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(pharma-kritik Jahrgang 17, Nr.19)
Diese Nummer wurde am 22. Juni 1996 redaktionell abgeschlossen
Tinea capitis und Tinea barbae
Diese beiden Tinea-Formen werden systemisch behandelt, da sich
mit einer lokalen Therapie keine genügenden
Wirkstoffkonzentrationen in den Haarfollikeln erreichen lassen.
Pilzkulturen (von ausgezupften Haaren) sind diagnostisch
sinnvoll; Familienangehörige sollten ebenfalls untersucht werden.
Mit Terbinafin (250 mg/Tag; Kinder: eine halbe bis 1 Tablette zu
125 mg) soll während vier Wochen behandelt werden. Eine
Griseofulvin-Behandlung (500 bis 1000 mg/Tag) muss meistens drei
bis vier Monate dauern. Viele Fachleute bezeichnen Griseofulvin
heute noch als Mittel der Wahl zur Behandlung einer Tinea capitis
bei Kindern (10 mg/kg/Tag).1 Auch bei
der neuerdings öfter beobachteten, aus Südeuropa oder Nordafrika
importierten Mikrosporie wirken Griseofulvin oder Fluconazol
(1,25 mg/kg/Tag) besser als Terbinafin oder Itraconazol.
Tinea corporis und Tinea faciei
Oft genügt bei Tinea corporis oder Tinea faciei eine
Lokalbehandlung mit einer Imidazolcrème (eine Woche über die
klinische Heilung hinaus) oder mit Terbinafincrème. Letztere kann
auch nur ganz kurzfristig (1-2 Wochen) angewandt werden, wobei
das Resultat aber erst nach weiteren 1-2 Wochen beurteilt werden
kann.1 Bei grossflächigen, multilokulären Formen oder
wenn die Lokalbehandlung nicht genügt, kann systemisch behandelt
werden; zwei Wochen genügen in der Regel.
Tinea inguinalis
Bei Tinea inguinalis ist die lokale Hygiene wichtig (Haut trocken
halten; keine enge Unterwäsche). Geeignet sind besonders
Imidazol-Crèmepasten oder Terbinafincrème wie bei Tinea corporis.
Imidazolcrèmen sind auch bei Erythrasma wirksam und sollten daher
bei Verdacht auf diese Erkrankung vorgezogen werden. Bei
ausgedehnter Mykose kann auch systemisch, z.B. während zwei
Wochen mit Terbinafin (250 mg/Tag) oder Itraconazol (100 mg/Tag)
behandelt werden.
Tinea pedis
Auch hier ist die lokale Hygiene (Socken, eventuell Schuhe
wechseln, Zehenzwischenräume trockenhalten) wichtig. Die
interdigitale Tinea kann in der Regel gut lokal mit Imidazolen
behandelt werden. Bei einem typischen unkomplizierten Befund
genügt die Applikation einer Imidazolsalbe oder -crèmepaste (z.B.
Clotrimazol). Liegt eine Superinfektion vor, so sind neben
lokalen Massnahmen (Imidazol-haltige Fusspuder, antimykotische
Fussbäder) eventuell systemisch Antibiotika notwendig. Bei
schweren Fällen von vesikulopustulöser plantarer Tinea kann
systemisch mit Terbinafin behandelt werden. Mykosen vom Mokassin-
Typ (Pilzkultur durchführen!) sprechen kaum auf eine
Lokaltherapie an; geeignet ist Terbinafin per os (250 mg/Tag für
2 bis 4 Wochen) oder allenfalls Griseofulvin.
Palmare Tinea
Eine palmare Tinea wird ähnlich wie eine Mokassin-Tinea, d.h.
meistens oral behandelt.
Nagelmykosen
Bevor eine Nagelmykose spezifisch behandelt wird, muss die
Diagnose mittels Kultur oder Direktpräparat sichergestellt
werden.
