 10,7 mmol/l;
unter Placebo erhöhte sich der HbA1c-Wert von
8,6 auf 10,0% und der Nüchtern-Blutzuckerspiegel von 13,7 auf 14,7 mmol. In
beiden Repaglinid-Gruppen sank der HbA1c-Wert
bei rund der Hälfte der Behandelten unter 8%, bei rund einem Drittel unter
7%. 7.
Jovanovic L et al. J Clin Pharmacol 2000; 40: 49-57
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In fünf Doppelblindstudien ist Repaglinid verschiedenen Sulfonylharnstoffen
(Glibenclamid = Euglucon® u.a., Gliclazid = Diamicron®, Glipizid = Glibenese®)
gegenübergestellt worden. 3. 8. 9.
Detaillierte Daten liegen nur zu den Vergleichen mit Glibenclamid
vor. In einer Doppelblindstudie erhielten 216 Personen Repaglinid und 115
Glibenclamid. Die meisten waren bereits mit einem oralen Antidiabetikum vorbehandelt,
das erst zu Studienbeginn gestoppt wurde (keine "Wash-out"-Phase). In den
ersten 8 Wochen wurden die Dosen entsprechend den Blutzuckerwerten individuell
angepasst; diese Dosen wurden anschliessend 1 Jahr lang beibehalten. Die Anfangsdosis
betrug in der Repaglinid-Gruppe 3mal täglich 0,5 mg, die Maximaldosis 3mal
täglich 4 mg; in der Glibenclamid-Gruppe betrug der Dosisbereich 2,5 bis 15
mg pro Tag. Unter beiden Substanzen beobachtete man einen vergleichbaren Effekt:
Bei dem kleinen Kollektiv, das im Rahmen der Studie erstmals mit einem
oralen Antidiabetikum behandelt worden war, sank der HbA1c-Wert
unter Repaglinid von 9,4 auf 8,1%, unter Glibenclamid von 9,6 auf 8,5%. Bei
den Personen, bei denen die Studienmedikation die Fortführung einer
oralen antidiabetischen Therapie bedeutete, stieg der HbA1c-Wert
sowohl unter Repaglinid wie unter Glibenclamid leicht an (um 0,3%).
Owens DR. Eur J Clin Invest 1999; 29 (Suppl 2): 30-7
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Eine im Grossen und Ganzen gleich aufgebaute Doppelblindstudie, die
320 Personen zählte, lieferte ähnliche Ergebnisse - mit dem Unterschied, dass
bei den 35 Personen, die vor Studienbeginn keine antidiabetische Therapie
erhalten hatten, die HbA1c-Senkung unter Glibenclamid
signifikant stärker war als unter Repaglinid (2,4 gegenüber 1,0%).
Marbury T et al. Diabetes Res Clin Pract 1999; 43: 155-66
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Wolffenbuttel BHR, Landgraf R. Diabetes Care 1999; 22: 463-7
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Bei 42 Diabeteskranken wurde mit Repaglinid und Glibenclamid doppelblind
geprüft, was geschieht, wenn man statt drei nur zwei Hauptmahlzeiten
einnimmt. In der Repaglinid-Gruppe, in der auf die entsprechende präprandiale
Dosis verzichtet worden war, blieben die Blutzucker-Talspiegel praktisch gleich;
in der Glibenclamid-Gruppe, in der keine Dosisanpassung vorgenommen worden
war, führte das Weglassen einer Mahlzeit zu einer deutlichen Abnahme der Blutzucker-Talspiegel. 10. 11.
In einer kleinen, offen geführten Studie wurden die Teilnehmenden
in zwei Gruppen unterteilt. Die eine Gruppe hatte sich an ein Schema von drei
Mahlzeiten pro Tag zu halten; in der anderen Gruppe wurde abgewechselt zwischen
zwei, drei oder vier Mahlzeiten pro Tag. In beiden Gruppen wurde vor jeder
Mahlzeit 1 mg Repaglinid eingenommen. Damit ergab sich in beiden Gruppen eine
gleich gute Blutzuckerkontrolle.
