|
|
|||||||||||||||||||||
| |
|||||||||||||||||||||
| Einleitung | Nateglinid | Pioglitazon | Kommentar | Literatur | Links |
| |
| |
| |
| Einleitung |
|
| Einleitung | Nateglinid | Pioglitazon | Kommentar | Literatur | Links |
| |
| |
| |
| Nateglinid |
| |
| Chemie/Pharmakologie |
|
| |
| Pharmakokinetik |
|
| |
| Klinische Studien |
In klinischen Studien ist Nateglinid bis anhin bei ungefähr 2400 Personen mit Typ-2-Diabetes geprüft worden; die Hälfte davon hat das Mittel mindestens ein halbes Jahr lang verwendet. Im Doppelblindverfahren ist Nateglinid sowohl mit Placebo wie mit anderen oralen Antidiabetika verglichen worden, wobei nur wenige Studien vollständig publiziert sind. Nateglinid wurde in der Regel dreimal pro Tag, kurz vor den Hauptmahlzeiten gegeben.
Die blutzuckersenkende Wirkung von Nateglinid ist durch mehrere placebokontrollierte
Studien dokumentiert. 4. 5. 7.
So wurden beispielsweise 289 Personen zwölf Wochen lang entweder mit
Placebo oder mit einer von vier verschiedenen Nateglinid-Dosen (3mal
täglich 30, 60, 120 oder 180 mg) behandelt. Unter Nateglinid sanken die HbA1c-Werte
um 0,2 bis 0,6% und die Nüchtern-Blutzuckerspiegel um 0,4 bis 0,9 mmol/l,
was signifikanten Unterschieden gegenüber Placebo entspricht. Die Wirkung
von Nateglinid war im Bereich von 3mal täglich 30 bis 120 mg dosisabhängig;
mit der Höchstdosis von 3mal täglich 180 mg liess sich kein zusätzlicher Effekt
mehr erzielen.
Dunn CJ, Faulds D. Drugs 2000; 60: 607-15
Medline-Link in der Literaturliste!
Link in der Literaturliste!
Hanefeld M et al. Diabetes Care 2000; 23: 202-7
Medline-Link in der Literaturliste!
In einer anderen Doppelblindstudie mit 701 Personen wurden vier Gruppen gebildet:
Die erste erhielt Placebo, die zweite Nateglinid (3mal täglich 120
mg), die dritte Metformin (Glucophage®, 3mal täglich 500 mg) und die
vierte die Kombination von Nateglinid (3mal täglich 120 mg) plus Metformin
(3mal täglich 500 mg). Nach 24 Wochen waren der HbA1c-Wert
sowie der Nüchtern-Blutzuckerspiegel unter Nateglind im Mittel um 0,4% bzw.
0,7 mmol/l und unter Metformin um 0,8% bzw. 1,7 mmol/l gesunken, während er
in der Placebogruppe leicht anstieg. Die beste Wirkung ergab sich mit der
Kombination: das HbA1c sank um 1,5%, der Blutzucker
um 2,5 mmol/l. In allen Fällen war der Unterschied zwischen den einzelnen
Gruppen signifikant, also auch zwischen der Metformin- und Nateglinid-Monotherapie. 8.
Horton ES et al. Diabetes Care 2000; 23: 1660-5
Medline-Link in der Literaturliste!
Weitere Vergleiche mit anderen oralen Antidiabetika sind nur als "Abstract"
publiziert oder werden in Übersichten kurz erwähnt. In einer dieser Studien
war Nateglinid (3mal täglich 60 oder 120 mg) in Bezug auf HbA1c-Wert
und Nüchtern-Blutzuckerspiegel signifikant weniger wirksam als Glibenclamid
(Euglucon® u.a., 10 mg/Tag). 5. 9.
Auch ein Vergleich mit einem "Glitazon" fiel zu Ungunsten von Nateglinid
aus (es handelte sich um Troglitazon, das wegen hepatischer Nebenwirkungen
nicht mehr verwendet wird).