Zehennagelmykosen sollten in der Regel nur dann behandelt
werden, wenn die betroffene Person tatsächlich unter dem Problem
leidet und eine Behandlung wünscht.1 Ausnahmen
von dieser Regel betreffen Personen, die wegen Diabetes, schwerer
peripherer arterieller Verschlusskrankheit oder Immunsuppression
einem erhöhten Infektrisiko ausgesetzt sind. Anderseits ist
gerade bei Patienten, deren Grundkrankheit nicht beseitigt werden
kann, die Rückfallgefahr besonders gross.
Sind nur einzelne Zehennägel betroffen und das Nagelbett nicht
erkrankt (Lunula frei), so kann eine lokale Therapie mit
Amorolfin-Nagellack versucht werden. Diese Behandlung muss einmal
wöchentlich während eines Jahres durchgeführt werden, bringt aber
höchstens bei etwa 50% der Betroffenen den gewünschten Erfolg.
Wenn mehrere Zehennägel und auch das Nagelbett erkrankt sind, so
ist eine orale Behandlung indiziert. Diese wird heute am besten
mit Terbinafin (250 mg/Tag, während 12 Wochen) durchgeführt. Als
Alternative kommt Itraconazol (200 mg/Tag, während 3 Monaten) in
Frage. Die Itraconazol-Behandlung ist wesentlich teurer (1287
Franken) als die Terbinafin-Behandlung (490 Franken). Eine
intermittierende Itraconazol-Behandlung, drei Monate
hintereinander jeweils während einer Woche (400 mg/Tag), ist
kostengünstiger (rund 650 Franken) als die kontinuierliche
Therapie, aber weniger gut dokumentiert. Da eine länger als
vierwöchige Itraconazol-Behandlung monatliche Kontrollen der
Leberfunktion erfordert, sind zudem die Kosten der
Laboruntersuchungen zu berücksichtigen.
Fingernagelmykosen können während sechs Monaten einmal
wöchentlich mit Amorolfin-Nagellack behandelt werden, sofern das
Nagelbett nicht betroffen ist. Sonst empfiehlt sich eine
systemische Therapie wie bei Zehennagelmykosen, jedoch nur
während sechs Wochen.
Pityriasis versicolor
Die Pityriasis versicolor kann in der Regel lokal behandelt
werden; dabei ist allerdings mit einer erheblichen Versagerquote
zu rechnen. Als Shampoo stehen Selendisulfid (z.B.
Selsun®) und Econazol (Pevaryl®) zur
Verfügung. Man kann aber auch mit einer Imidazol- oder
Terbinafin-Crème behandeln. Die Patienten müssen wissen, dass die
Pigmentveränderungen trotz erfolgreicher Therapie mehrere Monate
bestehen bleiben. Bei hartnäckigen Formen kann eine orale
Stosstherapie versucht werden: Man gibt zunächst einmal z.B. 400
mg Ketoconazol; etwa zwei Stunden später sollen sich die
Behandelten körperlich so anstrengen, dass sie zum Schwitzen
kommen und dann nochmals eine Stunde später duschen. Dieses
Verfahren soll nach einer Woche wiederholt werden. Alternativ ist
auch eine kontinuierliche orale Azolbehandlung während zwei
Wochen möglich.
Soor
Kutane Kandidosen werden in der Regel während 2 bis 4 Wochen
lokal mit einem Imidazolpräparat oder mit Nystatin behandelt. Zur
Behandlung oraler Kandidosen eignen sich z.B. Miconazol-Mundgel
(Daktarin®) oder Amphotericin-B-Lutschtabletten oder -
Suspension (Ampho-Moronal®). Auch die Triazole
Fluconazol (Diflucan®) und Itraconazol
(Sporanox®) sind gut wirksam. Die vulvovaginale
Kandidose kann lokal mit Imidazol-Ovula und -Salben oder mit
einer oralen Triazol-Eintagestherapie (Fluconazol, Itraconazol)
erfolgreich behandelt werden.
PD Dr. P. Itin, Dermatologische Universitätsklinik, Kantonsspital, CH-4031 Basel
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