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Oktober 1997 *R*
Landoni F, Maneo A, Colombo A et al. Randomised study of radical
surgery versus radiotherapy for stage Ib-IIa cervical cancer. Lancet 1997
(23. August); 350: 535-540 [Medline]
Frühes Zervixkarzinom:
Operieren oder bestrahlen?
Studienziele
Das frühe Zervixkarzinom (Stadium Ib-IIa gemäss International
Federation of Gynaecology and Obstetrics [FIGO]) kann sowohl operativ als
auch radiotherapeutisch behandelt werden. Das Ziel dieser Studie war, die
beiden Therapiestrategien unter randomisierten Bedingungen zu vergleichen.
Methoden
An einer Universitätsklinik in Mailand wurden zwischen 1986 und
1991 343 Patientinnen im Alter von 30 bis 70 Jahren mit lokal invasivem
Zervixkarzinom in diese randomisierte Studie aufgenommen. 172 wurden primär
der Chirurgie und 171 der primären Radiotherapie zugeordnet. Die chirurgische
Therapie bestand aus einer erweiterten abdominalen Hysterektomie, wobei
bei jüngeren Frauen jeweils ein Ovar belassen wurde. Eine postoperative
Radiotherapie wurde in folgenden Fällen durchgeführt: Stadium
pT2b oder grösser, knappe oder positive Resektionsränder (weniger
als 3 mm intaktes Bindegewebe) und bei Lymphknotenmetastasen. Die Radiotherapiegruppe
erhielt während 3-5 Wochen eine lokale Bestrahlung mit 40-53 Gy; Lymphknotenmetastasen
wurden zusätzlich bestrahlt. Primäre Endpunkte der Studie waren
das Gesamtüberleben nach 5 Jahren und die Komplikationsrate in dieser
Zeit. Um einen Unterschied in der Fünfjahresüberlebensrate von
15% mit Sicherheit entdecken zu können, mussten mindestens 290 Patientinnen
in die Studie aufgenommen werden (siehe Seite 72).
Ergebnisse
Nach einer medianen Beobachtungszeit von 87 Monaten unterschied sich
das gesamte und das krankheitsfreie Überleben in den beiden Gruppen
nicht signifikant: in der chirurgisch behandelten Gruppe überlebten
83%, in der Radiotherapiegruppe 74%. Ein Viertel aller Patientinnen entwickelte
ein Rezidiv (25% in der Chirurgiegruppe, 26% in der Radiotherapiegruppe).
Die entscheidenden Faktoren in der Multivariat-Analyse waren die primäre
Tumorgrösse, der Befund der Lymphangiographie und der histologische
Typ. Plattenepithelkarzinome sprachen auf beide Therapieformen gleich gut
an, bei Adenokarzinomen war die chirurgische Therapie deutlich erfolgreicher.
Die Morbiditätsanalyse zeigte, dass die primäre Chirurgie und
die primäre Radiotherapie ähnliche Morbiditätszahlen von
7 bis 16% bei den Kurzzeitkomplikationen und 16 bis 24% bei den Langzeitkomplikationen
aufwiesen; eine deutlich höhere Morbidität (20% Kurzzeit-, 29%
Langzeitkomplikationen) war zu beobachten, wenn nach der Operation noch
bestrahlt werden musste.
Schlussfolgerungen
Bezüglich Überleben ist die Radiotherapie der radikalen Chirurgie
gleichzustellen. Abhängig vom Alter bzw. Menopausenstatus, Allgemeinzustand,
histologischem Typ und Tumordurchmesser ergeben sich aber für die
primäre Chirurgie einige Vorteile, die vor allem in der kürzeren
Behandlungszeit und dem möglichen Erhalt der Ovarialfunktion zu sehen
sind. Ausserdem liegt die Rate an Vaginalfibrosen und -verkürzungen
beim Einsatz der primären Chirurgie tiefer.
Die Studie bestätigt, was klinisch schon längere Zeit bekannt
ist, dass bezüglich Überleben die Radiotherapie der operativen
Therapie ebenbürtig ist. Die operative Therapie stellt jedoch weiterhin
die Therapie der ersten Wahl dar, falls die Patientin aus internistischen
bzw. anästhesiologischen Gründen operabel ist. Meiner Meinung
nach sollten deshalb alle Zervixkarzinome Ia-IIb primär einer Staging-Laparotomie
zugeführt werden, um intraoperativ zu entscheiden, ob eine Radikaloperation
mit Lymphadenektomie und Hysterektomie möglich ist.
Oswald R. Köchli
Dokument S20 - © INFOMED 2002
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