| In der vorliegenden Studie werden
Personengruppen mit unterschiedlichem Schilddrüsenhormonstatus
in Bezug auf das Auftreten von Vorhofflimmern, koronarer
Herzkrankheit, zerebrovaskulärer Erkrankung und
Tod über einen mittleren Zeitraum von 12,5 Jahren
verglichen. Aufgrund dieses Kollektivs von über
3’000 Personen wurde vor allem auf die Bedeutung
einer zu Beginn der Beobachtungszeit vorliegenden subklinischen
Hyperthyreose und subklinischen Hypothyreose eingegangen.
Die Frage der Bedeutung subtiler Funktionsänderungen
der Schilddrüse bzw. der Funktionseinheit Schilddrüse–Hypothalamus–Hypophyse
ist von grosser Tragweite, weil diese Störungen
relativ häufig sind, vor allem die subklinische
Hypothyreose, welche bei 15% der untersuchten Personen
festgestellt wurde. Diese Häufigkeit entspricht
derjenigen in anderen grossen Studien, in denen sie
in 9 bis 20% diagnostiziert wurde.
Die Studie zeigt, dass Leute mit subklinischer Hyperthyreose
gegenüber Euthyreoten doppelt so oft Vorhofflimmern
entwickeln und bestätigt damit die Ergebnisse einer
früheren Studie mit über 23’000 Untersuchten,
in der subklinisch Hyperthyreote sogar 5-mal häufiger
Vorhofflimmern entwickelten als Euthyreote. Die aktuelle
Studie fand keine erhöhte Mortalität für
die subklinische Hyperthyreose und bestätigte damit
ein früheres Resultat einer anderen Kohortenstudie,
welche eine Beobachtungszeit von 20 Jahren aufwies.
Sie steht jedoch im Widerspruch zu einer weiteren grossen
Kohortenstudie mit 10-jähriger Beobachtungszeit,
in der sich bei Leuten mit subklinischer Hyperthyreose
eine Mortalitätserhöhung auf rund das Doppelte
fand. Die Zunahme der Mortalität war vor allem
durch kardiovaskuläre Leiden bedingt.
Während für die subklinische Hypothyreose
im Verlauf der 12,5-jährigen Beobachtungszeit kein
erhöhtes kardiovaskuläres Risiko ermittelt
werden konnte, zeigten frühere Untersuchungen,
dass sie ein Risikofaktor für die koronare Herzkrankheit,
aber auch für eine Herzinsuffizienz sein kann,
und dass damit auch eine erhöhte allgemeine Sterblichkeit
und insbesondere eine erhöhte Sterblichkeit aufgrund
von kardiovaskulären Erkrankungen verbunden sein
kann.
Während also die Resultate in der vorliegenden
Arbeit in Bezug auf die vermehrte Häufigkeit von
Vorhofflimmern bei subklinischer Hyperthyreose mit andern
Resultaten übereinstimmen, sind sie in Bezug auf
die dadurch verursachte zusätzliche Mortalität
kontrovers. Die in der aktuellen Studie ermittelte klinische
Bedeutung der subklinischen Hypothyreose in Bezug auf
das kardiovaskuläre Risiko und die Mortalität
wird in anderen grossen Studien nicht bestätigt.
Nach wie vor bleibt es aber offen, ob eine Hormonbehandlung
von Nutzen sein könnte; diesbezüglich werden
in den verschiedenen Studien keine Empfehlungen gemacht.
Hierauf müsste man in weiteren Untersuchungen Antworten
finden und damit auf die Frage, ob die subklinische
Hypothyreose nicht doch eine pathogene klinische Bedeutung
hat.
Max Stäubli
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