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(pharma-kritik Jahrgang 17, Nr.13)
Diese Nummer wurde am 13. März 1996 redaktionell abgeschlossen.
Systemische Therapie mit Isotretinoin
Orales Isotretinoin (Roaccutan®) unterdrückt die Differenzierung und Reifung der Talgdrüsenzellen
und bewirkt so eine drastische Reduktion der Seborrhoe. Die verminderte Talgproduktion hat eine proportionale
Abnahme von Propionibacterium acnes zur Folge.1, 12 Bei Patienten, die an schwerer nodulozystischer Akne leiden, kann mit Isotretinoin
(0,5 mg/kg/Tag) innerhalb von 3-4 Monaten in fast 90% der Fälle eine vollständige oder nahezu vollständige
Remission der Läsionen erzielt werden.5 Bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer
entzündlicher Akne hat sich gezeigt, dass eine einmalige Therapie mit Isotretinoin wirkungsvoller und auch
billiger ist als die wiederholte Behandlung mit oralen Antibiotika über 5 Jahre. Um die Verbesserung der
Lebensqualität zu beurteilen, wurden die Daten der betreffenden Fall-Kontroll-Studie auch in einen
Lebensqualitätsindex übertragen: Je stärker die Akne vor der Behandlung ausgeprägt war, desto eindrücklicher
konnte die Lebensqualität unter Isotretinoin verbessert werden.18
Eine Isotretinoin-Behandlung ist mit zahlreichen und zum Teil schweren Nebenwirkungen verbunden, über die
man sich vor der Therapie ein klares Bild verschaffen muss. Nur wer mit dieser Behandlung Erfahrung hat, sollte
sie verschreiben. Aus diesem Grunde wird das Medikament in einigen Ländern ausschliesslich durch Hautkliniken
und von Dermatologen verordnet.
Folgende Nebenwirkungen sind zu beobachten: Trockene Haut und Schleimhäute (speziell der Augen),
Cheilitis, Muskel- und Gelenkschmerzen, Haarausfall (in der Regel reversibel). Autofahrer sind auf ein
eingeschränktes Sehvermögen in der Nacht aufmerksam zu machen. Selten sind generalisierte
Hyperostosen beobachtet worden. Folgende Laborwerte können durch Isotretinoin verändert werden:
Triglyzeride (Erhöhung um das 2- bis 3fache!), Cholesterin, Transaminasen, Kreatinkinase. Vor und sporadisch
während einer Isotretinoin-Behandlung sollten die Leberwerte und die Blutlipide bestimmt werden.
Isotretinoin ist stark teratogen bei sexuell aktiven Frauen im gebärfähigen Alter ist eine Kontrazeption
zwingend. Es ist unerlässlich, behandelte Frauen sehr sorgfältig über das Missbildungsrisiko zu
informieren.
Im übrigen ist allen Behandelten zu empfehlen, auf die Einnahme von Retinol-haltigen Vitaminpräparaten zu
verzichten, da diese zu einer erhöhten Toxizität von Isotretinoin führen können. Sowohl unter Tetrazyklinen als
auch unter Isotretinoin kann der intrakranielle Blutdruck in seltenen Fällen erhöht werden; die Kombination dieser
Medikamente ist deshalb wegen des erhöhten Riskos eines Pseudotumor cerebri zu vermeiden.5
Zu Beginn der Behandlung kann sich die Akne vorübergehend verschlechtern. In der Regel wird während
5 bis 6 Monaten behandelt, bei etwa 10% ist eine längere Behandlung nötig. Einzelne Autoren befürworten eine
relativ niedrige Dosis (0,2 bis 0,5 mg/kg/Tag), andere empfehlen die höhere Dosis von 1 mg/kg/Tag. Bei rund 60%
der Patienten genügt eine einmalige Behandlung. Rezidive treten besonders dann auf, wenn die kumulative
Gesamtdosis unter 120 mg/kg liegt.19
Die Rolle der Hormone
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Männliche Jugendliche sind nur wenig häufiger, aber oft von schwererer Akne betroffen als Mädchen. Warum die
einen Knaben auf die zu Beginn der Pubertät eintretenden hormonellen Veränderungen sehr stark, andere hingegen
kaum reagieren, kann zur Zeit nicht schlüssig beantwortet werden. Im Zentrum des Interesses stehen die
genetische Prädisposition und die interindividuell unterschiedlich ausgeprägte Immunantwort auf
Propionibacterium acnes. Das gleiche gilt für Frauen: Einige Frauen reagieren auf erhöhte Testosteronwerte zwar
mit Akne, andere leiden unter diesen Umständen an androgenetischen Veränderungen (z.B. Hirsutismus), nicht
aber an Akne.
Pathologisch erhöhte Androgen-Spiegel können bei beiden Geschlechtern durch die Nebennierenrinde (21-
Hydroxylasemangel) bedingt sein. Bei Frauen kann dann auf eine adrenale Genese geschlossen werden, wenn
ausschliesslich die Dehydroepiandrosteronsulfat-Werte (DHEAS) erhöht sind.20 Zur Drosselung der Nebennierenrindenfunktion ist Dexamethason (z.B.
Decadron®, Anfangsdosis: 0,125 mg, Titration in Intervallen von mindestens 1 Monat auf 0,75 mg)
bei Frauen und Männern mit schwerer zystischer Akne verwendet worden. Nach 6 Monaten war bei 97% der
Frauen die Akne geheilt oder hatte sich stark gebessert, bei den Männern bei 81%.21 Die Therapie mit Dexamethason kann bei Frauen mit refraktärer Akne, die nicht an
Hirsutismus leiden, aber erhöhte DHEAS-Werte aufweisen, in Erwägung gezogen werden.5, 20
Die Überproduktion von Androgenen durch das Ovar, z.B. bei polyzystischem Ovar, kann mit
östrogenhaltigen oralen Kontrazeptiva partiell beeinflusst werden. Östrogene erhöhen auch die Plasma-
Konzentrationen des «Sex Hormone Binding Globulin» (SHBG) und tragen so zu einer Senkung der Testosteron-
Plasmaspiegel bei. Es ist zu beachten, dass auch die in den Kontrazeptiva enthaltenen Gestagene - insbesondere
Levonorgestrel - Ursache einer Akne sein können. So weist Levonorgestrel eine höhere
Androgenaktivität auf als neuere Gestagene (Desogestrel, Norgestimat, Gestoden). Unter diesen hat
Norgestimat (in Cilest®) die geringste Affinität zu Androgenrezeptoren.
Cyproteronacetat ist ein Steroid mit gestagenen und antiandrogenen Eigenschaften. In einer
randomisierten Studie, an der 92 Frauen im Alter von 16 bis 33 Jahren beteiligt waren, erwies sich die Behandlung
mit Cyproteronacetat (2 mg/Tag + 50
Nummer 13 (Therapie der Akne)
Literatur
Mit Netscape 2.0 erscheinen die Referenzen auch im Rahmen des Fensters, wenn man im Text mit dem Cursor
über die Fussnote fährt.
Reviewer dieser Ausgabe:
Prof. Dr. S. Büchner, Dermatologische Universitätsklinik, Kantonsspital, CH-4031 Basel
Dr. J. Kaufmann, Haldenstr. 11, CH-6006 Luzern
Dr. J. Schmidli, Stockhornstr. 49, CH-3700 Spiez
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