| Ausführlicher Kommentar
Diese Meta-Analyse folgte allen relevanten Vorgehensweisen
für eine Metaanalyse. Fraglich erscheint die Definition
eines Einschlusskriteriums: sind Studien, bei denen
die Outcomes für chronische Schmerzen bereits nach
einer Woche getestet worden überhaupt klinisch
relevant? Auch die grosse Mixtur der Zielpopulationen
(unter Einschluss von neuropathischen Schmerzen) erscheint
für die Umsetzung in der klinischen Praxis zumindest
problematisch, zumal die Zuordnung zu einer Schmerzdiagnose
(nozizeptiv, neuropathisch etc.) bei jeder Schmerzstudie
ohnehin problematisch ist.
So stellt sich wie häufiger bei Meta-Analysen die
Frage, ob die untersuchten Populationen und die daraus
gezogenen Schlüsse der Meta-Analyse für diesen
Patienten heute vor mir in der Sprechstunde eine hilfreiche
Anleitung ist. Ich glaube nicht. Da ist zum einen die
sehr niedrige Zahl von randomisierten Studien, bei denen
alle 3 Outcomes gemeinsam untersucht wurden; die Instrumente
für beispielsweise die Erfassung des Einflusses
auf die Körperfunktion sind vielfältig und
nicht vergleichbar (und dieses Erfolgskriterium ist
ja bei chronischen so viel wichtiger als die Schmerzintensität
alleine). Und die Häufigkeit und der Zeitpunkt
der Erfassung der Outcomes (jeden Tag, jede Woche, wie
viele Wochen?) sind so variabel in den Studien, dass
auch hier keine Differenzierung möglich wird für
den Patienten heute in der Praxis. Und wesentliche Medikamente,
die heute bei diesen Schmerzen Anwendung finden wie
transdermale Systeme von Opioiden oder Hydromorphon
wurden nicht eingeschlossen in die Studie. Was andere
Autoren (z.B. C.Quigley für Hydromorphon) zu diesen
Medikamenten in den letzten Jahren schreiben, stimmt
leider, obwohl sie häufig angewendet werden: qualitativ
hochstehende randomisierte Studien (auch Vergleichstudien)
zu sehr vielen Opioiden fehlen bedauerlicherweise –
der Markt ist schneller als die klinische Evaluation.
Steffen Eychmüller
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