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Pharma-Kritik

Finasterid

pharma-kritik Jahrgang 15 , Nummer 05, PK505
Redaktionsschluss: 14. März 1993
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Synopsis

Finasterid (Proscar®) ist ein 5a-Reduktase-Hemmer, der zur Behandlung der benignen symptomatischen Prostatahyperplasie mässigen Ausmasses empfohlen wird.

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Chemie/Pharmakologie

Finasterid -- ein 4-Azasteroid -- ist strukturell den Androgenen Testosteron und Dihydrotestosteron ähnlich. Es hemmt kompetitiv die 5a-Reduktase und blockiert dadurch die Umwandlung von Testosteron zum gewebsaktiven Dihydrotestosteron. Letzteres spielt offenbar für die Entstehung einer Prostatahyperplasie eine wichtige Rolle.

Finasterid senkt bereits nach einer Therapiedauer von ein bis zwei Wochen die Dihydrotestosteron-Konzentration um 70 bis 80%, sowohl im Plasma als auch im Prostatagewebe. Nach Absetzen der Therapie kehrt die Dihydrotestosteron- Konzentration innerhalb von zwei Wochen wieder zum Ausgangswert zurück. Finasterid hat keine Affinität zu den Androgen-Rezeptoren.(1)

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Pharmakokinetik

Finasterid wird nach oraler Verabreichung unabhängig von gleichzeitiger Nahrungsaufnahme zu 60 bis 80% resorbiert. Maximale Plasmakonzentrationen werden nach 1 bis 2 Stunden erreicht. Die Plasmahalbwertszeit beträgt 6 bis 8 Stunden. Finasterid wird in der Leber fast vollständig oxydativ metabolisiert und mit Urin und Stuhl in Form von unwirksamen Metaboliten ausgeschieden. Eine Dosisanpassung ist bei eingeschränkter Nierenfunktion nicht notwendig.(1)

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Klinische Studien

Finasterid wurde in unterschiedlichen Dosen getestet und in mehreren placebokontrollierten Studien bei rund 1000 Probanden geprüft. In allen Studien konnte eine signifikante Reduktion des Dihydrotestosteron-Plasmaspiegels um etwa 70% des Ausgangswerts festgestellt werden.

In einer zwölf Monate dauernden nordamerikanischen Doppelblindstudie wurden Finasterid-Tagesdosen von 1 mg und von 5 mg mit Placebo verglichen. Insgesamt 895 Männer mit gutartiger Prostatahyperplasie nahmen daran teil. Mit beiden Finasteriddosen konnte im Durchschnitt eine Abnahme des Prostatavolumens um knapp 20% und eine Zunahme des Harnflusses um gut 20% erreicht werden; unter Placebo ergaben sich nur geringgradige Verbesserungen (um 3 bzw. 8%). Die Restharnmenge wurde von Finasterid nicht beeinflusst. Die subjektiven Symptome (verzögerte Miktion, terminales Nachtropfen, unvollständige Blasenleerung, Dysurie usw.) wurden dagegen von der höheren Finasteriddosis signifikant reduziert.2 Nach Angaben der Herstellerfirma hat eine weitere ähnliche Studie ein gleichwertiges Resultat ergeben.

Aus der Sicht eines behandelnden Arztes sind die interindividuellen Unterschiede beträchtlich und nur etwa 30% der Behandelten erreichen mit Finasterid eine erhebliche Besserung (Placebo 20%); in vielen Fällen wird dieses Resultat zudem erst nach etwa sechs Monaten ereicht.(3)

In kleineren und kürzeren Studien haben sich nicht immer signifikante Resultate ergeben. In einer drei Monate dauernden placebokontrollierten Studie bei 52 Männern z.B. wurde die Wirksamkeit von 5 mg Finasterid mit Placebo verglichen. Das Prostatavolumen wurde mit transrektaler Ultraschallsonographie gemessen und zeigte in beiden Gruppen keine signifikante Reduktion. Lediglich der Harnfluss verbesserte sich in der Finasteridgruppe geringgradig.(4)

Nach Absetzen von Finasterid vergrösserte sich in allen Studien die Prostata erneut und die entsprechenden Beschwerden traten wieder auf.(3)

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Unerwünschte Wirkungen

Vier bis sechs Prozent der aktiv Behandelten klagen über verminderte Libido, Impotenz oder ein verringertes Ejakulationsvolumen, (2) obwohl Finasterid keine Affinität zu den Androgen-Rezeptoren aufweist. Andere unerwünschte Wirkungen wie Bauchbeschwerden, Exantheme u.a. waren sehr selten und nicht häufiger als unter Placebo. Obwohl einige Männer schon während drei Jahren Finasterid eingenommen haben, ist die Langzeitverträglichkeit nicht gesichert.

