MRT problematisch bei der Frühdiagnose der Multiplen Sklerose

Diese Meta-Analyse befasst sich mit der diagnostischen Sicherheit der Magnetresonanz-Tomographie (MRT)-basierten Diagnose einer MS, d.h. mit der Wahrscheinlichkeit, aufgrund der primären Bilddaten einen zweiten Schub der Krankheit vorauszusagen. Faktisch geht es um die Frage, ob bereits in der Frühphase Hochrisikopersonen identifiziert werden können. Dies würde erlauben, zu diesem Zeitpunkt die Indikation zu einer immunmodulatorischen Therapie zu stellen. Entgegen der Angabe der Studienverantwortlichen besteht nämlich schon heute genügend Evidenz, dass eine immunmodulierende Therapie nach dem ersten demyelinisierenden Ereignis den Kranken einen längerfristigen Vorteil bringt und die Entwicklung einer klinisch definitiven MS zeitlich hinauszögert (ETOMS-, CHAMPS-, BENEFIT- und CHAMPION-Studie). Die Studienverantwortlichen selektionierten die Arbeiten, welche sie in diese Metaanalyse einführten, streng nach Mindestanforderungen an die Qualitätskriterien. Die ausgewerteten Parameter beschränkten sich auf die Anzahl registrierter Läsionen in der MRT, die Dauer der Studie und die Anzahl der klinisch definitiv konvertierten Krankheitsfälle. In der Diskussion wurde der Aspekt, dass durch verschiedene Arbeitsgruppen bereits qualitative Aspekte des morphologischen Musters in die MRT-Kriterien integriert wurden, zuwenig gewürdigt. Aufgrund der Datenlage besteht das Problem darin, gleichzeitig eine hohe Sensitivität und Spezifität für die Beantwortung der eingangs gestellten Frage zu erreichen. Man wird die Schlussfolgerung, dass die MRT eine schlechte Methode ist sowohl für die Diagnose als auch den Ausschluss einer MS, relativieren müssen. Praktisch ist die MRT ein wichtiger Eckstein in der frühen Diagnose der MS geworden. Allerdings müssen die MRT-Kriterien sorgfältig definiert und vor allem konservativ angewandt werden, d.h. nach einem ersten Schub muss einer hohen Spezifität mit zahlreichen Läsionen gegenüber einer hohen Sensitivität mit wenig Läsionen der Vorzug gegeben werden. In diesen Fällen wird man den weiteren klinischen Verlauf kontrollieren müssen.

Bruno Weder

Dieser Review-Artikel geht der Frage der Richtigkeit der Diagnosestellung einer Multiplen Sklerose (MS) unter Verwendung der Magnetresonanztomographie (MRT) des ZNS im frühen Krankheitsstadium nach. Diese Fragestellung hat durch die modifizierten McDonald-Kriterien zur MS-Diagnostik von 2001 einen besonderen Stellenwert gewonnen. Das Grundprinzip bei der klinischen Diagnose der MS ist der Nachweis einer zeitlichen und räumlichen Dissemination von Entzündungen. Die McDonald-Kriterien (2001) erlauben im Gegensatz etwa zu den älteren Poser-Kriterien auch den Nachweis einer Dissemination mittels MRI, was besonders relevant im Rahmen der Abklärung von möglichen Erstmanifestationen ist. Es wurden 40 Studien nach einer Datenbankrecherche in die Metaanalyse eingeschlossen: nur 2 Studien waren methodisch von hoher Qualität und wiesen eine ausreichend lange Beobachtungsdauer von mehr als 10 Jahren auf. Auch wenn sich die McDonald-Kriterien gemäss der Meta-Analyse und Einschätzung der Studienverantwortlichen tendenziell als nützlich erweisen könnten, die klinische Entwicklung einer MS im 3-Jahreszeitraum vorherzusagen, besteht aktuell noch ein Mangel an empirischer Überprüfung dieser Kriterien im klinischen Kontext mittels prospektiver Studien. Zusammenfassend betont diese Arbeit aufgrund der Studienergebnisse einer Metaanalyse zutreffend die Gefahr einer zu häufigen Diagnosestellung «Multiple Sklerose» speziell bei Verwendung der MRT im Zusammenhang mit der Abklärung eines möglichen ersten MS-Schubs wie etwa einer Retrobulbärneuritis oder Myelitis.

Jürg Kesselring, Sylvan Albert

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