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September 1997 *R*
Philipp T, Anlauf M, Distler A et al. Randomised, double
blind, multicentre comparison of hydrochlorothiazide, atenolol, nitrendipine
and enalapril in antihypertensive treatment: results of the HANE study.
BMJ 1997 (19. Juli); 315: 154-9 [Medline]
[Volltext]
Neue
Antihypertensiva: keine Vorteile
Studienziele
In dieser Studie wurden Atenolol (Tenormin®), Enalapril (Reniten®),
Hydrochlorothiazid (Esidrex®) und Nitrendipin (Baypress®) bei Personen
mit einer leichten bis mässigen Hypertonie hinsichtlich der Wirksamkeit
und Verträglichkeit verglichen.
Methoden
In 48 Zentren in 4 Ländern wurden 868 Personen mit einer essentiellen
Hypertonie mit diastolischen Blutdruckwerten zwischen 95 – 120 mm Hg nach
dem Zufall initial entweder mit Atenolol (25 mg pro Tag, n=215), Enalapril
(5 mg pro Tag, n=220), Hydrochlorothiazid (12,5 mg pro Tag, n=215) oder
Nitrendipin (10 mg pro Tag, n=218) behandelt. Wurde damit der Zielwert
des diastolischen Druckes von maximal 90 mm Hg nicht erreicht, wurden die
Dosen erhöht: zuerst die doppelte Menge einmal pro Tag, bei ungenügendem
Ansprechen nach 2 weiteren Wochen die doppelte Dosis zweimal pro Tag. Der
8wöchigen Einstellungsphase folgte eine 40wöchige Beobachtungs-
und Behandlungsphase für Patienten, welche den angestrebten diastolischen
Zielwert erreichten.
Ergebnisse
Nach 8wöchiger Studiendauer betrug die Ansprechrate für Atenolol
63,7%. Sie war signifikant höher als diejenige von Enalapril (50,0%),
Hydrochlorothiazid (44,7%) und Nitrendipin (44,5%). Atenolol (48,0%) war
nach einem Jahr Therapie wirksamer als Hydrochlorothiazid (35,4%) und Nitrendipin
(32,9%), unterschied sich aber von Enalapril (42,7%) nicht signifikant.
Wegen Nebenwirkungen wurde die Behandlung mit Nitrendipin signifikant häufiger
abgebrochen als mit den anderen Medikamenten.
Schlussfolgerungen
Die neuen Antihypertensiva – Kalzium-Antagonisten und ACE-Hemmer – zeigen
weder in bezug auf die antihypertensive Wirkung noch auf ihre Verträglichkeit
Vorteile gegenüber «älteren» Antihypertensiva. Da
die neuen Präparate häufig als Medikamente der ersten Wahl eingesetzt
werden, muss in zukünftige Studien nachgewiesen werden, dass sie Morbidität
und Mortalität ebenso senken können wie die «älteren»
Diuretika und Betablocker.
Dass die «altbewährten» Diuretika und Betablocker
gerade so wirksam sind wie Kalziumantagonisten oder ACE-Hemmer, ist wohl
allen erfahrenen Kolleginnen und Kollegen bekannt. Auch dass Nitrendipin
wie viele andere Dihydropyridine mehr Nebenwirkungen als die Vergleichssubstanzen
verursacht, ist nicht neu. Für Kalziumantagonisten und ACE-Hemmer
fehlen zudem Studien mit harten klinischen Endpunkten (siehe S. 64). Interessant
ist die Feststellung, dass Frauen besser auf Enalapril oder Hydrochlorothiazid
ansprechen als Männer. Bei Leuten über 54 waren sowohl das Diuretikum
als auch der Kalziumantagonist häufiger wirksam als bei Jüngeren.
Gesamthaft bestätigt die Studie, dass es sich lohnt, Antihypertensiva
«konservativ» zu verschreiben.
Etzel Gysling
Dokument S33 - © INFOMED 2002
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