| Kommentar zu DeRouen et al.,
JAMA , april 06
Diese Studie, mit Kindern aus Lissabon durchgeführt,
ist der zweiten sehr ähnlich bzgl. Methode und
Resultate. Auch hier gilt, dass über 500 Kinder
während 7 Jahren jährlich getestet wurden,
dies nur von 3 Untersuchern. Mit Items aus bewährten
Tests wurden 3 Bereiche (Gedächtnis, Aufmerksamkeit
und Visuomotorik) untersucht, zusätzlich Nervenleitgeschwindigkeit
gemessen, um allfällige Wirkungen auf das periphere
Nervensystem zu erfassen. Schade ist, dass die Gruppen
nur bzgl. Rasse, Geschlecht und Gesamt-IQ gematcht wurden
und nicht bzgl. sozio-ökonomischer Faktoren. Dennoch
waren auch hier sowohl nach 5 wie nach 7 Jahren keine
negativen Effekte in der Gruppe der Kinder, die Amalgam-Füllungen
erhielten, nachzuweisen. Die Schlussfolgerung der Autoren,
dass dennoch, wegen der leicht erhöhten Quecksilberwerte
im Urin, kein Amalgam mehr verwendet werden soll, erstaunt
und scheint mir inkonsequent oder einfach sehr vorsichtig.
Auch hier gilt, dass die Studie solide Daten und Grundlagen
liefert. Verunsicherte Eltern könnten mit den Resultaten
beruhigt werden.
Kommentar zu Bellinger et al., JAMA, april 06
Eine gut gemachte Studie, die in der Diskussion um
«das böse (Quecksilber im) Amalgam»
recht solide Resultate liefert und einen nachteiligen
Effekt klar verneinen kann. Quecksilber ist in entsprechender
Konzentration neurotoxisch, natürlich auch für
das sich entwickelnde Gehirn. Da Daten darüber,
in welcher Konzentration und in welchem Ausmass Hg toxisch
ist, fehlen, nahmen die Autoren die bekannten Auswirkungen
von Blei als Referenz.
Neuropsychologische Auswirkungen können bei Kindern
eigentlich nur so wie hier (randomisiert, kontrolliert,
prospektiv und Langzeit) einigermassen erfasst werden.
Dies bei über 500 Kindern über 5 Jahre zu
tun garantiert eine gute Validität der Resultate.
Weitere Stärken sind: alle Untersuchenden wurden
von einer einzigen Person instruiert und jährlich
überprüft, bekannte und bewährte Tests
mit soliden Normierungen (Wechsler, Stroop u.ä.)
wurden benutzt, wichtige Variablen wie sozio-ökonomisches
Umfeld wurden berücksichtigt, nur Kinder, die noch
gar keine Amalgam-Füllungen hatten, wurden eingeschlossen
und Quecksilber wurde laufend im Urin gemessen.
Leider werden die 2 Scores, die aus den verschiedenen
Tests gebildet wurden (Visuomotorik und genereller Gedächtnis-Index),
nicht näher erläutert. Auch wären genauere
Angaben zu den Aufmerksamkeitsfunktionen in gewissen
Diskussionen hilfreich. Es bleiben aber die einfach
zu verstehenden Resultate der IQ-Werte, die bei grösserer
Exposition von Amalgam sogar etwas anstiegen (statistisch
nicht signifikant).
Amalgam wird bei uns in der Schweiz, im Gegensatz zu
den USA, nur noch ganz selten gebraucht. Eine Studie,
die wir den Zahnärzten weiter leiten sollten und
die uns allenfalls hilft in der Diskussion um fragwürdige
und teure Zahnsanierungen und Praktiken wie «ausleiten»
des Quecksilbers.
Regula Schmid
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