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Kennen Sie Ihr kardiovaskuläres Risiko?

Es gibt heute eine ganze Reihe von Webadressen, die eine «individualisierte» Einschätzung von Krankheitsrisiken anbieten. Auch kann sich jedermann auf Grund verschiedener persönlicher Daten ausrechnen, welches Alter man wahrscheinlich erreichen wird. Es ist klar, dass solche Berechnungen niemals genau zutreffen können, dass ihnen aber doch ein gewisses prognostisches Potential eignet. Prognosen dieser Art können deshalb unnötige Beunruhigung auslösen – wenn sie aber jemanden dazu bewegen, bestimmte Lebensgewohnheiten zu ändern, so ist ihnen ein echter Nutzen nicht ganz abzusprechen. Diese Angebote lassen sich auch im Rahmen des ärztlichen Gesprächs nutzen, um damit mögliche gesundheitliche Risiken anschaulich zu machen.
Am bekanntesten sind wohl die Prognose-Sites, die sich mit den kardiovaskulären Risiken befassen. Es gibt zahlreiche Adressen, die eine unterschiedlich komplexe Evaluation ermöglichen. Dabei muss man sich bewusst sein, dass international validierte Risiken nicht unbesehen auf Schweizer Verhältnisse übertragen werden können. (Epidemiologische Untersuchungen – besonders die sogen. MONICA-Daten – haben ja gezeigt, dass das kardiovaskuläre Risiko in der Schweiz kleiner ist als in vielen anderen Ländern.) Ein Problem ist ferner, dass für Leute über 65 wenig zuverlässige Daten vorliegen, weshalb sich die Prognose-Sites oft auf Personen bis zum Alter von 65 beschränken.
Speziell auf Schweizer Verhältnisse abgestimmt ist der AGLA Risk Calculator (http://tinyurl.com/2sx5gf). Hier werden nur relativ wenige Angaben (insbesondere Alter, Geschlecht, systolischer Blutdruck, Cholesterinwerte, Raucherstatus) erfragt und das Angebot beschränkt sich auf die 35- bis 65-Jährigen. In adaptierter Form findet man dieses Programm, in dem die PROCAM-Daten für die Schweiz «korrigiert» wurden, auch an anderen Adressen, z.B. bei Scopri (www.scopri.ch).
Mit einem amerikanischen Programm (http://hp2010.nhlbihin.net/atpiii/calculator.asp), das auf der Framingham-Studie beruht, errechnen sich deutlich höhere Risikowerte. Ähnlich ist das Programm der Universität Edinburgh (http://cvrisk.mvm.ed.ac.uk/calculator.htm), bei dem jedoch nach zwei verschiedenen Methoden gerechnet werden kann.
Es gibt aber auch Programme, die nach sehr viel mehr Einzelheiten (Anamnese, Ernährung usw.) fragen und so versuchen, das Risiko noch genauer zu definieren. Ein Beispiel ist das Programm der Harvard School of Public Health (http://www.yourdiseaserisk.harvard.edu/). Verschiedene wissenschaftliche Texte berichten über den Nutzen der Risikoschätzung. (Beispiele: http://eurheartj.oxfordjournals.org/cgi/reprint/24/11/987 und http://www.bmj.com/cgi/content/full/320/7236/671). Zum Schluss noch ein Hinweis auf einen schottischen Guideline, der sich auf über 70 Seiten mit der Einschätzung des kardiovaskulären Risikos befasst: http://www.sign.ac.uk/pdf/sign97.pdf
Über Websites, die anderen Risiken gewidmet sind, werden wir in einem der nächsten «Internet Corner» berichten.

Etzel Gysling

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