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| Hinweis |
| Dies ist die korrigierte und erweiterte Fassung der Tabellen Bestellen Sie diese Tabellen als handliche und übersichtliche Broschüre |
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| Zytochrome |
| Zytochrome (Cytochromes P450, CYP) sind Enzyme, die bei allen Lebewesen gefunden werden. Beim Menschen sind sie für die Biotransformation von vielen körpereigenen und körperfremden Substanzen von grosser Bedeutung. So sind sie unter anderem an der Biosynthese von Steroiden beteiligt, können Karzinogene aktivieren oder inaktivieren und verwandeln viele körperfremde Stoffe (Xenobiotika) in Verbindungen, die besser ausgeschieden werden können. Zytochrome spielen deshalb auch eine wichtige Rolle in der Biotransformation der Medikamente. Wir verfügen heute über recht differenzierte Daten zu den verschiedenen Zytochromen. Die Mechanismen, die zu unerwünschten Arzneimittelinteraktionen führen können, sind deshalb wesentlich transparenter als vor einigen Jahren. |
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| Chemie, Lokalisation und Funktion |
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Zytochrome sind Hämoproteine, die aus einer einzelnen Hämgruppe und 400 bis 500 Aminosäuren bestehen. Ein Ligand am Hämeisen ist ein Thiolatanion - ein negativ geladenes Schwefelion. Das Absorptionsspektrum dieser Verbindungen zeichnet sich durch eine starke Absorption bei 450 nm aus, weshalb sie auch als P450 (P=Pigment) bezeichnet wurden. Zytochrome der gleichen Familie haben mindestens 40% gleiche Aminosäuresequenzen; diejenigen, die zur gleichen Subfamilie gehören, haben mehr als 55% gleiche Aminosäuresequenzen. So hat beispielsweise das Zytochrom CYP2C9 über 55% identische Aminosäurefolgen wie andere CYP2C und über 40% identische Aminosäurefolgen wie andere CYP2. In Säugetierzellen sind die Zytochrome membrangebunden. Sie finden sich teils an der inneren Membran der Mitochondrien, teils an der Membran des endoplasmatischen Retikulums. Im menschlichen Körper kommen Zytochrome an vielen Orten (in Leber, Darm, Lunge u.a.) vor; sie sind jedoch in der Leber besonders reichlich vorhanden. Nach heutigem Wissen gehören die menschlichen Zytochrome 17 verschiedenen Familien an und sind durch 50 Gene festgelegt. Von diesen sind drei Familien (1, 2 und 3) an der Biotransformation von Arzneimitteln beteiligt. Zytochrome können verschiedene Reaktionen katalysieren; sie sind häufig an der Phase I (Oxidation, Reduktion, Hydrolyse) des Arzneimittelmetabolismus beteiligt. |
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| Bedeutung für Interaktionen |
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Arzneimittel sind nicht nur häufig Substrat von CYP, sondern sie können die Aktivität von CYP hemmen oder - seltener - auch induzieren. Da einzelne Zytochrome (insbesondere die Subfamilie 3A) für den Metabolismus ganz verschiedener Arzneimittel verantwortlich sind, ergeben sich aus Hemmung oder Induktion dieser Enzyme wichtige kinetische Konsequenzen für die Substrate. Die folgenden Punkte sind dabei zu berücksichtigen: - Arzneimittel, die Substrate eines CYP sind, sind nicht notwendigerweise
auch Hemmer oder Induktoren dieses CYP. |
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| Besonderheiten einzelner Zytochrome |
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| CYP1A2 |
| Rund 15% der heute verwendeten Arzneimittel werden via CYP1A2 metabolisiert. Bekannt sind zum Beispiel Theophyllin und andere Xanthine, mehrere Antidepressiva und Neuroleptika. CYP1A2 wird von Kohlenwasserstoffverbindungen im Tabakrauch induziert. Deshalb benötigen Raucher höhere Theophyllindosen als Nichtraucher. |
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| CYP2C9 |
| CYP2C9 ist unter anderem für die Biotransformation vieler nicht-steroidaler Antirheumatika wichtig. Es gibt verschiedene Induktoren und zahlreiche CYP2C9-Hemmer. Dieses Enzym weist einen genetischen Polymorphismus auf: Bis zu 23% der Personen mit weisser Hautfarbe haben veränderte CYP2C9-Gene und eine reduzierte Enzymaktivität ("poor metabolizers"). |
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| CYP2C19 |
| Unter den Substraten von CYP2C19 finden sich einzelne Benzodiazepine, Antidepressiva und Protonenpumpenhemmer. Auch dieses Zytochrom wird polymorph vererbt; etwa 20% der Personen asiatischer Abstammung fehlt dieses Enzym. |
