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Klinische Epidemiologie kurz erklärt
/ September 1997
Vorsicht bei Surrogat-Endpunkten
Die Anzahl CD4-positiver T-Lymphocyten korreliert bei HIV-Infektion
mit der Krankheitsprogression. Therapien, die zu einem Anstieg der CD4-Zellzahl
führen, verlangsamen die Progression. Unter dieser Annahme wurde die
CD4-Zellzahl in klinischen Studien als Surrogat-Endpunkt, stellvertretend
für klinisch relevante Endpunkten (AIDS, Überleben), verwendet.
Knochendichte, Blutdruck und Cholesterinspiegel sind weitere Beispiele
für gebräuchliche Surrogat-Endpunkte. Diese sind praktisch und
kostengünstig, da die Wirkung einer Therapie in kurzer Zeit und in
relativ kleinen Studien erfasst werden kann. Derartige Studien müssen
jedoch vorsichtig interpretiert werden.1 Zum Beispiel zeigte
die Concorde-Studie (siehe: Dokument S990),
dass eine Monotherapie mit AZT (Retrovir®) bei asymptomatischen Patienten
die CD4-Zellzahl anhebt, ohne die Progression zu beeinflussen. Natriumfluorid
(Ossin®) erhöht bei Osteoporose wohl die Knochendichte, führt
jedoch sogar vermehrt zu Frakturen. Kalzium-Antagonisten und ACE-Hemmer
(siehe: Dokument S33) werden bei Hypertonie
häufig verschrieben. Die Wirkung auf Morbidität und Mortalität
ist für diese Substanzen allerdings nicht gesichert - Studien, die
eine Reduktion von kardio- und zerebrovaskulären Komplikationen zeigen,
liegen nur für Diuretika und Betablocker vor.
Matthias Egger
1 Fleming TR, DeMets DL. Surrogate end points in clinical trials: are
we being misled? Ann Intern Med 1996;125: 605-13 [Medline]
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