Link in der Literaturliste!
Rosenstock J et al. Diabetes 2000; 49 (Suppl 1): A123
| |
| Unerwünschte Wirkungen |
| |
| Dosierung, Verabreichung, Kosten |
Nateglinid ist kassenzulässig und als Tabletten zu 60 mg (Starlix® mite) und 120 mg (Starlix®) erhältlich. Das Mittel kann beim Typ-2-Diabetes als Monotherapie oder in Kombination mit Metformin verwendet werden. In den USA wird ausdrücklich festgehalten, dass Diabeteskranke, die auf eine Behandlung mit einem Sulfonylharnstoff zu wenig reagieren, nicht mit Nateglinid behandelt werden sollen. Ebenso ist eine Kombination mit einem Sulfonylharnstoff kontraindiziert. Die übliche Nateglinid-Dosis beträgt 3mal täglich 120 mg; bei Personen, deren HbA1c-Wert nur wenig erhöht ist, können 3mal täglich 60 mg erwogen werden. Die Tablette wird vor dem Essen genommen; spätestens 30 Minuten danach sollte die Mahlzeit begonnen werden. Um das Hypoglykämierisiko zu vermindern, darf Nateglinid nur in Kombination mit einer Mahlzeit verwendet werden. Nateglinid sollte bei mittel- bis schwergradiger Leberinsuffizienz mit Vorsicht verwendet werden. Die Anwendung bei schwangeren und stillenden Frauen, Kindern und Jugendlichen ist nicht untersucht und deshalb zu vermeiden.
Nateglinid, dreimal pro Tag verordnet, kostet 111 Franken pro Monat, wobei beide Tablettengrössen gleich teuer sind. Der Monatspreis von Repaglinid (NovoNorm®), das variabler dosiert werden kann als Nateglinid, beträgt 50 bis 142 Franken. Herkömmliche orale Antidiabetika sind erheblich billiger: Selbst in maximaler Dosierung kostet ein Sulfonylharnstoff wie Glibenclamid (Euglucon® u.a.) weniger als 45 Franken; Metformin (Glucophage®) ist noch billiger (weniger als 36 Franken).
| Einleitung | Nateglinid | Pioglitazon | Kommentar | Literatur | Links |
| |
| |
| |
| Pioglitazon |
| |
| Chemie/Pharmakologie |
|
| |
| Pharmakokinetik |
|
| |
| Klinische Studien |
Rund 4500 Personen mit Typ-2-Diabetes haben im Rahmen von Studien Pioglitazon
erhalten. In Form einer Monotherapie ist Pioglitazon hauptsächlich mit Placebo
verglichen worden. Auch die Kombination von Pioglitazon mit Sulfonylharnstoffen,
Metformin (Glucophage®) oder Insulin ist genau geprüft worden. 11.
Die Untersuchungen umfassen
einige (offene) Langzeitstudien, in denen Diabeteskranke bis zu 72 Wochen
mit Pioglitazon behandelt wurden. Da noch kaum klinische Studien im Detail
veröffentlicht sind, stammen die meisten der Informationen aus Zusammenfassungen
oder "Abstracts".
Link in der Literaturliste!
In mehreren Doppelblindstudien, die bis zu 26 Wochen dauerten und unter anderem
der Dosisfindung dienten, wurde Pioglitazon (über einen Dosisbereich von 7,5
bis 45 mg/Tag) und Placebo miteinander verglichen. Diese Studien -
wovon eine, die 408 Personen umfasste, vollständig publiziert ist 13. 11.
- lassen sich folgendermassen zusammenfassen: Im Bereich von 15 bis
45 mg/Tag führte Pioglitazon dosisabhängig zu einem signifikanten Absinken
des HbA1c-Wertes und des Nüchtern-Blutzuckerspiegels.
