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April 2002 *r*
Hlatky MA, Boothroyd D, Vittinghoff E et al. Quality-of-life and depressive
symptoms in postmenopausal women after receiving hormone therapy: results
from the Heart and Estrogen/Progestin Replacement Study (HERS) trial. JAMA
2002 (6. Februar); 287: 591-7 [Medline]
Hormonersatz in der Menopause:
kaum Einfluss auf Lebensqualität
Studienziele
Frauen nach der Menopause erhalten häufig Hormone, sei es mit dem
Ziel, einer Osteoporose bzw. kardiovaskulären Krankheiten vorzubeugen,
oder weil man sich davon allgemeine gesundheitsfördernde Wirkungen verspricht.
In dieser Studie wurde untersucht, welchen Einfluss eine Hormontherapie auf
die Lebensqualität von Frauen nach der Menopause hat.
Methoden
Es handelt sich um eine zusätzliche Publikation von Daten der HERS-Studie
("Heart and Estrogen/Progestin Replacement Study "). Die (negativen) Ergebnisse
dieser placebokontrollierten Studie zur Sekundärprävention von kardialen
Ereignissen wurden 1998 vorgestellt.1 2'763 Frauen nach der Menopause mit
bekannter koronarer Herzkrankheit hatten doppelblind entweder ein Hormonpräparat
(0,625 mg konjugierte Östrogene + 2,5 mg Medroxyprogesteron [Premella®ST
2,5 mg]) oder Placebo erhalten. Die vorliegende Arbeit analysierte verschiedene
Fragebögen zur Lebensqualität, die von den Teilnehmerinnen zu Studienbeginn
und im Verlauf ausgefüllt worden waren.
Ergebnisse
Die Beobachtungsdauer betrug 3 Jahre. In dieser Zeit nahmen die Werte für
körperliche Aktivität, psychische Gesundheit und allgemeine Leistungsfähigkeit
bei den Teilnehmerinnen ab. Die Gruppen unterschieden sich dabei nicht signifikant.
Das Ausmass von depressiven Symptomen veränderte sich in beiden Gruppen
praktisch nicht. Hitzewallungen wurden durch Hormone signifikant besser gelindert
als durch Placebo; bei Frauen mit Hitzewallungen wurden die Werte für
psychische Gesundheit und depressive Symptome denn auch positiv beeinflusst.
Bei Frauen ohne Hitzewallungen fand sich in der Gruppe mit Hormonen hingegen
eine signifikant stärkere Abnahme bei den Werten für körperliche
Aktivität und allgemeine Leistungsfähigkeit als unter Placebo.
Generell wurde die Lebensqualität viel stärker durch die Begleitkrankheiten
beeinflusst als durch die Hormontherapie.
Schlussfolgerungen.
Nach der Menopause führt eine Hormonersatzbehandlung nur bei denjenigen
Frauen zu erhöhter Lebensqualität, die unter klimakterischen Beschwerden
leiden. (UM)
Erneut schlechte Neuigkeiten vom HERS-Trial: Nachdem die Analyse des Hauptendpunkts
"koronare Herzkrankheit " keine Reduktion der Inzidenz zeigte und die Placebo-
Gruppe auf Grund des unter der Hormonersatztherapie erhöhten Risikos
thromboembolischer Komplikationen insgesamt besser abschnitt, sind auch die
Resultate für Lebensqualität und Depression enttäuschend. Für
die Mehrzahl der Frauen war wiederum das Placebo die bessere Wahl. Nur eine
Minderheit von Frauen mit menopausalen Symptomen (16%) profitierten in Bezug
auf depressive Symptome. Obwohl es unklar ist, ob die Resultate von HERS
auch für jüngere Frauen gelten, sollte die Hormonersatztherapie
zur Zeit nur bei Frauen mit Hitzewallungen und anderen menopausalen Symptomen
verschrieben werden. Hormonersatztherapie hat infolge der aktuellen Evidenzlage
in der kardiovaskulären Primärprävention nichts zu suchen und
auch in der Prävention der Osteoporose sind andere Strategien zu bevorzugen.
Die laufenden grossen Studien (WHI, "Women's Health Initiative" in den USA
und WISDOM, "Women's International Study of long Duration Oestrogen after
Menopause" in Grossbritannien) werden hier in einigen Jahren Klarheit schaffen.
Vom verführerischen Bild der Hormonersatztherapie als Jungbrunnen und
Energiequelle in der Menopause muss nun endgültig Abschied genommen werden.
Dies dürfte vor allem für die verschreibenden Ärztinnen und
Ärzte schmerzhaft sein. Der hohe Anteil Frauen, die nach kurzer Zeit
die Hormonersatztherapie wieder absetzen, lässt vermuten, dass sich
die Konsumentinnen bereits entschieden haben.
Matthias Egger
1 Hulley S, Grady D, Bush T et al. Randomized trial of estrogen plus progestin
for secondary prevention of coronary heart disease in postmenopausal women.
Heart and Estrogen/progestin Replacement Study (HERS) Research Group. JAMA
1998 (19. August); 280: 605-13 [Medline]
Dokument M85 - © INFOMED 2003
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