Fluoxetin ohne Wirkung bei Magersucht

Ausführlicher Kommentar

Die Studie zeigt mit grosser Akribie, vielen psychometrischen Messungen und statistischen Auswertungen, dass Fluoxetin in der hohen, für Bulimie empfohlenen Dosis von durchschnittlich über 60 mg/d keine signifikante Wirkung hat auf den Verlauf einer Anorexia nervosa im Jahr nach der Normalisierung des Gewichts. Es erstaunt, dass das hier auch so ist für die Untergruppe von Patientinnen mit der bulimischen Form der Anorexie, da die Wirkung von Fluoxetin bei der Bulimie recht gut nachgewiesen ist. Fluoxetin hat in dieser Studie auch keine zusätzliche Wirkung auf die depressiven, die Angst- und Zwangssymptome. Eine antidepressive Wirkung ist vor allem bei ausgeprägten Depressionen zu erwarten. Es ist nicht deutlich, wieweit es Patientinnen mit ausgeprägten Depressionen in der Studie gab, für die die Patientinnen durch Mund-zu-Mund-Propaganda, Internet und Inserate gesucht worden waren und bei der suizidale Patientinnen ausgeschlossen worden waren. Man kann die Studie auch auffassen als eine weitere Studie über den Langzeitverlauf unter einer Kombination von Psychotherapie und Antidepressiva. Die Behandlung war recht erfolgreich im Vergleich zu einer Behandlung mit nur Diätberatung. Die Wirkung muss der recht intensiven Psychotherapie zugeschrieben werden mit wöchentlich 45 min während einem Jahr. Es gab einen zudem einen sehr deutlichen Unterschied im Ergebnis zwischen Toronto und New York. Da anscheinend keine messbaren Unterschiede zwischen den beiden Zentren festgestellt worden sind, muss ein nicht gemessener Faktor den Unterschied bewirkt haben, z.B. eine bessere Qualität der Psychotherapie. Die fehlende Wirkung von zusätzlichem Fluoxetin in dieser Studie passt zu anderen Studien z.B. bei Panikstörungen, bei denen eine Kombination mit Psychopharmaka nur in der Akutbehandlung einer alleinigen Psychotherapie überlegen war. Es gibt auch Studien, bei denen im Follow-up alleinige Psychotherapie der Kombinationsbehandlung überlegen war, wohl weil die Kranken dabei die Wirkung mehr sich selbst als den Medikamenten zuschreiben konnten.

Heinrich Egli

infomed-screen Links
aktueller infomed-screen Jahrgang
zusatzkommentare
epibox

 

j