Ein Blick auf die BMJ Group
Im Internet veröffentlichen heute die Herausgeber von
medizinischen Zeitschriften neben den Inhalten der gedruckten
Hefte nicht selten eine ganze Fülle von zusätzlichen
Informationen. Diese beziehen sich teilweise direkt auf die
Artikel, die auch im Druck erscheinen – zusätzliche
Daten, erweiterte Texte –, teilweise handelt es sich
jedoch um eigenständige, speziell für die Online-Verwendung
aufbereitete Produkte, die manchmal sogar kostenlos erhältlich
sind. Das Internet-Angebot der BMJ Group stellt ein gutes
Beispiel für eine Website dar, die weit über eine
blosse Zeitschriftenadresse (BMJ = British Medical Journal)
hinausgewachsen ist.
An der Adresse der BMJ Group (http://group.bmj.com/)
finden sich mehr als 30 verschiedene Fachzeitschriften. Diese
sind allerdings nur dann im Volltext zugänglich, wenn
man über ein bezahltes Abonnement verfügt. (Personen
in Entwicklungsländern können die Zeitschriften
gemäss der «Health InterNetwork Access to Research
Initiative» [http://www.who.int/hinari/about/en/]
gratis oder zu stark reduziertem Preis konsultieren.) Immerhin
bieten mehrere Periodika jeden Monat einen allgemein zugänglichen
Volltext an. Irritierend ist allerdings, dass dies nur für
einen Teil der Artikel zutrifft, die auf der Website als «free»
bezeichnet werden. Zudem bleiben die «frei» zugänglichen
Texte in der Regel nur so lange erhältlich, als noch
keine neue Nummer des Hefts publiziert ist. Zuverlässig
ist dagegen der Gratiszugang zum Archiv aller Zeitschriften
bis zum Jahr 2005 (siehe: http://group.bmj.com/group/media/bmj-journals-information-centre).
Um Zugang zu erhalten, muss man sich einmal registrieren;
ein Abonnement ist dabei nicht notwendig. Die BMJ Group hat
sich darum bemüht, wirklich alle früheren Ausgaben
in digitaler Form anzubieten. So kann man beispielsweise auch
Ausgaben des BMJ aus dem 19. Jahrhundert einsehen (http://www.bmj.com/archive/).
Natürlich lässt sich über den Wert dieser «alten»
Texte streiten, leben wir doch in einer exklusiv auf Aktualität
ausgerichteten Zeit.
Ausser den Zeitschriften offeriert die BMJ Group verschiedene
Dienstleistungen zur «Evidence Based Medicine»,
Online-Fortbildung («BMJ Learning»), mehrere Blogs,
Stelleninserate und noch einiges mehr. Obwohl ich auch heute
noch am liebsten «Gedrucktes» lese, machen mir
einige der Blogs – die man ja nur am Bildschirm lesen
kann – grosses Vergnügen, besonders diejenigen
der «Guest Bloggers» (http://blogs.bmj.com/bmj/category/guest-bloggers/),
die sich oft durch ihr Engagement für Anliegen auszeichnen,
die ausserhalb der profitorientierten Medizin liegen.
Im Bereich der «Evidence Based Medicine» ist ein
kanadisches Angebot erwähnenswert: auf die Bedürfnisse
praktisch tätiger Ärztinnen und Ärzte ausgerichtet,
individuell anpassungsfähg und erst noch gratis sind
die «Evidence Updates» der McMaster University
(http://group.bmj.com/products/evidence-centre/evidence-updates).
Hier kann man ein Interessenprofil definieren und erhält
dann nach klinischer Relevanz ausgewählte Zusammenfassungen
von aktuellen Studien (auf der Website http://plus.mcmaster.ca/EvidenceUpdates/
oder via E-Mail).
Etzel Gysling
|