| Medizinische Zeitschriften:
was ist neu?
Die Gestalt der Websites ändert sich allgemein rascher als das Design
gedruckter Medien. Dies gilt auch für medizinische Fachzeitschriften,
bei denen in den letzten Jahren und Monaten oft beträchtliche
Änderungen beobachtet werden konnten. Ich berichte hier
über einige Adressen, die mir in diesem Sinn aufgefallen
sind.
Das altehrwürdige British Medical Journal (BMJ, http://www.bmj.com)
hat das Schema der an einem bestimmten Datum publizierten
«Nummer» weitgehend aufgegeben. Es gibt nach wie
vor eine Printausgabe; die darin enthaltenen Texte werden
jedoch – zusammen mit ergänzenden Dokumenten (Blogs,
Podcasts) – in der Regel schon vorher im Web veröffentlicht.
Mit anderen Worten: ruft man die «in den letzten sieben
Tagen» publizierten Texte auf, so sieht man Texte, die
in der Regel noch nicht gedruckt worden sind. A propos altehrwürdig:
heute sind sämtliche Ausgaben des BMJ von 1857 bis 2005
gratis als PDF-Dateien abrufbar (http://www.pubmedcentral.nih.gov/tocrender.fcgi?journal=182&action=archive).
Ganz neu gestaltet ist auch die Website des Lancet (http://www.thelancet.com/journals/lancet).
Die Leute bei Elsevier haben offensichtlich gemerkt, dass
der Zugang zu ihrer Zeitschrift bisher eher schwerfällig
war. Jetzt ist das viel besser; sehr gut ist auch, dass man
jetzt gleich auf der «Titelseite» gratis kurze
Zusammenfassungen («Previews») aufrufen kann,
ohne auf eine andere Seite zu wechseln. Dieser praktische
Service wird nicht nur für die neuen Ausgaben, sondern
auch für die Nummern im Archiv sowie für die drei
Schwesterzeitschriften («Infectious Diseases»,
«Neurology» und «Oncology») angeboten.
Auch Lancet offeriert Podcasts, das gehört heute offenbar
einfach dazu.
Auch die «American Medical Association» strebt
offenbar an, alle früheren Nummern ihrer verschiedenen
Zeitschriften als PDF anzubieten. In den «Backfiles»
(http://www.backfiles.org)
lassen sich allerdings zur Zeit nur ein Teil der früheren
Nummern (kostenpflichtig) abrufen. Anders verhält es
sich mit dem «Canadian Medical Association Journal»,
von dem alle Nummern bis ins Jahr 1911 (aber auch alle neuen)
gratis erhältlich sind (http://www.pubmedcentral.nih.gov/tocrender.fcgi?journal=77&action=archive).
Der praktische Wert der früheren, medizingeschichtlich
interessanten Texte ist allerdings gering.
Da sind mir die aktuellen Zeitschriften und Texte, die (teilweise
ebenfalls gratis) auf der Homepage der Zeitschrift Nature
(http://www.nature.com/nature/index.html)
zu finden sind, lieber. Besonders wenn man auch am naturwissenschaftlichen
Hintergrund der Medizin interessiert ist, bietet Nature wirklich
viel.
Dass bezüglich freier Zugänglichkeit die Zeitschriften
der EMH und des Schwabe-Verlags (http://www.emh.ch/d/set_journals.html)
ganz einfach vorbildlich sind, habe ich schon früher
erwähnt. Damit unterscheidet sich dieser Schweizer Verlag
vorteilhaft von den meisten anderen Verlagen, die deutschsprachige
Medizinzeitschriften veröffentlichen (natürlich
mit Ausnahme der werbebelasteten Gratispublikationen).
Etzel Gysling
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