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Therapie von Hautmykosen
R. Majstorovic
Manuskript durchgesehen von P. Itin, G. Müllner & Ch. Oswald
(pharma-kritik Jahrgang 17, Nr.19)
Diese Nummer wurde am 22. Juni 1996 redaktionell abgeschlossen
Allylamine
Naftifin (Exoderil®) war der erste Vertreter
einer neuen Substanzklasse, den Allylaminen. Heute ist dieses
(nur lokal anwendbare) Medikament in der Schweiz nicht mehr im
Handel; es ist von einem Nachfolgepräparat, Terbinafin
(Lamisil®) verdrängt worden. Allylamine hemmen die
Squalen-Epoxidase, was (wie bei den Azolen) zu einer Störung der
Ergosterol-Biosynthese führt. Im Gegensatz zu den Azolen wirken
sie aber kaum auf das Zytochrom-P450-System ein.
Terbinafin (Lamisil®) wird in erster Linie
oral verwendet und hat sich innerhalb weniger Jahre gegen ältere
Medikamente durchgesetzt. Dieses fungizide Medikament wurde 1992
in pharma-kritik besprochen.3 Seither
sind einige weitere Studien veröffentlicht worden, die im
wesentlichen die Bedeutung von Terbinafin als oralem Standard-
Antimykotikum bestätigen:
Im Vergleich mit Griseofulvin (500 bis 1000 mg/Tag,
während einem Jahr) ist Terbinafin (250 mg/Tag, während 16 bis 24
Wochen) langfristig bei Zehennagelmykosen hochsignifikant
wirksamer.14,15 Auch bei Fingernagelmykosen und bei
Tinea corporis und Tinea cruris hat Terbinafin deutlich bessere
Resultate als Griseofulvin ergeben.
Auch der Vergleich mit Itraconazol bei verschiedenen
Hautmykosen fällt meistens zu Gunsten von Terbinafin aus. Die
oben erwähnte grosse Studie bei Zehennagelmykosen kann als
repräsentatives Beispiel gelten.13
Bei Kindern ist die Anwendung von Terbinafin in mehreren
Ländern noch nicht zulässig. Die pädiatrische Anwendung ist
jedoch (z.B. bei Tinea capitis) als eindeutig wirksam
dokumentiert.16
Terbinafin ist jetzt auch als einprozentige Crème
erhältlich; gemäss einigen Studien soll sich damit z.B. bei Tinea
pedis innerhalb einer Woche ein Effekt erreichen lassen, der mit
Imidazolsalben in vier Wochen nur knapp realisiert werden
kann.17
Orales Terbinafin verursacht bei etwa 3% der Behandelten
Hautreaktionen aller Art (Exantheme sowie Urtikaria, Erythema
multiforme, Einzelfälle von Stevens-Johnson-Syndrom, toxischer
epidermaler Nekrolyse u.a.) und ähnlich häufig auch
gastrointestinale Beschwerden (Brechreiz, Bauchbeschwerden,
Durchfall). Etwa 1% der Patienten klagen über Geschmackstörungen.
Das Medikament kann vereinzelt auch Leberschäden, Angioödeme und
Arthralgien hervorrufen.
Morpholine
Das bisher einzige Morpholin ist das lokal anwendbare Amorolfin
(Loceryl®). Seine Wirkung beruht auf der Hemmung von
zwei Enzymen, was ebenfalls zu einer Störung der
Ergosterolsynthese und der Pilzwandstruktur führt.
Amorolfin
Amorolfin ist ein Antimykotikum, das gegen die Mehrzahl der
humanpathogenen Pilze fungistatisch wirksam ist.18
Perkutan gelangen höchstens 10% einer als Crème auf der Haut
applizierten Amorolfindosis in den systemischen Kreislauf. Wenn
das Medikament in Form eines Nagellacks aufgetragen wird, dringt
es gemäss Versuchen in vitro in therapeutisch wirksamen
Konzentrationen in die Nagelplatte und das Nagelbett ein. Im
Plasma lassen sich auch nach längerer Lokalbehandlung keine
messbaren Amorolfinspiegel nachweisen.
Nach dem heutigen Wissensstand eignet sich Amorolfin in erster
Linie zur Behandlung von Nagelmykosen. Leider sind aber
bisher keine randomisierten Studien veröffentlicht worden, die
einen Vergleich zwischen Amorolfin-Nagellack und anderen
Behandlungsmethoden erlaubten. Eine Übersicht berichtet über
offene Multizenterstudien, die etwa 450 Patienten mit leichten
Formen von Nagelmykose (weniger als 80% der Nageloberfläche
betroffen, Matrix und Lunula frei) umfassten. In diesen Studien
wurde bei etwa der Hälfte der von Fingernagelmykosen und bei rund
40% der von Zehennagelmykosen Betroffenen mit Amorolfin eine
Heilung erreicht. Fünfprozentiger Amorolfin-Nagellack wurde in
der Regel so lange einmal wöchentlich aufgetragen, bis eine
Besserung erreicht war (d.h. etwa ein Jahr lang); das Resultat
wurde drei Monate nach Abschluss der Behandlung beurteilt.18
Amorolfin wurde bei verschiedenen Formen von Tinea
doppelblind gegen ein lokal appliziertes Imidazolin (Bifonazol,
in der Schweiz nicht im Handel) geprüft: 232 Patienten wurden
einmal täglich mit einer von drei Amorolfin-Crèmen (0,125%, 0,25%
oder 0,5%) oder mit Bifonazol-Crème (1%) behandelt. Alle vier
Salben ergaben ähnliche Resultate, d.h. Heilungsraten im Bereich
von 90%.19
Das Medikament ist auch in Form von Ovula bei vaginaler Kandidose
mit Clotrimazol (z.B. Fungotox®) verglichen worden und
hat sich dabei als ähnlich wirksam erwiesen. Unerwünschte Wirkungen des Amorolfin-Nagellacks wie
Brennen, Rötung, Schmerzen im Applikationsbereich sind selten.
Die Crème verursacht etwas häufiger Nebenwirkungen, nämlich bei
etwa 5% der Patienten (Kontaktekzeme mit Juckreiz, Brennen,
Schuppung u.ä.).
In der Schweiz sind unter dem Namen Loceryl® ein
Nagellack (5%) und eine Crème (0,25%) erhältlich. Der Nagellack
soll einmal wöchentlich, die Crème einmal täglich appliziert
werden, bis die Läsionen abgeheilt sind.
Polyen-Antibiotika
Amphotericin B (Ampho-Moronal®,
Fungizone®) und Nystatin (z.B.
Mycostatin®) binden sich an Sterole und führen so zu
einer Veränderung der Permeabilität der Zellwand. Empfindlich
sind in erster Linie Hefe- und einige Schimmelpilze,
Dermatophyten werden nicht beeinflusst. Nystatin kann statt
Imidazolen bei kutanen Kandidosen verwendet werden. Eine
wichtigere Rolle spielen die Polyen-Antibiotika bei Mundsoor und
bei intestinalen Hefemykosen.
Nummer 19 (Therapie von Hautmykosen)
Literatur
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Autorin und Reviewer dieser Ausgabe:
Dr. Renata Majstorovic, Kantonale Psychiatrische Klinik St. Pirminsberg, CH-7312 Pfäfers
PD Dr. P. Itin, Dermatologische Universitätsklinik, Kantonsspital, CH-4031 Basel
Dr. G. Müllner, Murbacherstr. 35, CH-6003 Luzern
Dr. Christine Oswald, Nordstr. 292, CH-8037 Zürich
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