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RISPERIDON
Im Vergleich mit den anderen atypischen Neuroleptika
ist Risperidon für ein grösseres Indikationsspektrum
zugelassen. Neben der Schizophrenie gelten auch
Wahnvorstellungen und Aggressivität bei Dementen
sowie manische Phasen bei bipolaren Störungen
als Indikation.
Neuere Übersichten zu Risperidon:
Kennedy E et al. Cochrane Database Syst Rev 2002;
(2): CD000440 [Medline]
Schweitzer L. Int Clin Psychopharmacol 2001; 16:
1-19
[Medline]
Bhana N, Spencer CM. Drugs Aging 2000; 16: 451-71
[Medline]
Markenname:
Risperidon: Risperdal®
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Zerebrovaskuläre Ereignisse
In einer australischen Studie wurde Risperidon bei dementen
Kranken mit Verhaltensstörungen gegen Placebo getestet.
Von 167 Personen, die Risperidon erhielten, hatten 15 ein
zerebrovaskuläres Ereignis (Schlaganfall oder transitorische
ischämische Attacken). Von 170 Personen, die Placebo
erhielten, erlitten nur 3 ein zerebrovaskuläres Ereignis.
Zusammenfassend wird über 4 kontrollierte Studien bei
insgesamt 1200 dementen Kranken berichtet, die während
1 bis 3 Monaten Risperidon oder Placebo erhielten. Unter
Risperidon waren zerebrovaskuläre Ereignisse doppelt
so häufig wie unter Placebo. Acht weitere Fälle
von zerebrovaskulären Ereignissen wurden in offenen
Studien beobachtet, die 454 mit Risperidon Behandelte umfassten.
Insgesamt sind mindestens 37 Fälle von zerebrovaskulären
Komplikationen bekannt; bei 16 davon kam es zum Tod.
Wooltorton E. Can Med Assoc J 2002; 167: 1269-70 [Medline]
[Volltext]
Kardiale Arrhythmien / plötzlicher Herztod
Eine 34jährige Frau ohne kardiale Anamnese wurde wegen
einer Exazerbation einer chronischen Schizophrenie neu mit
Risperidon behandelt. Da eine orthostatische Hypotonie auftrat,
wurde die Dosis nicht über 2mal 2 mg täglich gesteigert.
Am fünften Tag dieser Behandlung hatte die Patientin
einen Kreislaufstillstand. Ein EKG zeigte ein auf
480 msec verlängertes QTc-Intervall. Die Wiederbelebungsmassnahmen
blieben erfolglos, schliesslich trat eine Asystole ein.
Die Autoren des Berichtes stellen fest, dass Risperidon
als Ursache zum mindesten nicht ausgeschlossen werden kann.
Ravin DS, Levenson JW. Ann Pharmacother 1997; 31: 867-70
[Medline]
In einer Kohortenstudie wurde unter Verwendung der Verschreibungsdaten
in 3 amerikanischen Medicaid-Programmen untersucht, wie
häufig zwischen 1993 und 1996 ein Herzstillstand oder
eine Kammerarrhythmie bei behandelten Schizophreniekranken
bzw. bei nicht-schizophrenen Kontrollpersonen vorgekommen
war. Die für die Behandlung der Schizophrenie verwendeten
Neuroleptika waren: Clozapin (Leponex®), Haloperidol
(Haldol® u.a.), Risperidon und Thioridazin (Melleril®).
Im Vergleich mit den nicht-schizophrenen Kranken hatten
Personen mit einer Schizophrenie ungefähr ein zwei-
bis dreimal grösseres Risiko eines Herzstillstands
oder einer ventrikulären Arrhythmie. Am grössten
war das kardiale Risiko unter Risperidon; gegenüber
den Kontrollpersonen betrug das nach Alter und anderen Variablen
korrigierte relative Risiko 3,1, gegenüber den mit
Haloperidol behandelten Schizophrenen 1,5. Die Studienverantwortlichen
vermuten, es handle sich in Bezug auf Risperidon um ein
zufälliges oder durch «Confounding» erklärbares
Resultat, empfehlen jedoch weitere Untersuchungen.
Hennessey S et al. Br Med J 2002; 325: 1070-4
[Medline] [Volltext]
Glukoseintoleranz / Diabetes
In der Nebenwirkungs-Datenbank der WHO wurden alle Berichte
identifiziert, die auf eine Glukoseintoleranz infolge von
Clozapin, Olanzapin (Zyprexa®) und
Risperidon hinweisen. Zum Vergleich wurden in gleicher
Weise auch die Berichte zu Haloperidol und Chlorpromazin
(Chlorazin®) untersucht. Es ergab sich, dass Clozapin,
Olanzapin und Risperidon signifikant mit einer Glukoseintoleranz
assoziiert sind, während dies für Haloperidol
und Chlorpromazin nicht zutrifft. Eine Gewichtszunahme und
die gleichzeitige Verabreichung von Zytochromhemmern wie
die Serotoninwiederaufnahmehemmer oder Valproinsäure
(z.B. Convulex®) gehören zu den Faktoren, die das
Auftreten einer Glukoseintoleranz begünstigen.
Hedenmalm K et al. Drug Saf 2002; 25: 1107-16 [Medline]
Die britische «General Practice Research Database»
diente als Grundlage einer Fall-Kontroll-Studie, in der
nach dem Zusammenhang zwischen Olanzapin oder Risperidon
und dem Auftreten eines Diabetes mellitus gesucht
wurde. Personen, die mit Olanzapin behandelt wurden, hatten
ein signifikant erhöhtes Diabetesrisiko. Unter Risperidon
war das Diabetesrisiko ebenfalls erhöht, jedoch nicht
in signifikantem Ausmass.
Koro CE et al. Br Med J 2002; 325: 243-7 [Medline]
[Volltext]
Aus der Literatur gewinnt man den Eindruck, Risperidon
stehe gewissermassen zwischen den konventionellen und den
«eigentlich» atypischen Neuroleptika. Die Substanz
scheint weniger extrapyramidale Probleme als Haloperidol
zu verursachen, aber mehr als z.B. Clozapin. Risperidon
führt seltener zu starker Gewichtszunahme und Glukosestoffwechselstörungen
als z.B. Olanzapin, aber ganz frei von dieser Problematik
ist es auch nicht. Was die hier beschriebenen kardialen
und zerebrovaskulären Komplikationen von Risperidon
anbelangt, sind noch einige Fragen offen. Für die Herzrhythmusstörungen
ist wohl meistens eine – nicht selten durch eine Arzneimittelinteraktion
verursachte – Verlängerung des QTc-Intervalls
ausschlaggebend. (EG)
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