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| Kurzbeurteilungen | Ketoconazol | Carvedilol |
(pharma-kritik Jahrgang 18, Nr.15)
Diese Nummer wurde am 21. April 1997 redaktionell abgeschlossen.
Die Schweizer Ausgabe unseres Buches «Hundert wichtige Medikamente» ist vergriffen - Klicken Sie hier für die vollständige Onlineausgabe in Englisch. Wir beschäftigen uns schon seit einiger Zeit mit einer «Totalrevision» des Buches, um nächstes Jahr eine aktuelle Ausgabe zu veröffentlichen. Wir werden darauf verzichten, die Zahl der Arzneimittel zu vergrössern, da uns das Konzept der Beschränkung sehr wichtig erscheint.
Bei vielen Medikamenten wird sich die Neubearbeitung darauf konzentrieren, neues Wissen zu integrieren und allfällige Änderungen in der Verfügbarkeit oder in den Preisen nachzuführen. Für etwa ein Viertel der Substanzen, die in der bisherigen Ausgabe vorkommen, ist aber eine grundsätzliche Neubeurteilung notwendig. Ein Teil davon wird aus dem Buch verschwinden und durch andere Medikamente ersetzt werden.
Die Medikamente, die im Buch nicht mehr berücksichtigt werden, sind nicht einfach wertlos geworden. Oft hat sich ihr Stellenwert im Vergleich mit anderen Medikamenten gewandelt; sie sind aber unter Umständen nach wie vor für gewisse Indikationen von grosser Bedeutung. Da wir die Literatur zu allen bisher berücksichtigten (und zu vielen neuen) Medikamenten aufarbeiten, stehen uns in nächster Zeit umfassende aktuelle Informationen zu deutlich mehr als 100 Medikamenten zur Verfügung. Für diejenigen Substanzen, die wahrscheinlich aus dem Buch ausscheiden, möchten wir Ihnen die Information in Form von Kurzbeurteilungen weitergeben.
Die Kurzbeurteilungen werden jeweils auf einer Seite dargestellt und umfassen im wesentlichen die folgenden Punkte:
| Ketoconazol | Das Ketoconazolkapitel in unserem Drug Guide |
Ketoconazol (Nizoral®) ist der 1981 eingeführte Prototyp der systemisch verwendbaren Azol-Antimykotika. Wirkungsmechanismus (Bindung an ein hepatisches Zytochrom), antimykotisches Wirkspektrum, «spezielle» Indikationen wie z.B. das Prostatakarzinom, hepatotoxisches Potential und Interaktionsrisiko waren bereits 1993/94 gut bekannt.
Neue Studienresultate
Auch in den letzten Jahren sind zahlreiche Studien publiziert worden, in denen Ketoconazol zum Einsatz gelangte. Die wenigsten betreffen aber die Behandlung von Mykosen, wo Ketoconazol von neueren Azolen abgelöst worden ist. Erwähnenswert ist eine Doppelblindstudie, in der die Wirksamkeit des Ketoconazol-Shampoos bei Seborrhoe der Kopfhaut erneut dokumentiert wurde.1
Ketoconazol hat sich in der pharmakologischen Forschung als relativ spezifischer Inhibitor des Zytochroms CYP3A4 etabliert2 und ist so in Untersuchungen zum Metabolismus von anderen Medikamenten verwendet worden, z.B. von trizyklischen Antidepressiva, Alprazolam (Xanax®), Midazolam (Dormicum®) und Triazolam (Halcion®).
Die auf der Hemmung der Steroidsynthese beruhenden «Sonder-indikationen» Prostatakarzinom3 und Cushingsyndrom4 sind weiter dokumentiert worden. Mehrere Autoren haben über gute Resultate bei Hirsutismus5 berichtet.
Die Möglichkeit, mit der Ketoconazol-induzierten Enzymhemmung bis zu 80% der Kosten einer immunsuppressiven Therapie mit Ciclosporin (Sandimmun®) zu sparen, ist nochmals in einer randomisierten Studie gezeigt worden;6 dennoch wird der Nutzen dieser Kombination kontrovers beurteilt.7
Unerwünschte Wirkungen
Wesentliche neue Erkenntnisse zum hepatotoxischen Potential von Ketoconazol sind in den letzten Jahren nicht hinzugekommen. Nach einer neueren Untersuchung soll eine mehrmonatige orale Ketoconazol-Behandlung bei rund 20% der Behandelten hepatotoxische Effekte (Hepatitis oder asymptomatischer Anstieg der Transaminasen) auslösen.8 Keines der neueren Azol-Antimykotika, deren Wirkungsmechanismus prinzipiell identisch ist, scheint ein vergleichbar hohes Leber-Risiko darzustellen.
Ketoconazol kann nicht nur mit Astemizol (Hismanal®) und Terfenadin (Teldane® u.a.), sondern auch mit Cisaprid (Prepulsid®) zusammen zu einer gefährlichen Verlängerung des QT-Intervalls führen.9
Einige Fälle von Ketoconazol-Allergie sind beschrieben worden.10
Praktische Aspekte
Ketoconazol (Nizoral®) ist unverändert in zwei oralen Formen (Tabletten, Suspension) und drei lokal anwendbaren Formen (Crème, Shampoo, Vaginalovula) erhältlich.
Stellenwert
Die meisten Fachleute sind heute der Meinung, auf Ketoconazol könne in der systemischen Behandlung von Mykosen verzichtet werden.11 Gemäss einer aktuellen amerikanischen Übersicht kommt es noch als Medikament zweiter Wahl bei Blastomykose und Histoplasmose in Frage.12 Den ersten Platz in der systemischen Mykosetherapie nehmen heute Fluconazol (Diflucan®) und Itraconazol (Sporanox®) ein. Was die lokale Anwendung anbelangt, steht Ketoconazol in Konkurrenz mit anderen Imidazolen; einzig das Shampoo ist eine Exklusivität von Ketoconazol.
In Kombination mit Ciclosporin und für ausgewählte Fälle von endokrinen Störungen (z.B. Hirsutismus) kann Ketoconazol durchaus auch heute noch indiziert sein. Leber- und Interaktions-Risiken sind aber auch bei diesen Indikationen zu berücksichtigen.
Fazit
Ketoconazol wird voraussichtlich in der neuen Auflage von «100 wichtige Medikamente» nicht mehr berücksichtigt.
Copyright © 1997 Infomed-Verlags-AG