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November/Dezember
2001 *K*
Hu FB, Manson JE, Stampfer MJ et al. Diet, lifestyle, and the risk
of type 2 diabetes mellitus in women. N Engl J Med 2001 (13. September);
345: 790-7 [Medline]
Ernährung und Lebensstil
für Diabetes verantwortlich
Studienziele
Mit dem Zusammenhang zwischen Ernährung und Lebensstil sowie der
Entwicklung eines Typ-2-Diabetes mellitus haben sich frühere Studien
befasst. In dieser Studie werden erstmals gemeinsam die Risikofaktoren
Übergewicht, körperliche Inaktivität, Ess-, Alkohol- und
Rauch-Gewohnheiten hinsichtlich Typ-2-Diabetes untersucht.
Methoden
In die «Nurses’ Health Study» wurden 1976 über 120'000
Krankenschwestern aufgenommen. Von 1980 an wurden auch Daten zur Ernährung
erfasst. Für die vorliegende Analyse wurden 84'941 Frauen berücksichtigt,
die initial keinen Diabetes hatten. Mittels Fragebogen wurden bis 1996
periodisch Angaben zu den erwähnten Risikofaktoren erhoben. Nicht-Raucherinnen
mit einem Körper-Massen-Index unter 25, einer vorteilhaften Ernährung,
moderatem Alkoholkonsum und regelmässiger Körperaktivität
wurden als Gruppe mit niedrigem Risiko separat untersucht. Die Diagnose
eines Diabetes wurde aufgrund der Symptome, des Blutzuckers und der Behandlung
gestellt.
Ergebnisse
Von 1980 bis 1996 traten 3’300 neue Fälle von Typ-2-Diabetes auf.
Der wichtigste Risikofaktor war der Körper-Massen-Index: Stark Übergewichtige
(Körper-Massen-Index über 30) hatten ein 20- bis 40mal höheres
Diabetes-Risiko als Frauen mit einem Körper-Massen-Index unter 23.
Aber schon mässiges Übergewicht lässt das Risiko ansteigen.
Daneben sind Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung, Rauchen und absolute
Alkoholabstinenz – auch unter Berücksichtigung des Körper-Massen-Index
– mit einem signifikant höheren Diabetesrisiko assoziiert. Frauen
der «Niederrisikogruppe» (3,4% aller Studienteilnehmerinnen)
hatten im Vergleich zu allen anderen Teilnehmerinnen ein relatives Diabetesrisiko
von nur 0,09 (95% CI 0,05-0,17).
Schlussfolgerungen
Liessen sich die in dieser Analyse untersuchten Risikofaktoren vermeiden,
so könnte wohl die grosse Mehrzahl der Fälle von Typ-2-Diabetes
verhütet werden.
Diese Arbeit der «Nurses Health Study» ruft auf dramatische
Weise in Erinnerung, dass die Epidemie des Typ-2-Diabetes, die in den westlichen
Industrienationen, aber auch in weniger entwickelten Ländern seit
Jahren beobachtet wird, auf eine Adipositas-Epidemie zurückgeführt
werden kann. Dieser Zusammenhang ist natürlich schon seit längerer
Zeit bekannt, und es ist schade, dass die Studienverantwortlichen der vorliegenden
Arbeit ihre Resultate nicht im Licht der früheren Studien diskutieren.
Wie können diese Epidemien eingedämmt werden? Die übliche
Gesundheitserziehung und Gesundheitsförderung und die zur Zeit aktuelle
Medikalisierung der Adipositas als individuelles, behandlungsbedürftiges
Problem wirken offensichtlich nur bedingt. Eine andere, auf die gesellschaftliche
Ebene ausgerichtete Sichtweise versteht die Adipositas als normale Entwicklung
in einer kranken Umgebung.1 Aufgrund dieser Analyse
werden Massnahmen auf der Makro-Ebene, wie zum Beispiel eine aktive Preispolitik
im Nahrungsmittelbereich, die konsequente Förderung des Velofahrens
und hohe Benzinsteuern notwendig sein, um diese Entwicklung erfolgreich
zu bekämpfen.
Matthias Egger
1 Egger G, Swinburn B. An «ecological»
approach to the obesity pandemic. BMJ 1997 (23. August); 315: 477-80 [Medline]
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Dokument N01 - © INFOMED 2002
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