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Klinische Epidemiologie kurz erklärt
/ Februar 1998
Wurde wirklich randomisiert?
Der Vorteil einer Randomisierung, d.h. einer zufälligen Zuteilung
von Patienten zu verschiedenen Vergleichsgruppen, liegt primär in
deren Unvorhersagbarkeit. Wer vor dem Entscheid, eine Person in eine Studie
aufzunehmen, die Gruppenzuteilung kennt, wird möglicherweise durch
dieses Wissen beeinflusst. Ein fiktives Beispiel: In der Studie zur Primärprophylaxe
der koronaren Herzkrankheit mit Acetylsalicylsäure oder oralen Antikoagulantien
(siehe: Dokument R92) kennt ein Verantwortlicher
die Zuteilung seiner Patienten, bevor er über deren Aufnahme in die
Studie entschieden hat. Er ist überzeugt, dass Personen mit sehr hohem
kardiovaskulärem Risiko in jedem Fall von einer oralen Antikoagulation
profitieren. Nun erfüllen 20 seiner Patienten die Einschlusskriterien
der Studie. Vier davon werden jedoch nicht eingeschlossen, da diese das
höchste Risiko von allen aufweisen, aber für eine Behandlung
ohne Antikoagulantien vorgesehen sind. Unschwer zu erkennen, dass durch
diese einseitige Elimination von Höchstrisikopersonen ein Ungleichgewicht
entsteht. Es wurde gezeigt, dass durch Verfälschungen dieser Art die
Wirkung einer Behandlung um bis zu 40% überschätzt werden kann.1
Fälschlicherweise werden vorhersagbare Zuteilungsmechanismen, z.B.
die systematische Zuordnung nach Massgabe des Eintrittsdatums (z.B. gerade
Tage: Acetylsalicylsäure / ungerade Tage: Antikoagulantien), häufig
auch mit dem Gütesiegel «randomisiert» versehen. Zulässig
sind aber nur wirkliche Zufallsgeneratoren wie Würfeln, das Werfen
von Münzen oder Kartenziehen. Heute werden meist Tabellen mit Zufallszahlen
oder computergesteuerte Zufallsgeneratoren verwendet. In der erwähnten
Studie wurde auf der Basis von computergenerierten Zufallszahlen korrekt
randomisiert. Die im fiktiven Beispiel angesprochenen Verfälschungen
sind deshalb ausgeschlossen.
Peter Jüni
1 Schulz KF, Chalmers I, Hayes RJ, Altman DG. Empirical evidence of
bias. Dimensions of methodological quality associated with estimates of
treatment effects in controlled trials. JAMA 1995; 273: 408-12 [Medline]
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