Mit einer Dosis von 30 bis 45 mg/Tag vermindert sich der HbA1c-Wert
um ungefähr 0,8% und der Nüchtern-Blutzuckerspiegel um 1,7 bis 2,2 mmol/l.
Aronoff S et al. Diabetes Care 2000; 23: 1605-11
Medline-Link in der Literaturliste!
Link in der Literaturliste!
Zu einem Direktvergleich mit einem anderen oralen Antidiabetikum findet man
lediglich eine Kurzinformation: In einer placebokontrollierten, 26wöchigen
Doppelblindstudie mit 263 Personen erwies sich niedrig dosiertes Glibenclamid
(Euglucon® u.a., 2,5 bis 5 mg/Tag) in Bezug auf HbA1c
und Nüchtern-Blutzuckerspiegel als wirksamer als Pioglitazon (30 bis 45 mg/Tag). 11.
Link in der Literaturliste!
Vier grosse Doppelblindstudien waren der Kombinationstherapie mit
Pioglitazon gewidmet. Personen unter Glibenclamid oder einem anderen
Sulfonylharnstoff (zwei Studien), unter Metformin (eine Studie)
oder unter Insulin (eine Studie) erhielten zusätzlich entweder Pioglitazon
(15 bis 30 mg/Tag) oder Placebo. Dabei erzielte man mit der Kombinationstherapie
(Pioglitazon-Gruppen) eine signifikant bessere Blutzuckerkontrolle als mit
der Monotherapie. 11.
Link in der Literaturliste!
| |
| Unerwünschte Wirkungen |
Wie alle Glitazone führt Pioglitazon zu einer Flüssigkeitsretention,
die sich in Ödemen und einer Anämie äussern kann; bei vorbestehender Herzinsuffizienz
muss man mit einer Verschlechterung und entsprechenden Komplikationen rechnen
(z.B. Lungenödem). 14. 11. 15.
Ferner wurde unter Pioglitazon über Kopfschmerzen, Infekte der oberen
Atemwege, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie Wadenkrämpfe berichtet. In Langzeitstudien
verzeichnete man eine durchschnittliche Gewichtszunahme von 5%, die nicht
allein auf einer Flüssigkeitsretention, sondern auch auf einer Zunahme des
Fettgewebes beruht.
Thomas ML, Lloyd SJ. Ann Pharmacother 2001; 135: 123-4
Medline-Link in der Literaturliste!
Link in der Literaturliste!
Belcher G, Matthews DR. Exp Clin Endocrinol Diabetes 2000; 108
(Suppl 2): S267-73
Eine Monotherapie mit Pioglitazon scheint nicht mit einem nennenswerten Hypoglykämierisiko verbunden zu sein. Pioglitazon erhöht aber die Empfindlichkeit gegenüber Sulfonylharnstoffen oder Insulin, so dass bei solchen Kombinationsbehandlungen das Hypoglykämierisiko zunimmt.
Vereinzelt sind Transaminasenerhöhungen aufgetreten. Manifeste Leberschäden, wie sie bei anderen "Glitazonen" vorgekommen sind - bei Troglitazon relativ häufig, bei Rosiglitazon in Einzelfällen -, sind bei Pioglitazon noch nicht beobachtet worden. Das Gesamtcholesterin kann ansteigen, wobei jedoch die HDL- häufiger als die LDL-Werte zunehmen.
Bei Ratten entwickelten sich in Langzeitversuchen Hyperplasien und Tumoren
des Harnblasenepithels; bei anderen Tierarten konnte dies nicht reproduziert
werden, so dass die Bedeutung dieses Befundes unklar ist. 11.
Link in der Literaturliste!