Damsbo P et al. Diabetes Care 1999; 22: 789-94
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Damsbo P et al. Diabetes Res Clin Pract 1999; 45: 31-9
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In einer Doppelblindstudie, die 4 bis 5 Monate dauerte, ist die Kombination
von Repaglinid (3mal täglich 0,5 bis 4 mg) mit Metformin (Glucophage®,
1 bis 3 g/Tag) untersucht worden. Mit 74 Personen, deren Blutzucker-Kontrolle
mit einer Metformin-Monotherapie ungenügend war, bildete man drei Gruppen:
die erste nahm die gewohnte Dosis Metformin und Repaglinid, die zweite die
gewohnte Dosis Metformin und Placebo, die dritte Repaglinid und Placebo. Mit
Metformin und Repaglinid fiel der HbA1c-Wert
von 8,3 auf 6,9% sowie der Nüchtern-Blutzuckerspiegel von 10,2 auf 8,0 mmol/l.
In der Metformin/Placebo-Gruppe betrugen die Werte 8,6/8,3% und 10,8/10,6
mmol/l, in der Repaglinid/Placebo-Gruppe 8,6/8,2% und 9,7/10,2 mmol/l. Die
Kombination von Metformin und Repaglinid war damit signifikant wirksamer als
die Behandlung in den beiden anderen Gruppen. 12.
Moses R et al. Diabetes Care 1999; 22: 119-24
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| Unerwünschte Wirkungen |
Unerwünschte Wirkungen sind unter Repaglinid ebenso häufig wie unter Sulfonylharnstoffen.
Das gilt auch für Hypoglykämiesymptome, die bei Repaglinid mit einer
Häufigkeit von 16% auftraten. Möglicherweise ist allerdings das Risiko von
schwerwiegenden Hypoglykämien und von nächtlichen Hypoglykämien bei
Repaglinid geringer als bei Sulfonylharnstoffen. 3. 5.
Weitere Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Schwindel, Tremor. Auch
gastrointestinale Beschwerden, Sehstörungen (vor allem zu Therapiebeginn)
oder - in seltenen Fällen - ein Leberenzymanstieg und Hautausschläge können
vorkommen. Bei adipösen Diabeteskranken beobachtete man eine leichte, aber
signifikante Gewichtszunahme.
Owens DR. Eur J Clin Invest 1999; 29 (Suppl 2): 30-7
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Schatz H. Exp Clin Endocrinol Diabetes 1999; 107 (Suppl 4):
S144-89
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Die Rate von kardiovaskulären Ereignissen (Herzinfarkte, Schlaganfälle u.a.) lag in den Studien unter Repaglinid bei 4%, unter Sulfonylharnstoffen bei 3%.
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| Interaktionen |
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| Dosierung, Verabreichung, Kosten |
Repaglinid (NovoNorm®) kann beim Typ-2-Diabetes als Monotherapie und in Kombination mit Metformin verwendet werden. Die Kombination mit Insulin ist nicht untersucht. Repaglinid ist als Tabletten zu 0,5, 1 und 2 mg erhältlich und kassenzulässig. Als Anfangsdosis werden 3mal täglich 0,5 mg empfohlen, als Maximaldosis 3mal täglich 4 mg. Repaglinid wird jeweils vor den Hauptmahlzeiten eingenommen. Spätestens eine halbe Stunde nach Tabletteneinnahme sollte gegessen werden. Wenn auf eine Mahlzeit verzichtet wird, sollte man die Repaglinid-Dosis ebenfalls auslassen; wird eine weitere grosse Mahlzeit geplant, sollte eine Zusatzdosis eingefügt werden.
Repaglinid ist in der Schwangerschaft und Stillzeit zu vermeiden, unter anderem weil im Tierversuch Entwicklungsstörungen an den Extremitäten beobachtet wurden. Bei Kindern wurden keine Studien durchgeführt.
Repaglinid (3mal täglich 0,5 bis 4 mg) kostet pro Monat 50 bis 142 Franken. Der Monatspreis des günstigsten Glibenclamid-Generikums (2,5 bis 15 mg/Tag) beläuft sich auf 6 bis 38 Franken; bei Metformin (Glucophage®, 500 bis 2'550 mg/Tag) sind es 10 bis 35 Franken.
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| Repaglinid | pharma-kritik, Jg.21/No.13 |
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