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Mein eigener Radio-Kanal

Am Anfang war das WWW und ich dachte, ich könne mein eigenes Medienunternehmen werden; es war so einfach und kostengünstig, eine Webseite zu erstellen und diese mittels eines Servers zu publizieren. Dann die Ernüchterung: Niemand fand meine Site und – noch schlimmer – niemand interessierte sich dafür.

Der Push-Dienst RSS
Natürlich konnte man seine Seite in Suchmaschinen eintragen und Leute aus dem Bekanntenkreis gaben ermutigende Kommentare ab. Das Problem blieb: Inhalt, der geholt werden muss (Pull-Prinzip), ist weniger gefragt. Besser ist es, wenn man seine Mitteilungen anderen aufdrängen kann. RSS setzt dieses Push-Prinzip um (es gibt keine eindeutige Definition, wofür RSS steht, aber «Really Simple Syndication» beschreibt die Technologie gut, siehe http://rss.softwaregarden.com/aboutrss.html). Mit der entsprechenden Software, einem RSS-Client, können Internet-Inhalte abonniert werden. Sobald auf dem abonnierten Kanal etwas Neues publiziert wird, erhalten es die RSS-Clients automatisch zugeschickt.

Tagebücher und Tagesradios
Kombiniert mit einfachen Text-Publikationssystemen ergab RSS die technologische Basis für Zigtausende von Online-Journalen, sogenannte Blogs. Wer immer will kann sich über Gott und die Welt auslassen und mehr oder weniger regelmässig erstellte Einträge im Abonnement anbieten (siehe http://www.blogger.com/start). Das Problem, dass sich (fast) niemand für meinen Blog interessiert, bleibt zwar bestehen, aber immerhin können sich meine Bekannten jetzt für ein Abonnement eintragen und erhalten meine neuen Einträge sofort frei Haus geliefert.

Podcast
Falls ich meinen Bekanntenkreis statt mit banalen Texten lieber mit der Wirkung meiner sonoren Stimme auf meine neuen Ideen aufmerksam machen möchte, gibt es ebenfalls eine entsprechende Technik. Wann immer ich will, greife ich zum Mikrofon, nehme meine Gedanken als Tondokumente auf und lasse sie dank RSS allen meinen Abonnentinnen und Abonnenten zukommen. Das Phänomen nennt sich Podcasting (siehe http://www.podcast.net/). Die Push-Technik übernimmt RSS, für die Tontechnik gibt es spezielle Programme. Aufgrund der spärlichen Feedbacks kann ich aber noch nicht sagen, ob meine Texte oder meine Radiosendungen besser ankommen.

Zwar hat die Computerfirma Apple weder das Radio noch die Blogs noch RSS erfunden. Aber sie dominiert mit ihren iPods seit Jahren den Markt der tragbaren digitalen Musikabspielgeräte. Das Wort Podcast ist eine Wortschöpfung aus «iPod» und «broadcast» Um kommerziellen Nutzen aus dem Podcasting zu ziehen, bietet Apple seit kurzem nicht nur die nötige Software-Funktion, um Podcasts zu abonnieren, sondern auch eine Publikationsplattform in ihrem virtuellen Musikladen iTunes (siehe http://www.apple.com/itunes/download/

Wie bei den Blogs gibt es sehr interessante, aber auch völlig sinn- und nutzlose Podcasts. Aber davon mehr im nächsten Internet Corner.

Lukas Gysling

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