| Die vorgestellte
EVA-3S-Studie sollte einen Beitrag zur Positionierung
der interventionellen Behandlung von Karotisstenosen
mittels Stenting leisten. Der Studienabbruch nach Randomisierung
von 527 Kranken aus Sicherheitsgründen, weil innerhalb
des definierten Zeitraumes von 30 Tagen signifikant
mehr Individuen nach Karotisstenting einen Hirnschlag
erlitten, hat die Hoffnung vorerst einmal gekippt. Relativiert
wird das ernüchternde Studienergebnis einzig dadurch,
dass ein signifikanter Unterschied zwischen Karotisstenting
und Karotisendarterektomie nur entstand, wenn invalidisierende
und nicht-invalidisierende Hirnschläge zusammen
gezählt wurden. Trotzdem: der Nachweis der Nicht-Unterlegenheit
des Karotisstenting gegenüber der Endarterektomie
war die Arbeitshypothese, welche zu diesem Zeitpunkt
aufgrund von Hochrechnungen nicht mehr realistisch war.
Ist dies das «Out» für die Methode?
Ich glaube nicht; allerdings drängt sich eine realistischere
Einschätzung dieser Technik und damit auch eine
Überprüfung der Fragestellungen auf, welche
als nächste gelöst werden müssen. In
diesem Zusammenhang müssen verschiedenen Aspekte
kritisch beleuchtet werden. Primär war die Voraussetzung
punkto Erfahrung und Vertrautheit mit der Methodik im
Quervergleich für die beiden Behandlungsarme nicht
die selbe, auch wenn beim Karotisstenting sogenannt
erfahrene Zentren neue Zentren mit Tutoriaten unterstützten.
Rigoroses Qualtiätsmanagement haben der Endarterektomie
im Laufe von Jahrzzehnten einen hohen Sicherheitsstandard
eingebracht. Im Vergleich dazu steht das Karotisstenting
am Beginn der Lernkurve, welche nicht im Eiltempo auf
das Niveau der Endarterektomie gebracht werden kann.
Darauf weisen Umstände wie: i) die Änderung
von Vorschriften im Ablauf einer Studie mit dem systematischen
Gebrauch einer Embolie-Protektion, ii) Schwierigkeiten,
die erfolgreiche Durchführung der Intervention
im vornherein einzuschätzen. So erwies sich in
einem Teil der Fälle die Stenose für den eingeführten
Katheter als nicht zugänglich (5%) oder die Stenose
musste mit dem entsprechend inhärenten Embolierisiko
vordilatiert werden (17%). Die Überschrift «endarterectomy
versus stenting» und die Arbeitshypothese der
Nicht-Unterlegenheit des Karotisstenting suggerieren,
dass beim selben Fall entweder die eine oder die andere
Methode unterschiedslos eingesetzt werden kann. Wahrscheinlicher
ist, dass das Stenting unter bestimmten Bedingungen
eine adäquate Behandlung ist und nicht in jedem
Fall eine Alternative zur Endarterektomie darstellt.
Um diese Frage zu klären, genügt die einzige
Variable der vorliegenden Studie, der Stenosegrad, nicht,
sondern müssten weitere Variabeln in die Analyse
miteinbezogen werden: die Plaqueform, die Plaquemorphologie,
die Plaqueoberfläche, das Volumen bzw. die Länge
der obstruierenden Plaque. Die Einstufung der Gefährlichkeit
einer Plaque ist ohnehin ein spezifisches Problem, welches
noch nicht zur Zufriedenheit gelöst ist. Man wird
also mit der interventionellen Kathetertechnik Zeit
benötigen, um ihre definitive Indikation und ihren
Stellenwert bei der Behandlung von Karotisstenosen zu
etablieren. Nicht vergessen werden darf, dass nach der
ersten Endarterektomie 40 Jahre vergingen, bis deren
Nutzen in zwei doppelblinden Multizenter-Studien erwiesen
wurde.
Bruno Weder
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