Interaktionen mit anderen Arzneimitteln sind bisher keine bekannt und Finasterid scheint auch mit dem Zytochrom- P450-System in der Leber nicht zu interferieren.

Prostata-spezifisches Antigen (PSA): Finasterid vermindert die Plasmakonzentration des Prostata-spezifischen Antigens. Dieser ohnehin mit einem niedrigen positiven Vorhersagewert behaftete Tumormarker kann deshalb nicht als Suchtest für ein Prostatakarzinom eingesetzt werden.

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Dosierung, Verabreichung, Kosten

Finasterid (Proscar®) ist als Tabletten zu 5 mg erhältlich.Das Medikament ist zur Zeit nicht kassenzulässig. Es wirdempfohlen, täglich eine Tablette einzunehmen.

Infektionen, Strikturen, Blasenhypotonie, Prostatakarzinom,Medikamente u.a. können ebenfalls obstruktiveoder irritative Symptome verursachen und sollen vor einerBehandlung mit Finasterid ausgeschlossen werden.

Finasterid soll weder Frauen noch Kindern verabreichtwerden. Frauen, die schwanger sind oder schwanger werdenkönnten, sollten nicht mit Finasterid-Tabletten oderSperma von behandelten Männern in Kontakt kommen.Eine Behandlung mit 5 mg Finasterid während einem Jahrkostet etwa 1100 Franken. Medikamentöse Alternativenmit vergleichbarem Nutzen sind nicht bekannt.

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Kommentar

Die meisten verfügbaren Arzneimittel zur Behandlung der Prostatahyperplasie sind in ihrer Wirkung nicht belegt und zum Teil mit erheblichen unerwünschten Wirkungen behaftet.(5)Mit Finasterid steht erstmals eine Substanz zur Verfügung, die ohne schwerwiegende Nebenwirkungen eine Verkleinerung des Prostatavolumens sowie eine Verbesserung der Harnflussrate bewirkt. Leider ist die Zahl der Männer mit relevanter Besserung mit 30% recht bescheiden. Eine Verminderung der Restharnmenge wird nicht erreicht. Mit transurethraler Resektion, Laserinzision oder Mikrowellenthermotherapie hingegen wird eine Verbesserung der Harnflussraten um 50 bis 100% und eine Verminderung des Restharns um bis zu 90% erzielt.(6)

Etliche Fragen stehen noch offen: Die Risiken einer Langzeitverabreichung sind nicht bekannt. Ob sich durch eine Finasteridbehandlung auf die Länge ein operatives Vorgehen vermeiden lässt, muss zuerst noch dokumentiert werden. Die Resultate von Vergleichsstudien mit Alpha-Blockern wie Prazosin (Minipress®), die den Sphinktertonus reduzieren, stehen noch aus. Auch fehlen bisher adäquate Kosten-Nutzen- Analysen.

Welche Patienten sollen nun mit Finasterid behandelt werden? Für eine präventive Behandlung oder für Männer mit leichten Symptomen ist Finasterid nicht indiziert. In diesen Fällen empfiehlt sich eine expektative Haltung («watchful waiting»). Für eine Therapie kommen am ehesten einzelne gut ausgewählte und urologisch abgeklärte Patienten in Frage, die sich trotz erheblicher Symptome keiner Operation unterziehen wollen oder können.

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Literatur

  1. Carlin JR et al. Drug Metab Dispos Biol Fate Chem 1992; 20: 148- 55
  2. Gormley GJ et al. N Engl J Med 1992; 327: 1185-91
  3. Ellenberger B. Can Med Assoc J 1993; 148: 543-7
  4. Kirby RS et al. Br J Urol 1992; 70: 65-72
  5. Passweg J. pharma-kritik 1986; 8: 65-8
  6. Ogden CW et al. Lancet 1993; 341: 14-7
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Standpunkte und Meinungen

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pharma-kritik, 15/No. 05
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Finasterid (14. März 1993)
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