Zusätzliche Koronarintervention bei persistierendem Verschluss nach Myokardinfarkt?

In der Studie von Hochmann et al. wurde der Nutzen einer perkutanen Revaskularisation einer subakut verschlossenen Herzkranzarterie mit demjenigen einer optimalen medikamentösen Therapie verglichen. Die perkutane Intervention zeigte keinen Vorteil, obwohl sie in 87% der Fälle erfolgreich war. Die eingeschlossene Population stellt jedoch eine Niedrig-Risiko-Population dar: die linksventrikuläre Pumpfunktion war nur leicht eingeschränkt, die Erkrankten beinahe beschwerdefrei, und eine Grosszahl von ihnen wies lediglich eine 1-Gefäss-Erkrankung auf.
Generell profitieren Personen mit hohem Risiko (z.B. einer Mehrgefässerkrankung, einer eingeschränkten Pumpfunktion sowie schweren Symptomen) am meisten von einer Revaskularisation, mittels perkutaner Intervention oder Bypassoperation. Der potentielle Nutzen einer Revaskularisation einer chronisch verschlossenen Arterie besteht darin, dass einerseits die Reaktion des noch gesunden Herzmuskelgewebes auf die Narbe günstig beeinflusst wird und dass andererseits die wiedereröffnete Arterie im weiteren Verlauf als kollateralspendendes Gefäss für andere erkrankte Gebiete dienen könnte.
Ein Grund für das äquivalente Abschneiden der beiden Gruppen könnte die Tatsache sein, dass die untersuchte Population im wesentlichen aus asymptomatischen Personen mit abgelaufenem Infarkt und nur leicht eingeschränkter Pumpfunktion bestand. Ausserdem besass ein Grossteil der Erkrankten Kollateralarterien zum infarzierten Gebiet. Aus früheren Studien ist bekannt, dass solche Personen eine gute Prognose haben, wenn sie asymptomatisch sind, keine Restischämie vorhanden ist und zusätzlich eine medikamentöse Therapie mit einem Beta-Blocker vorgenommen wird. Wieviele Personen im Langzeitverlauf dieser Studie einen solchen eingenommen haben, bleibt jedoch unbeantwortet.

Peter Wenaweser


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