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Mai/Juni
1997 *R*
Brandjes DPM, Büller HR, Heijboer H et al. Randomised trial
of effect of compression stockings in patients with symptomatic proximal
vein thrombosis. Lancet 1997 (15. März); 349: 759-62 [Medline]
Kompressionsstrümpfe verhindern
postthrombotisches Syndrom
Studienziele
Die Inzidenz eines postthrombotischen Syndroms nach einer tiefen Venenthrombose
ist nicht genau bekannt und auch der Nutzen der oft verschriebenen Kompressionsstrümpfe
ist unklar. In der vorliegenden randomisierten Studie wurde beides untersucht.
Methoden
194 Personen mit einer erstmalig aufgetretenen, phlebographisch bestätigten
tiefen Venenthrombose des Oberschenkels wurden in diese niederländische
Studie aufgenommen (Durchschnittsalter 60 Jahre, 44% Frauen). 96 nach dem
Zufallsprinzip ausgewählte Personen erhielten bis zu den Knien reichende,
individuell angepasste Kompressionsstrümpfe, die sie während
mindestens 2 Jahren tagsüber tragen mussten. Die anderen 98 bildeten
die Kontrollgruppe, ohne Strümpfe. Die Beobachtungszeit betrug mehr
als 5 Jahre (im Mittel 76 Monate). Klinische Kontrollen erfolgten in den
ersten 2 Jahren alle 3 und anschliessend alle 6 Monate. Mittels klinischer
Kriterien und Messungen wurde die kumulative Inzidenz eines leichten bis
mässig starken postthrombotischen Syndroms erfasst.
Ergebnisse
20% der mit Kompressionsstrümpfen behandelten und 47% der unbehandelten
Personen entwickelten ein leicht bis mässig ausgeprägtes postthrombotisches
Syndrom (p<0,001, siehe Seite 40). Stärker ausgeprägte Symptome
hatten 11% bzw. 23% der beiden Gruppen (p<0,001). Ein postthrombotisches
Syndrom trat meistens innerhalb der ersten zwei Jahre nach der tiefen Venenthrombose
auf. Ulzera waren allgemein selten. Zu Thromboserezidiven kam es in der
behandelten und in der unbehandelten Gruppe gleich häufig (bei 13-15%).
Schlussfolgerungen
Nach einer ersten tiefen Venenthrombose des Oberschenkels entwickeln
etwa 60% der Personen innerhalb von zwei Jahren ein postthrombotisches
Syndrom. Kompressionsstrümpfe, die während mindestens zwei Jahren
getragen wurden, verminderten die Inzidenz des postthrombotischen Syndroms
um etwa die Hälfte, beeinflussten aber die Häufigkeit von Thromboserezidiven
nicht.
Es ist also besser, nach einer tiefen Thrombophlebitis sogleich mit
Kompressionsstrümpfen zu behandeln und nicht zu warten, bis allenfalls
ein postthrombotisches Syndrom manifest wird. Ob eine solche Behandlung
länger als zwei Jahre durchgeführt werden soll und ob sie auch
später noch vorteilhafte Konsequenzen hat, kann allerdings nicht gesagt
werden. Denkbar ist aber, dass eine frühe Behandlung (wie in dieser
Studie) langfristig Kosten spart, sofern in späteren Jahren keine
Kompressionsstrümpfe mehr notwendig sind.
Etzel Gysling
Dokument S59 - © INFOMED 2002
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