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Mai/Juni 1997 *F*
Beresford SAA, Weiss NS, Voigt LF et al. Risk of endometrial cancer
in relation to use of oestrogen combined with cyclic progestagen therapy
in postmenopausal women. Lancet 1997 (15. Februar); 349: 458-61 [Medline]
Hormonersatz: trotz Gestagenen bleibt
Krebsrisiko
Studienziele
Eine längerdauernde Hormonsubstitution in der Postmenopause, die
nur mit Östrogenen erfolgt, ist mit einem erhöhten Risiko für
Endometriumkarzinome verbunden. In dieser Studie wird untersucht, ob zusätzliche,
zyklisch verabreichte Gestagene das Karzinomrisiko beeinflussen.
Methoden
832 Frauen im Alter von 45 bis 75 Jahren, bei denen zwischen 1985 und
1991 ein Endometriumkarzinom diagnostiziert worden war, wurden auf Grund
des Krebsregisters des Bundesstaates Washington (USA) ermittelt und in
die Fall-Kontrollstudie aufgenommen. In die Kontrollgruppe, die zwischen
1986 und 1993 durch zufällige Nummernauswahl telefonisch rekrutiert
wurde, konnten 1114 Frauen mit vergleichbaren demographischen Charakteristika
einbezogen werden. Bei allen Studienteilnehmerinnen wurden medizinische
Vorgeschichte und Daten zu einer allfälligen Hormonsubstitution erhoben.
Ergebnisse
Verglichen mit der Kontrollgruppe hatten Frauen, die nur mit Östrogenen
behandelt wurden, ein vierfach höheres Karzinomrisiko. Frauen, die
zusätzlich zyklisch mit Gestagenen (z.B. mit Medroxyprogesteron) behandelt
wurden, hatten gegenüber den Frauen ohne Hormontherapie durchschnittlich
ein um 40% erhöhtes Karzinomrisiko. Dieses Risiko hing von der Dauer
des Gestagenzusatzes ab. Eine Behandlung während weniger als 10 Tagen
pro Monat war mit einem dreifach erhöhten Karzinomrisiko verbunden,
eine Behandlung während 10 bis 21 Tagen pro Monat erhöhte das
Risiko nur um etwa 30%. Wurde die Östrogen-Gestagen-Substitution während
5 oder mehr Jahren durchgeführt, so war das Karzinomrisiko unabhängig
von den Hormondosen um mindestens das Zweieinhalbfache höher als bei
Frauen ohne Hormonsubstitution.
Schlussfolgerungen
Frauen in der Postmenopause, die eine langdauernde kombinierte Hormonsubstitution
(Östrogene mit zyklischem Gestagenzusatz) durchführten, hatten
ein grösseres Risiko, an einem Endometriumkarzinom zu erkranken, als
Frauen, die keine Hormone einnahmen. Das Risiko war auch erhöht, wenn
eine zusätzliche Gestagenbehandlung während mehr als 10 Tagen
pro Monat durchgeführt wurde.
Unser Wissen über Nutzen und Risiken einer Hormonersatztherapie
in der Postmenopause stützt sich fast ausschliesslich auf retrospektive
Fall-Kontroll- oder Kohortenstudien. Bei einer länger als 5 Jahre
dauernden Hormontherapie wird ein erheblich erhöhtes Karzinomrisiko
vermutet. Die Annahme, eine kombinierte Östrogen-Gestagen-Therapie
könne dieses Risiko wirksam vermindern, scheint nicht zuzutreffen.
Das vehemente Vertreten einer solchen Therapie durch viele Fachleute ist
auf Grund des aktuell eher bescheidenen Wissensstandes bedenklich. Auch
die pharmazeutische Industrie ist daran interessiert, die Hormonersatztherapie
in der Menopause zu einer nationalen Pflicht werden zu lassen.
Benedikt Holzer
Dokument S60 - © INFOMED 2002
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