Interaktionen: Es sind keine Interaktionen beschrieben. Ein Interaktionspotential dürfte aber bei Substanzen bestehen, welche die beiden wichtigsten abbauenden Enzyme von Pioglitazon, CYP2C8/9 und CYP3A4, hemmen oder induzieren.
| |
| Dosierung, Verabreichung, Kosten |
Pioglitazon (Actos®) ist kassenzulässig und wird als Tabletten zu 15, 30 und 45 mg angeboten. Das Mittel ist in der Schweiz zur Behandlung des Typ-2-Diabetes zugelassen, entweder als Monotherapie oder in Kombination mit anderen oralen Antidiabetika oder mit Insulin. (In der EU wird die Indikation wesentlich restriktiver formuliert: das Medikament soll nur in sonst ungenügend behandelbaren Fällen in Kombination mit Metformin oder ausnahmsweise mit Sulfonylharnstoffen verwendet werden.)
Pioglitazon wird einmal pro Tag eingenommen. Die empfohlene Anfangsdosis beträgt 15 bis 30 mg/Tag; bei einer Monotherapie mit Pioglitazon kann, falls nötig, im Abstand von einigen Wochen bis auf 45 mg/Tag erhöht werden. Weil sich insbesondere Troglitazon als hepatotoxisch erwiesen hat, sollen unter Pioglitazon sicherheitshalber die Leberenzyme in regelmässigen Abständen kontrolliert werden. Bei Zeichen einer Lebererkrankung darf Pioglitazon nicht angewendet werden. In der Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern und Jugendlichen ist Pioglitazon kontraindiziert.
Der Monatspreis von Pioglitazon (15 bis 45 mg/Tag) beträgt 87 bis 131 Franken. Pioglitazon ist somit marginal billiger als Rosiglitazon (Avandia®, 4 bis 8 mg/Tag), das 91 bis 156 Franken pro Monat kostet. Über die Kosten von anderen oralen Antidiabetika orientiert oben der Abschnitt zu Nateglinid.
| Einleitung | Nateglinid | Pioglitazon | Kommentar | Literatur | Links |
| |
| |
| |
| Kommentar |
Mögliche Vorteile und Hoffnungen, die man mit den "Gliniden" und "Glitazonen"
verbindet, wurden letztes Jahr in dieser Zeitschrift in einem Gasteditorial
beschrieben. 16.
Zurzeit muss bei der Anwendung
dieser neuen und teuren Substanzen immer noch zu grosser Zurückhaltung
geraten werden, natürlich auch, weil ihr Nutzen im Hinblick auf diabetische
Spätkomplikationen nicht untersucht ist.
Diem P. pharma-kritik 1999; 21: 51-2
Volltext-Link in der Literaturliste!
Sowohl die "Glinide" wie die "Glitazone" sind erst wenig mit herkömmlichen Antidiabetika verglichen worden. Schon bei Repaglinid und Rosiglitazon gewann man den Eindruck, dass "Glinide" und "Glitazone" - gemessen am HbA1c-Wert - wohl nicht so potent sind wie Sulfonylharnstoffe oder Metformin. Was bisher zu Nateglinid und Pioglitazon dokumentiert ist, nährt solche Zweifel weiter. Insbesondere die "Glitazone" sind auch bezüglich ihres Nebenwirkungspotentials noch nicht klar definiert. Nicht klar ist auch, welche Konsequenzen sich aus den Veränderungen des Lipidprofils ergeben. Es wundert deshalb nicht, dass die Indikation für Pioglitazon in der EU bisher so stark eingeschränkt wurde. Es ist dringend nötig, dass diese neuen Antidiabetika in grossen Studien mit Sulfonylharnstoffen und Metformin verglichen werden.
| Einleitung | Nateglinid | Pioglitazon | Kommentar | Literatur | Links |
| |
| |
| |
| Literatur |
|
| Einleitung | Nateglinid | Pioglitazon | Kommentar | Literatur | Links |
| |
| |
| |
| Links |
| Einleitung | Nateglinid | Pioglitazon | Kommentar | Literatur | Links |
| |
| |
| |
| Nateglinid und Pioglitazon | pharma-kritik, Jg.22/No.17 |
| 09.06.01 Copyright © 2001 Infomed-Verlags-AG | Infomed Home | pharma-kritik Index |