|
November/Dezember
1997 *M*
Collaborative Group on Hormonal Factors in Breast Cancer.
Breast cancer and hormone replacement therapy: collaborative reanalysis
of data from 51 epidemiological studies of 50705 women with breast cancer
and 108411 women without breast cancer. Lancet 1997 (11. Oktober), 350:
1047-59 [Medline]
Brustkrebsrisiko bei längerer
Hormongabe erhöht
Studienziele
Für diese Meta-Analyse wurden ungefähr 90% aller
weltweit durchgeführten epidemiologischen Untersuchungen zur Frage
eines Zusammenhanges zwischen Hormonersatztherapie und Brustkrebs berücksichtigt.
Die individuellen Daten von 52’705 Frauen mit Brustkrebs und 108’411 Frauen
ohne Brustkrebs aus 51 Arbeiten in 21 Ländern wurden gesammelt und
ausgewertet.
Methoden
Die Hauptanalyse wurde mit den Daten von 53’865 Frauen
nach der Menopause vorgenommen. Von diesen Frauen hatten 17’830 eine Hormonersatztherapie
erhalten. Im Mittel wurde die Behandlung im Alter von 48 Jahren begonnen
und 34% der Behandelten erhielten die Therapie für mindestens 5 Jahre.
Sämtliche Risikoschätzungen wurden nach verschiedenen Gesichtspunkten,
z.B. Alter bei der Brustkrebs-Diagnose, Alter bei Eintritt der Menopause,
stratifiziert.
Ergebnisse
Mit jedem Jahr der Hormoneinnahme nimmt das Risiko einer
Brustkrebs-Erkrankung hochsignifikant um den Faktor 1,023 zu. Diese Risikoerhöhung
bleibt bis 4 Jahre nach dem Absetzen der Hormone bestehen und kann übereinstimmend
in verschiedenen Studien und in den meisten Untergruppen beobachtet werden.
Frauen, die mehr als 5 Jahre lang Hormone einnahmen, haben ein um 35% erhöhtes
Risiko, an einem Brustkrebs zu erkranken. Unter den Frauen, die langfristig
Hormone einnehmen, ist das Brustkrebsrisiko für Schlanke grösser.
Von 1000 Frauen im Alter von 50 bis 70 Jahren, die nie mit Hormonen behandelt
werden, erkranken in Europa und Nordamerika ungefähr 45 an Brustkrebs.
Hormonverwendung während 5 Jahren ergibt ein Zusatzrisiko von 2 Brustkrebsfällen.
10 Jahre Einnahme entsprechen 6 und 15 Jahre entsprechen 12 zusätzlichen
Erkrankungen.
Schlussfolgerungen
Das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, ist bei Frauen,
welche eine Hormonersatzbehandlung erhielten, erhöht. Dieses Risiko
nimmt mit der Dauer der Behandlung zu, reduziert sich jedoch nach Beendigung
der Behandlung allmählich und befindet sich spätestens 5 Jahre
nach Beendigung wieder im normalen Rahmen. Diese Resultate sollten im Nutzen-Schaden-Kontext
bei einer Hormonersatzbehandlung berücksichtigt werden.
Die Studienresultate müssen im Licht dreier Tatsachen
gesehen werden:
1. Nur 12% der hier berücksichtigten Frauen haben
eine kombinierte Östrogen/Gestagen-Therapie erhalten. Ob die heute
bei nicht-hysterektomierten Frauen übliche Kombination mit Gestagenen
zu einer Verminderung des Brustkrebs-Risikos gegenüber einer reinen
Östrogentherapie führt, ist mehr als zweifelhaft.
2. Frauen, welche eine Östrogen-Ersatztherapie
durchführen, könnten intensiver in ärztlicher Überwachung
stehen, allein schon, um die entsprechenden Medikamente zu erhalten. Dafür
spricht auch die Beobachtung, dass bei diesen Patientinnen Brustkrebs in
weniger fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert wird. Screening-Mammographien
können anderseits zu einer Steigerung der Brustkrebsinzidenz («Überdiagnose»)
führen. Somit kann auch bei diesem Faktor nicht gesagt werden, ob
er eher zu einer Unter- oder Überschätzung des Brustkrebs-Risikos
in dieser Meta-Analyse führt.
3. Die epidemiologischen Beobachtungen, die in dieser
Meta-Analyse berücksichtigt werden konnten, mögen noch so vollständig
und qualitativ hochstehend sein, haben aber in der Hierarchie medizinischer
Evidenz klar ihren Platz unterhalb prospektiv durchgeführter randomisierter
Studien, wie z.B. die jetzt laufende Studie im Rahmen der Women's Health
Initiative. Aufgrund der heute vorliegenden Daten ist zu raten, die kleinen,
aber möglichen Risiken einer Hormonersatztherapie gegenüber den
möglichen Gewinnen abzuwägen und dies individuell zur Diskussion
zu stellen.
Beat Thürlimann
Dokument S07 - © INFOMED 2002
|