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| CYP2D6 |
| Nur etwa 5% aller hepatischen Zytochrome sind CYP2D6. Anderseits wird rund ein Viertel der heute gebräuchlichen Arzneimittel über dieses CYP metabolisiert. Es spielt z.B. in der Biotransformation von Antiarrhythmika, vieler Antidepressiva und Betablocker eine Rolle. CYP2D6 wird ausgesprochen polymorph vererbt: neben Personen, deren Metabolismus "extensive" erfolgt, gibt es "poor" und "ultrarapid metabolizers". Etwa 5 bis 10% der europäischen Bevölkerung sind Personen mit reduzierter oder fehlender Enzymaktivität; besonders rasche Metabolisierer machen - je nach Region - 1 bis 10% der Bevölkerung aus. CYP2D6 wird durch eine Schwangerschaft induziert. |
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| CYP2E1 |
| CYP2E1 ist nur für relativ wenige Arzneimittel, dagegen für verschiedene toxische Substanzen von Bedeutung. Es ist vorwiegend an der Biotransformation kleiner Moleküle (z.B. von Ethanol) beteiligt. |
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| CYP3A |
| Die Subfamilie CYP3A stellt nach heutigem Wissen die weitaus wichtigste Gruppe von klinisch bedeutsamen Zytochromen dar. Gegen 60% aller hepatischen Zytochrome sind CYP3A und etwa die Hälfte aller gebräuchlichen Arzneimittel werden über eines dieser Zytochrome metabolisiert. Es sind vier Zytochrome dieser Subfamilie bekannt (CYP3A3, CYP3A4, CYP3A5, CYP3A7). Davon ist CYP3A4 das wichtigste; da die anderen Zytochrome aber so ähnlich sind (mehr als 80% identische Aminosäuren), wird global von CYP3A-Enzymen gesprochen. CYP3A finden sich auch in der Wand des Dünndarms und sind deshalb häufig für eine präsystemische Biotransformation ("first pass") verantwortlich. Ein genetischer Polymorphismus für CYP3A ist bisher nicht dokumentiert. Es scheint, dass für die via CYP3A metabolisierten Arzneimittel oft auch das P-Glykoprotein von Bedeutung ist. |
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| Hinweise zu den Tabellen |
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In den folgenden Tabellen wurde schematisch vereinfacht zusammengestellt, welche Arzneimittel Substrate, Hemmer oder Induktoren der verschiedenen Zytochrome sind. Mit wenigen Ausnahmen beruhen die Angaben auf Originalarbeiten, in denen die Funktion der Zytochrome in bezug auf einzelne Arzneimittel dokumentiert sind. Nur folgende Arbeiten wurden als genügende Dokumentation anerkannt: - Ergebnisse von Studien in vitro, bei denen Kulturen von menschlichen
Zellen verwendet wurden Die Tabellen ermöglichen es, sich rasch über mögliche Interaktionen zu informieren. Wenn z.B. geprüft werden soll, ob die Zugabe von Clarithromycin (Klacid®) Auswirkungen auf eine vorbestehende Behandlung mit Triazolam (Halcion®) haben könnte, lässt sich dies in zwei Schritten feststellen: 1. In der Substrattabelle kann abgelesen werden, dass Triazolam Substrat
von CYP3A4 ist. Somit ist mit einer Hemmung der Triazolam-Biotransformation und entsprechend
höheren Spiegeln und längerer Wirkung zu rechnen. |
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| Quellen |
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Anregungen zur Darstellung und zum Inhalt fanden wir in erster Linie
in zwei Publikationen: |
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| Weitere Literatur |
| Bertz RJ, Grannemann GR. Use of in vitro and in vivo data to estimate
the likelihood of metabolic pharmacokinetic interactions. Clin Pharmacokinet
1997; 32: 210-58 de Wildt SN et al. Cytochrome P450 3A. Clin Pharmacokinet 1999; 37: 485-505 Johns Cupp M, Tracy TS. Cytochrome P450: new nomenclature and clinical implications. Am Fam Physician 1998; 57: 107-16 Lin JH, Lu AYH. Inhibition and induction of cytochrome P450 and the clinical implications. Clin Pharmacokinet 1998; 35: 361-90 Nelson DR. Lecture on cytochrome 450s in humans. University of Tennessee Memphis, Department of Biochemistry Streetman DS. Cytochrome P450 enzymes. ACPE Program Number 207-000-99-001-H01 |
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| Zytochrome und ihre Bedeutung für Arzneimittelinteraktionen | pharma-kritik, Jg.20/Anhang |
| 30.11.01 Copyright © 2001 Infomed-Verlags-AG | Infomed Home | pharma-kritik Index |