EKG-Abnormalitäten bei Athlethen

Bei jedem unerwarteten Todesfall beim Sport, an dem heute die Öffentlichkeit dank den elektronischen Medien zeitweise unmittelbar partizipiert, kommen unweigerlich Fragen auf, wie dies hätte verhindert werden können und wie sinnvoll, nötig und zuverlässig präventive sportmedizinische Checks sind. Welche Zielgruppen sollen wie häufig, wie ausgedehnt und durch wen untersucht werden? Wo liegen Evidenz sowie Aufwand-Nutzen- und Kosten-Verhältnis? Und will man unter Umständen riskieren, junge Athleten durch in ihrer Bedeutung unsichere Befunde im Grauzonen-Bereich zu belasten und allenfalls sogar zu Unrecht vom Sport fernzuhalten?

Die vorliegende Übersicht zeigt uns, dass als Screening-Untersuchung bereits das weltweit standardisierte 12-Ableitungs-EKG als kostengünstige, leicht verfügbare und bei Bedarf zentral auswertbare Methode weiterhelfen kann. Der Aufwand ist aber nicht unerheblich: 81 von 12’550 Athleten (=6,4‰) hatten abnorme T-Wellen-Negativitäten von =2mm in mindestens 3 Ableitungen, und davon entwickelten insgesamt 5 eine Kardiomyopathie, was 6% der Untergruppe oder 0,4‰ aller Untersuchten entspricht. Da sich die strukturellen Herzveränderungen meistens erst später entwickeln, bedarf es bei ungewöhnlichen EKG-Abnormitäten regelmässiger, meist echokardiographischer Nachkontrollen, um dann – wie hier – bei 5% eine strukturelle Herzkrankheit – hoffentlich rechtzeitig – zu erfassen. Frühformen von Kardiomyopathien und vor allem auch einer arrhythmogenen rechtsventrikulären Dysplasie sind echokardiographisch aber oft schwer zu erkennen, und im Einzelfall muss sogar ein MRI erwogen werden. Der diagnostischen Akribie steht anderseits die Tatsache gegenüber, dass bei der hypertrophen (obstruktiven) Kardiomyopathie bereits vor der Erstmanifstierung von EKG-Veränderungen ein erhöhtes Risiko für den plötzlichen Herztod («sudden cardiac death»; SCD) bestehen kann.

Wie analoge Institutionen in diversen europäischen Staaten empfiehlt heute die Schweizerische Gesellschaft für Sportmedizin (SGSM) bei einer sportärztlichen Untersuchung auch bei jungen Athleten und Athletinnen ein 12-Ableitungs-EKG; denn irgendwo muss ja begonnen werden!

Max Hintermann

 

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