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Januar 2001 *R*
Blakely JA. The Heart and Estrogen/progestin Replacement Study revisited:
hormone replacement therapy produced net harm, consistent with the observational
data. Arch Intern Med 2000 (23. Oktober); 160: 2897-900 [Medline]
Hormone helfen kranken Herzen
nicht
Studienziele
Beobachtungsstudien lassen vermuten, die Hormonsubstitution nach der
Menopause führe zu einer deutlichen Reduktion koronarer Ereignisse.
In einer grossen Doppelblindstudie, der «Heart and Estrogen/progestin
Replacement Study» (HERS) mit einer Beobachtungsdauer von über
4 Jahren,1 konnte jedoch bei Frauen mit koronarer Herzkrankheit
keine sekundärpräventive Wirkung der Hormone gezeigt werden.
Auffällig war, dass unter Hormonbehandlung im ersten Studienjahr mehr,
vom dritten Jahr an aber weniger Frauen erkrankten als unter Placebo. In
der vorliegenden Arbeit sollten die Studienqualität der HERS genauer
beurteilt, der biphasischen Verlauf analysiert und die Daten mit denjenigen
aus Beobachtungsstudien verglichen werden.
Methoden
Aufgrund des ausgeprägt biphasischen Verlaufes unter Hormonsubstitution
definierte man neu als Endpunkt die Anzahl ereignisfreier Monate anstelle
der Anzahl beobachteter Ereignisse. In einer Modellanalyse wurde sodann
das prospektive Studiendesign von HERS (Beobachtung ab Therapiebeginn)
demjenigen einer Beobachtungsstudie (Beobachtung unabhängig von Therapiebeginn)
angeglichen. Dazu wurde die HERS-Population in Jahres-Kohorten aufgeteilt.
Nur die erste Jahres-Kohorte wurde wie in der Originalstudie bewertet.
Für die weiteren Kohorten wurde angenommen, sie hätten um 1,
2 oder 3 Jahre später begonnen und die entsprechenden Ereignisraten
auf eine Gesamtdauer von 5 Jahren extrapoliert. So kann eine Beobachtungsstudie
imitiert werden, in die Frauen aufgenommen werden, die individuell unterschiedlich
vorbehandelt sind.
Ergebnisse
Im Vergleich mit der Placebobehandlung hat die Hormonsubstitution früh
einen Verlust von ereignisfreien Monaten zur Folge. Der in späteren
Jahren zu beobachtende Vorteil einer Hormonsubstitution würde den
initialen Verlust erst nach 6 bis 7 Jahren Behandlung ausgleichen. Die
Modellanalyse mit Jahreskohorten zeigte, dass die HERS als Beobachtungsstudie
eine Risikoreduktion von 21% bis 34% gezeigt hätte.
Schlussfolgerungen
Bei Frauen mit koronarer Herzkrankheit führt eine Hormonsubstitution
im ersten Therapiejahr zu einer erhöhten kardialen Ereignisrate. Günstige,
aber später auftretende Wirkungen der Hormonersatztherapie kompensieren
den initialen Verlust erst viele Jahre später. Dass Beobachtungsstudien
eine vorteilhafte Wirkung zeigen, beruht auf einem Selektionsbias.
Die Methodikarbeit von Blakely untersucht anhand von Modellrechnungen
mit Daten der HERS, inwiefern sich Ergebnisse aus Kohortenstudien unter
«Ausschaltung» des Selektionsbias und Extrapolation der Therapiedauer
konsistent mit Daten von randomisierten Studien verhalten würden.
Die Ergebnisse zeigen, dass unter den Modellannahmen Beobachtungsstudien,
welche nicht unter einem Selektionsbias leiden, Ergebnisse zeitigen würden,
die mit denjenigen der HERS durchaus konsistent sind. Die Arbeit gibt wichtige
weitere Hinweise, dass Frauen nach der Menopause selbst unter mehrjähriger
Therapie (über 6 Jahre) keinen nennenswerten Gewinn haben.
Heiner Bucher
1 Hulley S, Grady D, Bush T et al. Randomized trial
of estrogen plus progestin for secondary prevention of coronary heart disease
in postmenopausal women. JAMA 1998 (19. August); 280: 605-13 [Medline]
INFOMED 2002: R14
Dokument N9907 - © INFOMED 2002
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